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Einer der Letzten seines Gewerks

Bootsbauer auf der Fraueninsel: So arbeitet Peter Heisdracher in seiner „Werft“

In seinem Element: Bootsbauer Peter Heisdracher installiert Bedienungsmodule. Kirschner
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In seinem Element: Bootsbauer Peter Heisdracher installiert Bedienungsmodule. Kirschner
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Die Bootswerft Heisdracher ist ein Traditionsbetrieb auf der Fraueninsel. Seit 1890 existiert die Firma. Aber seit den Anfangstagen hat sich in Sachen Bootsbau einiges geändert.

Chiemsee – Für Peter Heisdracher und seine Mitarbeiter beginnt die Überfahrt gegen 7.30 Uhr. Mit dem Boot geht es zu ihrer Werft. Die Bootsbauer setzten über auf die Fraueninsel. In der vierten Generation steht Bootsbaumeister Peter Heisdracher in der Tradition seines Gewerkes.

Schon mit Modellen gespielt

In einem kleinen Schuppen gegenüber der Werkstatt berichtet er über seinen Werdegang als Bootsbauer. Ein Beruf, in den er hineingewachsen, aber nicht hineingezwungen worden sei. Im Gegenteil: Sein Vater habe ihm geraten, einen anderen Weg einzuschlagen, zum Beispiel in den Bereich Elektrotechnik oder Maschinenbau zu gehen.

Doch die Faszination für Boote hat Heisdracher schon als Bub gepackt, damals, als er noch mit Modellen gespielt hat. Von diesem Maßstab hat er sich freilich längst verabschiedet, seit er 1986 die Werft der Familie übernahm.

„Gebäck aus Werkstoffen“

Wobei Werft vielleicht den falschen Eindruck erwecken könnte. Der Betrieb befindet sich in einem mittelgroßen Gebäude am nördlichen Ufer der Fraueninsel. Keine riesige Werkhalle, in der Kräne mächtige Schiffsschrauben ans Heck eines Schiffes hieven. Drinnen wirkt es schon eher wie in einer Schreinerei.

Und auch das ist kein Zufall, denn auch Holz ist und bleibt ein Werkstoff für die Bootsbauer. Wenngleich beileibe nicht mehr der wichtigste. Die Außenhaut ist inzwischen ein „Gebäck“ aus Kohlefasern, Sandwichschaum und anderen Kunststoffen.

Feinabstimmung der Technik

In Negativformen kommen die Materialien zusammen und mit Unterdruck verdichtet, bis sie zusammenkleben. Das ist die Grundkonstruktion, die Rumpfschale. In dieser werden die anderen Einzelteile verbaut: die Spanten, um die Konstruktion zu verstärken, Zwischenwände und Sitzsockel. „Wenn das alles beieinander ist, geht es mit der Technik weiter“, berichtet Heisdracher.

Eine Negativform, mit der die Rumpfschalen der Boote geformt werden.

Man zieht Kabel für die Instrumente des neuen Bootes. Ist schließlich auch der Motor installiert, geht es an die Feinabstimmung der Maschine mit Blick auf die Antriebselektronik, aber auch die Batterietechnik der Elektromotoren.

Viel Wartung und Reparaturen

Zu dritt konstruieren Heisdracher und seine Mitarbeiter die Boote. Drei bis vier Stück produziere man etwa pro Jahr. Das Gros der Arbeit, schildert er, bestehe jedoch darin, Boote zu warten und Reparaturen vorzunehmen. Langweilig wird dem Trio nie, selbst wenn sie keine Aufträge für neue Modelle hätten.

Nicht nur neue Modelle werden in der Werft gebaut, sondern auch alte Schätzchen überholt.

Drei Boote parken an diesem Vormittag in der Werkhalle der Werft. Darunter manch alte Schätzchen, die schon mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel haben, außen verziert mit glänzend poliertem Holz. Auch wenn Heisdracher eher pragmatisch wirkt, merkt man seinen Erzählungen an, dass er für diese Stücke schwärmt.

Jeder weiß, was zu tun ist

Ohnehin habe sich der Beruf inzwischen sehr gewandelt, nicht nur, weil neuere Werkstoffe zum Einsatz kommen. Vor allem Elektronik werde inzwischen in den Booten verbaut. Feste Abläufe kennen die Bootsbauer abgesehen von ihren Arbeitszeiten nicht. Dies auch, weil viele Arbeitsschritte zeitversetzt laufen: wenn Kunststoffe oder Lacke härten müssen. So wie Heisdracher es beschreibt, herrscht zwischen den drei eine Art Eigendynamik. Jeder wisse, was er zu machen habe, eine genaue Arbeitseinteilung gebe es nicht.

Wer bei Heisdracher ein Boot bestellt, muss zumindest die Summe eines Mittelklassewagens investieren. Nach oben gebe es bei den Preisen wenig Grenzen, je nachdem, was der Kunde wünscht. Aber: „Die Boote werden ja uralt“, betont Heisdracher den Unterschied zum Auto. Er kenne Kunden, deren Boote bis zu 70 Jahre alt seien, teilweise noch vererbt von den Großvätern.

Hintergrund:

Die Zahl der Bootsbaubetriebe im Landkreis Rosenheim geht nach Zahlen der Handwerkskammer für München und Oberbayern (HWK) zurück. Gab es im Landkreis Rosenheim 2016 noch sechs Firmen, verzeichnet die HWK heuer nur noch vier. Allein im Landkreis Traunstein gibt es im Vergleich zu 2016 inzwischen sechs statt fünf Bootsbaubetriebe. Erfreulicher für die Handwerkskammer ist hingegen die Entwicklung bei den Auszubildenden in diesem Gewerk. Gab es im Landkreis Rosenheim 2016 keinen einzigen, der zum Bootsbauer ausgebildet wurde, sind es inzwischen fünf, die sich für diesen Weg entschieden haben. Auch im Landkreis Traunstein hat die Zahl der Lehrlinge leicht zugenommen, von drei im Jahr 2016 auf vier im laufenden Jahr.

„Die Zahl der Betriebe ist leicht gestiegen, die Zahl der Auszubildenden umso deutlicher. Das ist in einer Zeit, in der immer mehr junge Leute ein Studium beginnen, alles andere als selbstverständlich und deshalb umso erfreulicher“, kommentiert der Sprecher der HWK, Jens Christopher Ulrich die Entwicklung. Die steigenden Zahlen stünden für die Attraktivität, die das Bootsbauer-Handwerk ausübe. Mit seinen Seen biete Oberbayern zudem ideale Arbeitsbedingungen und sorge für Nachfrage nach den Produkten und Dienstleistungen der Bootsbauer.

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