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Wirtschaftliche Nachteile und hohe Auflagen befürchtet

Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler kritisierte die fehlende Abstimmung bei der Erarbeitung des Managementplans durch das beauftragte Planungsbüro.  Foto  wittenzellner
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Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler kritisierte die fehlende Abstimmung bei der Erarbeitung des Managementplans durch das beauftragte Planungsbüro. Foto wittenzellner

Rund 50 Grundstückseigentümer aus Ruhpolding waren am Montagnachmittag auf Einladung der Regierung von Oberbayern, der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Traunstein und der Forstverwaltung zu einer Informationsveranstaltung zum Managementplan "Natura 2000" gekommen. Er soll, wie berichtet, für das Flora-Fauna-Habitat-(FFH)-Gebiet "Extensivwiesen um Ruhpolding" aufgestellt werden.

Traunstein - Ziel des EU-Projektes ist es, die biologische Vielfalt der natürlichen Lebensräume sowie der wild lebenden Pflanzen und Tiere aufrechtzuerhalten. Betroffen ist das 103 Hektar große Extensivwiesengebiet an den Hängen des Tals der Weißen Traun beziehungsweise der Urschlauer Ache. Die Flächen sind nach Dafürhalten der Regierung von Oberbayern eine der wenigen Vorkommen der Flachland-Mähwiesen in den Bayerischen Alpen. Die Grundstückseigentümer hingegen fürchten hohe Auflagen und wirtschaftliche Nachteile.

Landrat Hermann Steinmaßl betonte im Landratsamt, der über Generationen gepflegte "verantwortungsvolle Umgang" mit den Flächen habe gerade in Ruhpolding viele Flächen erhalten. Er äußerte die Hoffnung, dass die Veranstaltung und die Vorgehensweise der Behörden helfen könne, "Betroffene zu Beteiligten zu machen. Ich möchte keine Beteiligten zu Betroffenen machen."

Die Vorstellung der Teilnehmer, die sich fast sämtlich als "Betroffene" vorstellten, machten in dem kleinen Wortspiel deutlich, dass sich diese Hoffnung schwer erfüllen werde, zu tief saß offensichtlich das Misstrauen der Teilnehmer an der zu erwartenden Festlegung. Regierungsdirektor Elmar Wenisch äußerte die Hoffnung, in dem Thema "den Spagat zwischen Ökonomie, Ökologie und sozialer Gerechtigkeit" zu schaffen. Man wolle die "kleinteilige vorhandene Kulturlandschaft erhalten." Es gelte bei dem Managementplan das Verschlechterungsverbot, der Managementplan sei nicht rechtsverbindlich wie Wenisch ausführte.

In der anschließenden, knapp einstündigen Diskussion wurde deutlich, dass hier einerseits viel Informationsbedarf bei den Eigentümern vorhanden war, und andererseits die Sorge um wirtschaftliche Nachteile und hohe Auflagen die Eigentümer verunsicherten und verärgerten.

Mathias Fritzenwenger machte seine Haltung klar: "In dem Saal gibt es heute Gewinner und Verlierer. Die privaten Eigentümer sind die Verlierer, da sie gar nicht die Geräte dazu haben, die für die Wiesen nötig sind." Der Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, Reinhold Lampoltshammer, machte klar, was er von der Entwicklung hält und stellte im Zusammenhang mit der fortschreitenden Versiegelung von Flächen dar: "Das sind nicht die Bauern, die das tun. Die Bauern sollen hier aber eingeschränkt werden."

Sepp Hallweger schloss sich dieser Überzeugung an: "Das Ganze ist eine starke Beeinträchtigung für uns Bauern. Wenn ich hier etwas verändere, kann ich beispielsweise keine Gülle mehr ausbringen."

Wolfgang Selbertinger vom Fachbereich Naturschutz im Landratsamt verstand die Kritik an der geplanten Vorgehensweise nicht: "Diese Flächen werden gefördert und davon wird gerade in Ruhpolding rege Gebrauch gemacht." Kritisch äußerte sich dagegen auch Bernhard Kecht: Der Satz "man sitze im selben Boot" sei falsch: "Als Bauer hilft dir kein Mensch." Er sei der Meinung, dass die Informationsveranstaltung nichts bringe. Diese Meinung vertrat auch ein weiterer Grundstückseigentümer: "Wir sind die Geschädigten und jetzt bekommen wir auch noch Vorschriften. Ich lasse jedenfalls niemand auf mein Grundstück."

Massive Kritik musste sich Regierungsdirektor Wenisch anhören, nachdem er mitgeteilt hatte, dass die Grundstückseigentümer über die genauen Ortstermine nicht informiert würden, da diese umfangreiche Informationsarbeit vom Planungsbüro nicht zu leisten sei und eine Honorierung des Planungsbüros zur Folge habe, die nicht zu vertreten sei. Dies wollte Ruhpoldings Bürgermeister Claus Pichler so nicht hinnehmen: "Das kann so nicht sein. Sie müssen die Grundstückseigentümer über die Termine informieren."

Den Kompromiss in der hitzigen Diskussion fasste dann Bauernverbandsgeschäftsführer Lampoltshammer zusammen: Man solle an einer Fläche einen Ortstermin machen, und zu dieser "Schauveranstaltung", an der das Planungsbüro "ArVe" seine Arbeitsweise vorstellen könne, alle Grundstückseigentümer einladen. wz

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