Wildschweine am Chiemsee: Jäger in Alarmbereitschaft

Zwei Wildschweine wühlen bei der Futtersuche mit der Schnauze im Erdboden. In Gstadt wurden vor Kurzem sechs Exemplare gesichtet, inzwischen sind sie weitergezogen. Nicht, ohne deutliche Spuren zu hinterlassen. dpa
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Zwei Wildschweine wühlen bei der Futtersuche mit der Schnauze im Erdboden. In Gstadt wurden vor Kurzem sechs Exemplare gesichtet, inzwischen sind sie weitergezogen. Nicht, ohne deutliche Spuren zu hinterlassen. dpa

Eine Handvoll Wildschweine ist am Chiemsee gesichtet worden. Soweit sei nichts Dramatisches passiert, sagen die Jäger vor Ort. Und dennoch sei man jetzt besonders aufmerksam: Es gelte Flurschäden und die Übertragung der afrikanischen Schweinepest zu verhindern.

Von Hans Thümmler und Elisabeth Sennhenn

Gstadt/Gollenshausen – Eine Rotte Wildschweine lief der Wildkamera von Jagdpächter Dr. Fritz Ihler in Gstadt-Süd und -Nord vor Kurzem nachts vor die Linse. Erstmals sei das in den Gstadter Revieren der Fall gewesen, so Jagdvorstand Hans Reif in der Jahreshauptversammlung der Jagdgenossen in Gollenshausen.

Sechs Tiere habe er wahrnehmen können, erinnert sich Ihler. „Sie sind längst weitergezogen“, ist sein Fazit. Bis zu 30 Kilometer bewegten sich Wildschweine in einer Nacht weiter. Ihler vermutet, die Rotte sei zunächst in die Gegend der Eggstätter Seenplatte gewandert.

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Wege und Wiesen umgegraben

Dort deutet laut Franz Sommer aus Prien, erster Vorsitzender der Jägervereinigung Rosenheim, tatsächlich einiges auf die Tiere hin. Doch auch von dort könnten sie längst in Richtung Traunstein weiter gezogen sein. Ein neues Phänomen sei das Ganze freilich nicht: „Es werden in der Gegend immer wieder Wildschweine gesichtet, bislang aber ohne dramatische Folgen.“ Einige Schäden haben die Wildschweine in Gstadt allerdings hinterlassen: Sie hinterließen, so Hans Reif, deutliche Spuren an Wiesen und Wegen. Mehrere Wiesen wurden auf der Suche nach Würmern umgegraben; am Grundloser See hätten die Tiere sogar einen Weg umgegraben. Ein zweites Mal seien jedoch keine Wildschweine gesichtet worden.

Die Bauern fürchteten in der Diskussion auf der Versammlung in Gstadt besonders, dass die Wildschweine in die Maisfelder einfallen und dadurch größere Schäden anrichten könnten. „Aus diesem Grund beobachten wir die Situation besonders aufmerksam“, betont Jäger Franz Sommer, und Jäger Fritz Ihler erzählt, dass er und seine Kollegen nun noch öfter ansitzen und im Zweifel vom Gewehr Gebrauch machen würden. Unter Beobachtung stehen auch Standorte, an denen Rehe gefüttert werden, „denn das kann auch Wildschweine anlocken.“

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Im Moment sei dort aber ohnehin nicht viel los.

Jagdschilling wird nicht ausbezahlt

„Wir beantragen darüber hinaus auch Nachtsichtgeräte, damit uns nichts entgeht.“ Diese Vorsichtsmaßnahmen haben noch einen Grund: Die Ansteckungsgefahr heimischer Schweine durch die afrikanische Schweinepest, die Wildtiere übertragen können, soll gering gehalten werden.

Als erste Konsequenz wurde auf der Versammlung beschlossen, dass der Jagdschilling heuer nicht ausgezahlt wird, obwohl es der gute Kassenstand erlaube. Man wolle wegen eventueller Schäden gewappnet sein, so die einstimmige Mehrheit. Im vergangenen Jahr gab es drei Euro pro Hektar.

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