Blick hinter die Kulissen

Wo das Toilettenpapier nie ausgeht: Der Tante Emma-Laden auf der Fraueninsel im Chiemsee

Wo das Toilettenpapier auch während des Lockdowns nie ausging: Im „Inselladl“ auf der Fraueninsel war und ist für Nachschub gesorgt. Im Bild das Kernteam Sabine Neuer und ihre Tochter Elke Dingfelder sowie Petra Weidenspointner (von links).
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Wo das Toilettenpapier auch während des Lockdowns nie ausging: Im „Inselladl“ auf der Fraueninsel war und ist für Nachschub gesorgt. Im Bild das Kernteam Sabine Neuer und ihre Tochter Elke Dingfelder sowie Petra Weidenspointner (von links).
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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Im Inselladen auf der Fraueninsel liegt beides nah beieinander: Die Furcht vor neuem Lockdown und die Freude über treue Kunden. Die konnten bis jetzt immer darauf vertrauen, dass genügend Nachschub an Waren da war und mussten nie hamstern. Daran soll sich laut den Betreibern auch nichts ändern.

Fraueninsel – „Hamsterkäufe? Die gab es bei uns nicht“, lacht Eva Maria Mayer von Tante Emma´s Inselladl auf der Fraueninsel. Nicht, weil die Insulaner keinen Bedarf während des Corona-Lockdowns gehabt hätten, „sondern weil sie uns und unseren Lieferanten vertraut haben, dass immer für Lebensmittelnachschub gesorgt ist“, erklärt Mayer. Sie gehört zur Stammbesetzung des nur 23 Quadratmeter kleinen Lädchens, das von Backwaren über Drogerieartikel, Wasch- und Putzmittel, Obst und Gemüse bis hin zu Fleisch und Wurst alles parat hat, was man zum täglichen Leben so braucht.

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Noch ein Lockdown wäre schwer zu verkraften

Und für das man eben nicht mit dem Schiff übern See aufs Festland fahren muss, was während des Lockdowns nur stark eingeschränkt möglich war. Aber auch, wenn die Insulaner dem Laden die Treue gehalten haben und Mayer sagt, man habe den Sommer „gut überstanden“, fürchten Mayer und Ladengründerin Elke Dingfelder einen erneuten Lockdown: „Fürs Überleben reicht es leider nicht, was die Bewohner bei uns kaufen, wir sind auch auf die Inselbesucher und die Gäste aus dem Kloster angewiesen“, erzählen die beiden Frauen.

Würde es noch einmal zu so einer Situation wie zwischen März und Mai kommen, schätzen sie, würde dem Inselladl nach maximal sechs Monaten die Luft ausgehen, schätzen sie. Denn finanziell muss bis zum Ende des Jahres die „schwarze Null“ stehen, was bei einem umsatzschwachen Winter schwer zu schaffen sein dürfte. Aber Mayer und Dingfelder wollen sich auf das Positive konzentrieren. Zum Beispiel, dass die Gemeinde Chiemsee den Laden voll und ganz unterstützt, ihnen keine Miete abverlangt, Strom- und Telefonkosten für den Laden übernimmt.

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Fünf Gesellschafter tragen derzeit den Laden mit, drei davon arbeiten auch im Geschäft mit. Zum „harten Kern“ des Teams gehört auch Dingfelders Mutter Sabine Neuer, die tatkräftig mithilft. Als Vollzeitangestellte steht noch Petra Weidenspointner an der Kasse.

Der Zusammenhalt hat sie durch die schwierige Zeit gebracht, aber freilich auch die Kundentreue und die Geduld der Menschen. Weil coronabedingt sich nur zwei Personen für ihren Einkauf im Laden befinden dürfen, müssen die anderen derweil draußen warten. Viel Zeit für ein Schwätzchen bleibe da momentan nicht, so Mayer – „das wäre gegenüber den Wartenden etwas unfair.“

Kunden vertrauen darauf, dass für Nachschub gesorgt ist

Doch die Leute reagierten verständnisvoll. Im Sommer haben die Verkäuferinnen im Laden noch das Fenster zum Gehweg hin geöffnet, „damit man wegen Eis und Wasser nicht lang anstehen brauchte.“ Ausverkauft sei der Laden während der jüngsten Hochphase der Pandemie nie gewesen – „weil immer für Nachschub gesorgt ist“, versichert Mayer.

Sie wohnt selbst nicht auf der Insel, sondern in Übersee, und konnte das Einkaufsverhalten auf dem Festland mit dem der Insulaner vergleichen: „Während anderswo zum Beispiel die Regale fürs Toilettenpapier leer waren, gab es bei uns immer ausreichend davon zu kaufen“, schmunzelt sie. Aktuell beobachte sie das Phänomen erneut.

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