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Kosmische Brocken und irdische Relikte

Wissenschaftler entdecken weitere Meteoritenkrater im Chiemgau

Unzählige geophysikalische Untersuchungen wie hier mit einem Boden-Radarsystem hat das Chiemgau-Impakt-Forscherteam (CIRT) in den letzten Jahren im ellipsenförmigen Meteoritenkraterstreufeld zwischen dem Bereich Altötting/Burghausen und dem Chiemsee durchgeführt und dabei viele fundierte Erkenntnisse gewonnen. Auf dem Bild zu sehen sind Bodenradarspezialist Jens Poßekel und Historikerin Barbara Rappenglück bei der Arbeit
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Unzählige geophysikalische Untersuchungen wie hier mit einem Boden-Radarsystem hat das Chiemgau-Impakt-Forscherteam (CIRT) in den letzten Jahren im ellipsenförmigen Meteoritenkraterstreufeld zwischen dem Bereich Altötting/Burghausen und dem Chiemsee durchgeführt und dabei viele fundierte Erkenntnisse gewonnen. Auf dem Bild zu sehen sind Bodenradarspezialist Jens Poßekel und Historikerin Barbara Rappenglück bei der Arbeit.
  • vonMarkus Müller
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Der Chiemgau-Impakt: Neue wissenschaftliche Erkenntnisse zum Meteoriteneinschlag vor etwa 2500 Jahren hat ein Forscherteam in einem Online-Vortrag präsentiert. Dank neuer Technik wurden weitere Hinweise gefunden. In antiken griechischen Schriften gibt es verblüffenden Hinweis auf die Katastrophe.

Chieming – Der große Meteoriten-Einschlag im Chiemgau soll noch vor 600 vor Christus stattgefunden haben – zu dieser Erkenntnis sind die Wissenschaftler des Chiemgau-Impakt-Forscherteams (CIRT) nach erneuten umfangreichen geophysikalischen Untersuchungen gekommen. Die Korrektur des Einschlag-Zeitraums basiere auf archäologische Fundzusammenhänge am Eglsee-Krater zwischen Chieming und Nußdorf, hieß es als Begründung.

Kosmische Brocken und irdische Relikte

Die Ergebnisse präsentierte das CIRT-Team jetzt in seinem Jahresvortrag „Chiemgau-Impakt – Kosmische Brocken und irdische Relikte“, an dem Interessierte coronabedingt nur online im Video-Stream teilnehmen konnten.

Das Repro-Bild zeigt die digitale Geländeoberfläche beim Naturdenkmal „Toteisloch“ westlich von Seeon (bei einem Pferdehof). Vorschlag der Impakt-Forscher: Umbenennung von „Naturdenkmal Toteisloch“ in „Naturdenkmal Einschlagkrater“. Der dargestellte Ausschnitt entspricht in der Natur etwa 400 Meter.

Dem Forscherteam um Professor Dr. Kord Ernstson (Geophysiker und Geologe), Dr. Michael Rappenglück (Archäoastronom/Leiter der Sternwarte Gilching) und Barbara Rappenglück (Historikerin) war es in den vergangenen Jahren gelungen, den Chiemgau-Impakt immer besser zu belegen und zu datieren.

Streufeld mit zirka 100 Kratern hinterlassen

Während bis vor wenigen Jahren davon ausgegangen wurde, dass der Meteoriteneinschlag, der zwischen dem Bereich Altötting/Burghausen und dem Chiemsee ein ellipsenförmiges Streufeld mit zirka 100 Kratern hinterlassen hatte, zwischen 2200 und 300 vor Christus erfolgt war, konnten die Forscher vom Chiemgau-Impakt-Research-Team (CIRT) diesen Zeitraum bereits 2019 auf rund 600 Jahre eingrenzen, und zwar zwischen 900 und 300 vor Christus (frühe Eisenzeit).

Michael Rappenglück, der den Vortrag zusammen mit Professor Ernstson und Barbara Rappenglück ausgearbeitet hatte, erklärte die neue These mit der dort nachgewiesenen hallstattzeitlichen Siedlung Nußdorf-Moosholz. Archäologische Funde belegen ihre Existenz ab zirka 600 Jahre vor der Zeitenwende, unmittelbar am höchsten Punkt des Kraterwalls.

Tsunami: Auf eine auffällige „Katastrophenschicht“ gestoßen

Verblüffend sei auch, dass der Eglsee-Krater mit einem Durchmesser von 1,3 Kilometern fast eine Kopie des weltberühmten Barringer-Meteor-Kraters in Arizona (USA) sei.

Schon vor über zehn Jahren waren die Chiemgau-Impakt-Forscher bei Stöttham (Chieming) in einem Neubaugebiet zwischen den archäologischen Schichten der Jungsteinzeit und der Römischen Kaiserzeit auf eine auffällige „Katastrophenschicht“ gestoßen. Mitverursacht worden sei diese laut Rappenglück durch einen verheerenden Tsunami – ausgelöst vom Chiemgau-Impakt. Dieser habe auf dem Grund des nahen Chiemsees vor Chieming einen 900 mal 500 Meter großen Doppelkrater hinterlassen und eine mehrere Zehner Meter hohe, zerstörerische Flut-, Schlamm- und Gesteinswelle verursacht.

Ein eisernes Artefakt entdeckt

Handelt es sich hierbei um einen Meteoriten aus dem Chiemgau-Kometen (Chiemgau-Impakt)? Das acht Kilogramm schwere Objekt wurde bereits vor 30 Jahren in Grabenstätt gefunden.

Bei Untersuchungen sei ein eisernes Artefakt entdeckt worden, „das infolge extremer Temperaturen Bestandteil eines Impaktgesteins wurde. Das konnte bis dato so weltweit noch nie beobachtet werden“, so Rappenglück. Da Eisen-Artefakte in Mitteleuropa erst ab zirka 900 vor Christus in größerer Zahl produziert worden seien, konnten die Forscher aus diesem Fund erschließen, dass der Impakt frühestens zu diesem Zeitpunkt stattgefunden haben könne. Dass der Eglsee-Krater nur zu dreiviertel seiner ursprünglichen Größe erhalten sei, erklärte Rappenglück mit der Ausräumung durch den Rückfluss des Tsunamis.

Exemplarisch ging Rappenglück auch noch auf den Tüttensee-Krater (bei Grabenstätt) ein, den man in den vergangenen Jahren mit Hilfe der Geophysik (Bodenradar) intensiv untersucht hatte.

Schockwelle mit extremen Drücken und Temperaturen

Auch hier habe ein mit hoher Geschwindigkeit (bis zu zehn Kilometer pro Sekunde) eingeschlagenes Objekt im Gestein eine Schockwelle mit extremen Drücken (einige Megabar) und Temperaturen (einige 10 000 Grad) erzeugt. In der dort angetroffenen Katastrophenschicht mit menschlichen Spuren habe man auch deformierte und geschmolzene Gesteine vorgefunden, „was sich mit eiszeitlichen Phänomenen und Zusammenhängen nicht erklären lässt“, so Rappenglück.

Ein besonderes Augenmerk werden die CIRT-Forscher indes nochmals auf den sogenannten „Mythos des Phaethon“ legen, in dem altgriechische Autoren von einem „Sturz des Phaethon“ (Sohn von Sonnengott Helios) im Keltenland sprechen.

Darin heißt es erstaunlicher Weise: „Gott sandte vom Himmel einen Feuerball ins Land der Kelten, der sie und ihr Land verbrannte“.

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