Wildbäche bei Staudach-Egerndach müssen gezähmt werden

Der Alplbach oberhalb von Staudach-Egerndach: Bei Starkregen kann er zum reißenden Fluss werden. Tofern

Das nächste große Hochwasser kommt bestimmt. Das letzte Anfang Juni 2013 hat viel Leid und große Schäden verursacht. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein baut deshalb vor.

Von Martin Tofern

Staudach-Egerndach – De Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts Traunstein prüfen nicht nur die Situation den großen Flüssen in der Region, sondern auch an Wildbächen wie etwa am Alplbach oder dem Madereybach (Egerndacher Bach) in Staudach-Egerndach. „Wir haben den Auftrag, Überschwemmungsgebiete zu ermitteln“, sagt Mario Franke, Abteilungsleiter Planen und Bauen.

Grundeigentümer werden vorher informiert

Zur Ermittlung solcher Überschwemmungsgebiete werden die Bäche vermessen. Die Vermessungarbeiten können unter anderem auch an Wander- und Verkehrswegen sowie Privatgrundstücken stattfinden. Natürlich werden die Grundstückseigentümer vorher informiert. Bei ihren Prognosen legen die Ingenieure ein sogenanntes hundertjährliches Hochwasser zugrunde, das heißt, ein Hochwasser, das in 100 Jahren einmal vorkommen kann. „Bei den allerwenigsten Bächen haben wir einen Pegel wie an Flüssen“, sagt Franke. Deshalb müssen die Fachleute Bachläufe und jeweilige Einzugsgebiete ermitteln, Topografie und Steilheit eines Geländes ermitteln.

Anschließend wird eine Art Niederschlagsabflussmodell erstellt.

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Hochwasser entsteht, wenn große Niederschlagsmengen nicht mehr versickern und in die Gewässer gelangen. Sollte sich also herausstellen, dass die Überschwemmungsflächen bei einem Bach nicht ausreichen, dann gibt es drei Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen. Da ist zum einen die Möglichkeit, für einen natürlichen Rückhalt zu sorgen. Damit ist unter anderem gemeint, Flüsse und Bäche zu renaturieren, Deiche rückzuverlegen, den Bachverlaufen wieder an Auen anzuschließen oder Schutzwälder zu sanieren.

Zum anderen gibt es den technischen Hochwasserschutz, also etwa die Bachrinne so zu ertüchtigen, dass das Wasser abfließen kann. Außerdem könnten Flutmulden oder Rückhaltebecken gebaut werden. Für den Hausbach in Reit im Winkl, der stellenweise überbaut ist, wird ein solches Rückhaltebecken gebaut, an anderer Stelle wird der Bach in ein Rohr gezwängt. Drittens gibt es den klassischen Hochwasserschutz. Dabei können Freiflächen von Bebauung freigehalten oder Schutzvorkehrungen gebaut werden. Außerdem sollte die Bauweise von Häusern in der Nähe von Überschwemmungsgebieten entsprechend angepasst werden. Ergänzt werden diese Maßnahmen durch eine Risikovorsorge: Vorkehrungen für den „Fall der Fälle“, zum Beispiel durch Versicherungen und zielgerichtete Einsatz- und Katastrophenpläne.

Vermessungen laufen noch bis Ende des Jahres

„Häuser mit Ölheizung, bei denen beispielsweise der Öltank in einer Plastikwanne im Keller steht, müssen nachgerüstet werden“, sagt Franke. Ein mögliches Hochwasser könnte die Wanne anheben und der Tank könnte umkippen und auslaufen.

Die Vermessungsarbeiten und etwaige Nachrüstungen werden sich noch bis Erde des Jahres hinziehen, erklärt Franke. „Wir wollen die Arbeiten zügig abschließen und gehen dann an die Öffentlichkeit.“

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