FISCHERJAHRTAG AUF DER FRAUENINSEL

„Wir brauchen ein europäisches Kormoran-Management“

„Wir brauchen ein europäisches Kormoran-Management“, forderte der Präsident des Deutschen Fischereiverbandes, Holger Ortel, beim Fischerjahrtag auf der Fraueninsel (wir berichteten bereits).

Fraueninsel/Chiemsee – Er reagierte damit, wie auch andere Redner aus Politik, Verbänden und Behörden auf die Sorgen der Berufsfischer wegen der Kormorane am Chiemsee.

Verbandsvorsitzender Thomas Lex hatte von 500 Kormoranen und 130 Brutpaaren am Bayerischen Meer gesprochen und beklagt, dass die Vögel immer öfter Netze beschädigen, wenn sie Fische aus ihnen herausreißen.

Ortel war erstmalig beim Fischerjahrtag am Chiemsee zu Gast. Er wies auf die Ausfassung des Europäischen Parlaments hin, das schon längere Zeit ein europäisches Kormoran-Management für notwendig halte. Leider habe jedoch die Europäische Kommission bis jetzt darauf nicht reagiert und sei noch nicht tätig geworden.

Der Traunsteiner CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner und dort Leiter des Jagd- und Fischereiausschusses sagte, dass der Landtag ständig bemüht sei, für das Kormoran-Problem Lösungen zu finden. „Wir wollen sie aber nicht ausrotten, sondern nur reduzieren“, erklärte Steiner. Er musste aber auch einräumen, dass die Auseinandersetzung mit dem Vogelschutz immer schwieriger werde und der Widerstand sehr groß sei.

Fettreiches Plankton gut für die Renken

Fischereidirektor Dr. Ulli Wunner von der Fachberatung des Bezirks Oberbayern gratulierte den Fischern zum guten Fangergebnis, besonders bei den Renken. Diese hätten sich seit zehn Jahren wirklich gut entwickelt, habe er bei der Probebefischung festgestellt. Er schrieb das insbesondere dem überdurchschnittlich fettreichen Plankton zu, von dem sich die Renken ernähren.

Auch Dr. Franz Geldhauser vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium beglückwünschte die Chiemsee-Berufsfischer, verwies aber auch auf den Bodensee, wo die Berufsfischer um ihre Existenz kämpfen würden. Das lasse sich mit dem hohen Phosphor-Gehalt des Wassers allein nicht erklären.

Genossenschafts-Vorsitzender Thomas Lex appellierte an das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, das für fast die gesamte Chiemseefläche zuständig ist, bei der Mahd der Wasserpflanzen, die in diesem Jahr mit zwei „Seekühen“ durchgeführt werde, auf die wichtigen Laichkräuter für die Jungfische Rücksicht zu nehmen und nur da zu mähen, wo ein öffentliches Interesse dies nötig mache.

Sehr froh sei die Genossenschaft, dass die Fachberatung zusammen mit dem Landesfischereiverband in der Tiroler Ache eine Aktion starte, um die Laichwanderung der Seeforellen anzuregen, die im Chiemsee immer weniger werden.

Lex wies auch auf den 2018 auslaufenden Fischereipachtvertrag mit dem Freistaat hin. Er hofft auf einen zeitnahen Neu-Abschluss, wofür ihm Finanzminister Söder schon seine Unterstützung zugesagt habe. th

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