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Wasserwirtschaftsamt über Projekte

Wie ist die Chiemgau-Region für Hochwasser gerüstet? Traunsteiner Behörde zieht Bilanz

Vor der Pfarrkirche in Reit im Winkl wurde die Hochwasserschutzbaumaßnahme Hausbach umgesetzt.
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Vor der Pfarrkirche in Reit im Winkl wurde die Hochwasserschutzbaumaßnahme Hausbach umgesetzt.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Welche massive Wucht Wasser haben kann, hat sich nicht nur im Ahrtal, sondern auch in der Region gezeigt. Wie sind die Menschen im Chiemgau vor Hochwasser geschützt und was macht das Wasserwirtschaftsamt?

Traunstein/Reit im Winkl – Zwar hat es den Landkreis Traunstein im vergangenen Jahr nicht so stark getroffen wie das Berchtesgadener Land, dennoch ist auch hier Hochwasserschutz unabdingbar. Investiert wurde kräftig: Rund 1,4 Millionen Euro sind laut Wasserwirtschaftsamt bereits ausgegeben. Für die übrigen Arbeiten seien zusätzlich etwa 400 000 Euro vorgesehen. Außerdem sind weitere Projekte zum Hochwasserschutz in Planung.

Zuständig ist das Wasserwirtschaftsamt neben dem Landkreis Traunstein auch für die Landkreise Altötting und Berchtesgadener Land. Bei den massiven Schäden durch das Hochwasser im Sommer im Berchtesgadener Land unterstützten auch die Kollegen von der Traunsteiner Flussmeisterstelle. Wie wichtig eine starke Personaldecke ist, um den Hochwasserschutz voranzutreiben, hat auch das bayerische Umweltministerium gewürdigt. So wurden dem Amt in Traunstein drei Projektstellen für fünf Jahre bewilligt, damit Hochwasserschutz-Planungen beschleunigt werden können. Die neuen Mitarbeiter sind bereits im Dienst.

Schwerpunkt in Reit im Winkl

Im Landkreis Traunstein bildete Reit im Winkl einen Schwerpunkt der Arbeiten für einen besseren Schutz vor Hochwasser am Hausbach. Die Gesamtinvestitionen zum Hochwasserschutz am Hausbach betragen laut Wasserwirtschaftsamt nach derzeitigem Kostenstand ca. 6,9 Millionen Euro. Davon trägt die Gemeinde Reit im Winkl 30 Prozent und der Freistaat Bayern 70 Prozent. Ein Großteil des Projekts ist bereits umgesetzt, die restlichen Arbeiten, so schätzt das Wasserwirtschaftsamt Traunstein, werden bis Herbst abgeschlossen sein.

Walter Raith, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes findet, dass sich die Bilanz sehen lassen kann: „Wir haben schnell reagiert und konnten zügig arbeiten. Das liegt auch an der der guten Zusammenarbeit mit den Bürgern und den Kommunen. Das hat von Anfang an geklappt.“

Zudem soll in Marquartstein ein Rückhaltebecken für den Tennbodenbach gebaut werden. Der unscheinbare Bach droht bei starken Regenfällen die Einwohner der Ortsteile Niedernfels und Piesenhausen zu gefährden, etwas durch Hochwasser oder Murenabgänge.

Ein bisschen dauert es aber noch: Der Bauentwurf für das Vorhaben soll bis Mitte 2022 erarbeitet werden, dann folgt die haushaltsrechtliche Genehmigung und im Anschluss das öffentlich-rechtliche Planfeststellungsverfahren. Vermutlich zum Jahreswechsel 2024/2025 soll der Bau laut Behörde beginnen können.

Daten aus Wildbächen sammeln

Um in Zukunft die Menschen noch besser und umfänglicher zu schützen, laufen an der Traunsteiner Behörde bereits Planungen zu neuen Projekten, die gerade auch das Berchtesgadener Land betreffen. Dabei werden Daten erhoben und Modelle errechnet. Für den Grünstein wird beispielsweise die Menge an Geschiebe und Wasser berechnet, die maximal bei einem Ereignis vom Hang herunterkommen kann.

Im Zuge der Fortentwicklung soll dann der Damm entlang der Waldhausersiedlung erhöht werden. Weitere Planungen betreffen den Maiswandgraben im Bischofswiesener Ortsteil Winkl, die Durchlässe am Greinswieser Mühlbach, den Reissenbach am Bahnhof von Bischofswiesen sowie den Freidinggraben in Ramsau. Auch hier geht es darum, die Menge an möglichem Geschiebe und Wasser zu errechnen und die Rohre in den Gräben und die Dimension der Bäche entsprechend anzupassen.

Die Daten aus diesen Untersuchungen werden gesammelt. Sie bilden die Grundlage für sogenannte Wildbachgefährdungskarten. Diese gibt es für viele Bäche bereits. Die neuen Eintragungen sollen die bestehenden ergänzen und Grundlage für weitere sein.

Wie Hochwasser entstehen

Tagelanger, großflächiger Dauerregen oder kurzzeitige starke Niederschläge können zu Hochwasser führen. Vegetation, Boden und Gelände sind die natürlichen Auffangbecken für Niederschlag. Wo Pflanzen wachsen, kann mehr Wasser verdunsten und im Boden gespeichert werden.

Regnet es lange und ergiebig, ist der Boden irgendwann „gesättigt“ und große Wassermengen fließen auf direktem Wege in Bäche und Flüsse. Innerhalb weniger Stunden kann ein ruhig plätschernder Bach seine Wasserführung auf das zehn- bis hundertfache steigern. Große Flüsse bewältigen solche lokalen Gewitterregen dagegen leichter. Wegen der längeren Fließwege steigen sie erst bei großflächigen Dauerregen an.

Hinzu kommt der Faktor Mensch: Wird Grünland in Acker oder Wald in Weide umgewandelt, so erhöhen sich die Oberflächenabflüsse, weil der Boden dann weniger Wasser speichern kann.

Als vollständig wasserundurchlässig gelten nur 4 Prozent der Fläche im Freistaat. Das bedeutet, dass 96 Prozent des Regens in den großen Flussgebieten, etwa an Main und Donau, auf nicht versiegelte Flächen fällt. In kleineren, dicht besiedelten Einzugsgebieten dagegen kann der versiegelte Anteil höher liegen und damit Hochwasser deutlich begünstigen.

Auch der Klimawandel hat einen Einfluss. Alle Klimaforscher sind sich einig, dass sich die Atmosphäre erwärmen wird. Es ist jedoch noch offen, wie sich diese Temperaturerhöhung auf den Wasserhaushalt auswirkt. Zwar ist der Jahresgesamtniederschlag nahezu konstant. Verändert hat sich jedoch die Verteilung der Niederschläge im Jahresverlauf. Die Niederschläge werden im Sommer geringer und nehmen dagegen im Frühjahr und Winter zu.