Wildromantisch durch die Weißbachschlucht bei Inzell - Weg nach Sanierung wieder geöffnet

Durch die Weißbachschlucht bei Inzell führt ein wildromantischer Weg. Nach extrem schwierigen Reparaturmaßnahmen ist die Schlucht nun wieder offen für Besucher.
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Durch die Weißbachschlucht bei Inzell führt ein wildromantischer Weg. Nach extrem schwierigen Reparaturmaßnahmen ist die Schlucht nun wieder offen für Besucher.

Der Weg mit 62 Brücken und Stegen durch die Weißbachschlucht bei Inzell ist wieder geöffnet. Seit 2018 war der wildromantische Weg durch Wald und Felsen wegen erheblicher Schäden an den Brückenbauwerken gesperrt.

Von Werner Bauregger

Inzell/Schneizlreuth – „Naturerlebnisse sind das, was die Menschen derzeit verstärkt suchen“: Staatsministerin Michaela Kaniber sprach vielen Menschen aus der Seele, als sie die beliebte Weißbachschlucht bei Inzell nach extrem schwierigen Reparaturarbeiten offiziell wieder eröffnete.

Seit 2018 war der wildromantische Weg durch Wald und Felsen wegen erheblicher Schäden an den Brückenbauwerken gesperrt. In einer Gemeinschaftsaktion der Bayerischen Staatsforsten (BaySF), des Forstbetriebs Berchtesgaden und der Gemeinde Schneizlreuth wurde der Weg in diesem Jahr komplett saniert – für insgesamt rund 375 000 Euro.

Auch die Bürger haben mit geholfen

Zur Widereröffnung waren viele Unterstützer und Mitwirkende gekommen: Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, Landrat Bernhard Kern, Martin Neumeyer, Vorstandsvorsitzenden der BaySF, Schneizlreuths Bürgermeister Wolfgang Simon, Tassilo Heller vom AELF Traunstein und Vertreter der ausführenden Betriebe aus der Region.

Kaniber bemerkte in ihrer Ansprache, Bürgermeister Wolfgang Simon habe zuletzt „viel aushalten“ müssen; es sei sicher nicht einfach gewesen, diese lange Sperre immer wieder rechtfertigen zu müssen. Zudem habe es viele Fragen zu klären gegeben, insbesondere zur Finanzierung.

Sanierung konsequent vorangetrieben

Trotzdem habe Simon die Sanierung konsequent vorangetrieben und in den BaySF einen Partner gefunden, der bereit war, die kostspielige Sanierung mitzutragen. Seit diesem Frühjahr sei es nun in wenigen Monaten gelungen, einen Großteil der insgesamt 62 Brücken und Stege „in einem wahrhaftigen Kraftakt“ zu erneuern oder zu sanieren. Die Tatsache, das auch viele Bürger aus der Gemeinde ihre Freizeit geopfert hätten, um Material in die Schlucht zu tragen sei „großartig und keinesfalls selbstverständlich“, so die Ministerin. „Alle gemeinsam könnten stolz auf dieses Gemeinschaftswerk sein.“

Ausgezeichnete Handwerker im Landkreis

Berchtesgadens Landrat Bernhard Kern zählt die Schlucht seit langer Zeit zu seinen Lieblingsplätzen, wie er sagte. Die Ausführung der Reparaturbeiten zeige, dass es im Landkreis ausgezeichnete Handwerker gebe, die auch „solche speziellen Herausforderungen“ fachgerecht meistern können. Großartig sei auch der Einsatz der Gemeinde und der Gemeindebürger, was die Wertschätzung für dieses Gemeinschaftswerk noch einmal erhöhe.

Bauhofmitarbeiter und Fußballer gelobt

Bürgermeister Simon fügte an, er habe nach dem Brückeneinsturz mit einigen verletzen Jugendlichen im Sommer 2017 schon kurzzeitig daran gedacht, die Schlucht und andere gefährliche Wanderwege „aus Haftungsgründen dauerhaft zu sperren“. Schnell sei er aber zur Erkenntnis gekommen, dass die Gemeinde diese Wege schon deshalb erhalten müsse, „weil sie für die Lebensqualität der Gäste und Einheimische wichtig sind.“ Ohne die tatkräftige Unterstützung durch die BaySF wäre dies aber nicht möglich gewesen. „Großartiges“ hätten insbesondere die Mitarbeiter vom Bauhof der Gemeinde geleistet, tatkräftig unterstützt von den Weißbacher Fußballern, „die drei Samstage opferten, um Material weit in die Schlucht hinein zu tragen.“

Handwerkliche Meisterleistung mit Hilfe vom Hubschraubern

Besonders für die Schlosserei Metallvielfalten UG aus der Ramsau war es eine große Herausforderung. Bevor die Sanierungsarbeiten beginnen konnten, mussten Geschäftsführer Thomas Datzmann und sein Team zuerst alle alten Konstruktionen aus Metall, Beton und Holz abbauen; die Teile wurden containerweise mit dem Hubschrauber der Kitz Air aus der Schlucht geflogen. In der Folge mussten die Auflager für die Brückenkonstruktionen in der Schlucht präzise vorbereitet werden, damit die Brückenteile vom Piloten passgenau aufgesetzt werden konnten – „eine fliegerische Meisterleistung“, so Landrat Bernhard Kern.

Unbelehrbare Wanderer

Schwierig war auch die Herstellung der Betonsockel für diese Träger und die Betonstützen, die auf den Fels betoniert werden mussten. Auch wenn der Großteil des Materials eingeflogen wurde, mussten doch viele Werkzeuge weit hin- und hergetragen werden. Neugierige und unbelehrbare Wanderer, bedauert Firmenchef Datzmann, hätten Absperrungen ignoriert und teils „mutwillig bereits justierte Auflager beschädigt.“

Schließlich habe man den Sanierungsbereich durch Türen gesichert. Revierförster Hubert Graßl entfernte mit speziell für steiles Gelände geschulten Forstwirten umgestürzte, gefährdete Bäume, Totholz und lose Felsbrocken aus den Steilwänden oberhalb des Wegs. Insgesamt stellte die Schlosserei 140 Meter Stahl-Konstruktionen, aufgeteilt auf 27 Einzelsegmente her und baute diese ein. 21 kleinere Brücken und Stege aus Stahl auf 103 Metern erneuerte der Gemeindebauhof in Eigenregie. Dazu kamen 208 Meter Geländer. Gefördert wurde das Projekt mit 314 000 Euro durch die Bayerischen Staatsforsten.

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