Wie viele Vöglein sind im Chiemgau noch da?

Amseln zählen zu den häufigen heimischen Wintervogelarten. Doch auch ihre Zahl sinkt.
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Amseln zählen zu den häufigen heimischen Wintervogelarten. Doch auch ihre Zahl sinkt.

Zum genauen Hinschauen ruft der Landesbund für Vogelschutz (LBV) von 8. bis 10. Januar auf. Im Zuge der Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ sollen die gefiederten Gefährten gezählt werden.

Übersee – Wer darauf achtet, sieht sie zwischen Bäumen und Hecken hin und her huschen und flattern, in emsiger Eile und Unrast im Futterhäuschen picken und kann sie dabei beobachten, wie sie sich laut zwitschernd um die letzten Körner raufen, die ihnen die Menschen in der kargen Winterszeit bereitstellen.

Bestandsaufnahme zeigt den Trend auf

Das Mitmachen ist nicht schwer, sagt Frank Weiß aus Übersee aufmunternd. Die Teilnehmer zählen eine Stunde lang im Garten, im Park oder auf dem Balkon, wie viele Vögel sie beobachtet haben. Zur Not reicht auch die Anzahl der Vögel ohne Angabe der Arten. „Damit wir einen Trend erkennen können.“

Vogelschutzbund-Kreisgruppe Traunstein hat 3000 Mitglieder

Weiß ist seit 16 Jahren Vorsitzender der 3000 Mitglieder starken Traunsteiner LBV-Kreisgruppe. Den gebürtigen Franken verschlug es beruflich nach München und dann an den Chiemsee. In seiner Jugend war er viel mit den Eltern in der Natur unterwegs, von daher komme sein Interesse für Vögel.

Beobachten durch die Frontscheibe ist wie im Kino sitzen

Zwei, die schon seit Jahren treu bei der Winterzählung des LBV mitmachen, sind die Biologin Bettina Beary und ihr Mann Bernhard, der als Elektroningenieur arbeitet. „Wir beobachten die Vögel in unserem Garten“, erzählt der 55-jährige Überseer. „Wir haben eine relativ große Frontscheibe im Wohnzimmer und das ist dann wie im Kino, wenn wir die Vögel im Garten beobachten.“ Dazu gibt es meistens eine Tasse Tee. „Uns interessiert die Natur“, so Beary. „Und wir halten es für sinnvoll, dass ein paar Daten zusammenkommen.“ Er und seine 54-jährige Frau unterstützten die Aktion aus Überzeugung. Außerdem: „Das Beobachten macht uns Spaß.“

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Seltene Besucher wie Ibis und Bienenfresser im Garten gesehen

Dass sich die Bearys ganz gut auskennen in Flora und Fauna, ist im Gespräch deutlich zu hören. So haben er und seine Frau im Garten schon seltene Vogelarten wie einen Ibis und einen Bienenfresser gesehen. Am meisten seien die „Allerweltsarten“ wie Amsel oder Kohlmeise zu beobachten. Heuer stellte das Ehepaar das erste Mal ein Vogelhäuschen auf und ist gespannt, ob das mehr Vögel anlockt.

„In Bayern gibt es circa 260 Arten“, erklärt der LBV-Kreisvorsitzende Weiß im Gespräch mit unserer Zeitung. Auf der Internetseite des LBV seien die bekanntesten Arten mit Kurzbeschreibung abgebildet. Bei den Wintervögeln sind dies zum Beispiel Amsel, Bergfink und Blaumeise. Gerade letztere ist nach einer Epidemie im Frühjahr stark dezimiert, weshalb ihr heuer bei der „Stunde der Wintervögel“ ein besonderes Augenmerk gelte, so der LBV in einer Presseaussendung.

Lebensräume für die Vögel gehen zurück

Laut Weiß konnte der LBV in den vergangenen Jahren gefährdeten Arten wie dem Weißstorch und dem Uhu durch Projekte helfen, sich wieder auszubreiten. Insgesamt sei es aber so, dass selbst ein „Allerweltsvogel“ wie Amsel oder Spatz sich zunehmend schwertue, sich zu behaupten. In Gärten fehlten Pflanzenvielfalt und Insekten als Nahrung, oft gebe es keine Möglichkeiten, sich vor natürlichen Feinden wie zum Beispiel dem Sperber zu verstecken. Damit schwinden auch die Brutmöglichkeiten So ist die „Stunde der Wintervögel“ nicht nur dazu da, um das 16. Jahr hintereinander die Zahl der Vögel zu erfassen und eine Art Inventur zu führen. Der LBV erhofft sich auch den Effekt, dass Vögel und ihre Bedürfnisse ins Bewusstsein rücken, wie Weiß bestätigt.

Natur und Vögel beruhigen das Gemüt

„Die Leute haben einen größeren Weitblick entwickelt und erkennen die Zusammenhänge.“ Zum Beispiel dafür, dass eine Wildhecke für Vögel nützlicher ist, als ein Zaun oder eine Steinmauer. Die Vogelbeobachtung an sich, so Weiß, habe auch für jeden selbst etwas Gutes: „Vögel und die Natur zu beobachten, bringt viel fürs Gemüt“, ist er überzeugt.

Der Traunsteiner LBV-Kreisvorsitzende Frank Weiß.
Bettina und Bernhard Beary aus Übersee folgen seit Jahren dem Aufruf des LBV.

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