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Bessere Chancen für Quereinsteiger

„Es braucht Teamspieler“: Warum die Feuerwehr Prien ihre Ausbildung angepasst hat

Nicht nur bei der Jugendfeuerwehr geht es um möglichst viel Praxis: Hier übt der Nachwuchs Knoten, unter anderem um Saugschläuche an einer Pumpe zu sichern.
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Nicht nur bei der Jugendfeuerwehr geht es um möglichst viel Praxis: Hier übt der Nachwuchs Knoten, unter anderem um Saugschläuche an einer Pumpe zu sichern.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Die Praxis gehört selbstredend auch zur Ausbildung der Feuerwehr. Die Kameraden in Prien setzen in dieser Sache inzwischen jedoch neue Schwerpunkte.

Prien – Klaus Opperer merkt man schnell an: Er ist ein Praktiker. Nicht lang reden – machen. Diese Philosophie hat der Priener Feuerwehrmann inzwischen auf die Ausbildung seiner Kameraden übertragen. Seit zwei Jahren setzt die Wehr auf ein modulares Konzept, um ihre Einsatzkräfte fit für den Einsatz zu machen.

Schon seit geraumer Zeit tickten die Uhren bei den bayerischen Feuerwehren anders, findet Opperer. Unter anderem bei der Führungskultur: Es brauche keine Befehlsempfänger, die ihrem Kommandanten blind gehorchten, sondern Teamspieler, die reflektiert an ihre Ausgaben herangehen. Auch, weil die Herausforderungen bei den Einsätzen immer komplexer würden. „Die Leute müssen einfach eigenständiger sein“, findet er.

Teamspieler statt Befehlsempfänger

Er hat ein Konzept und eine Plattform entwickelt, um den geltenden Ausbildungskanon für angehende Feuerwehrleute den Gegebenheiten der heutigen Zeit anzupassen. Zur Ehrlichkeit dazu gehört aber auch, dass der frühere Zugführer der Priener Wehr mit diesem Konzept Geld verdient. Sein Produkt, die Wissensbox, stellt er auch anderen Feuerwehren und Hilfsorganisationen gegen Gebühr zur Verfügung.

Das Prinzip der Plattform: Die Lehrinhalte sind digital eingespielt, abrufbar übers Netz, auch mit mobilen Geräten. Die Theorieausbildung soll auf diese Weise möglichst im Selbststudium erfolgen. Lernkontrollen zeigen den Feuerwehrleuten dabei, ob sie den Stoff verstanden und verinnerlicht haben.

In einer App sind die Inhalte für die module Truppausbildung abrufbar.

Quereinsteiger abholen

Im Vordergrund für die Priener Wehr stehe inzwischen die Praxis, die Übungen am Gerät. Was im besten Fall auch bedeutet, dass die theoretischen Inhalte besser im Kopf bleiben. Wenn die Einsicht kommt, dass die Vorgaben aus der Theorie auch praktisch Sinn ergeben. Ihre erworbenen Fertigkeiten dokumentieren die Feuerwehrleute in einem Testatheft.

Für die Feuerwehr Prien ist ihr Konzept auch eine Möglichkeit, um Quereinsteigern und Spätberufenen bei der Feuerwehr das Engagement nicht von vornherein madig zu machen. Denn: „Es ist in den vergangenen Jahren tatsächlich zu beobachten, dass vermehrt Quereinsteiger zu uns kommen“, sagt der Priener Feuerwehrkommandant Samuel Witt. Menschen mit langjähriger Berufserfahrung, die bei der Priener Wehr anklopften. Und die möchte man nicht dadurch verschrecken, dass man sie zunächst gut zwei Jahre durch die modulare Truppausbildung (MTA) im Frontalunterricht schleust, bevor sie das erste Mal mit anpacken dürfen. Zumal sie schon Fertigkeiten mitbrächten. „Die holt unser System ab“, findet Feuerwehrkommandant Witt.

Einsicht statt Befehle

Die Organisation lebe von der Vielfältigkeit: „Wenn man sich die Feuerwehr von außen einmal anschaut, sieht man eine Summe von Talenten – von außergewöhnlichen Talenten“, wie Klaus Opperer sagt. Menschen, die sich in einer Sache einig seien: dann zur Verfügung zu stehen, wenn ein Einsatz kommt.

Und der Theorieunterricht im Klassenraum scheint für die Priener Wehr ohnehin überholt: „Jemand sagt von oben, was ein anderer nicht machen soll“, beschreibt Klaus Opperer seine Sicht auf den Frontalunterricht in Präsenz. Heute gehe es darum, die Kameraden mit den Risiken bei Einsätzen zu konfrontieren, damit schon die Einsicht dazu führe, Gefahrenquellen zu meiden. „Wir klären inzwischen eher auf“, wie Opperer es beschreibt.

Skepsis beim Kreisbrandinspektor

So ganz teilt Rosenheims Kreisbrandinspektor Richard Schrank diese Ansicht nicht. „Ich bin schon ein Fan davon, dass ich die Leute bei mir habe und ihnen das Wissen direkt vermittle“, sagt der oberste Feuerwehrmann im Landkreis. Wenngleich er die Auffassung der Priener Kameraden teilt, dass auf die Theorie schnell die Praxis folgen müsse, damit sich das Erlernte festigt.

Aber das Konzept aus Prien lasse sich in dieser Form nicht auf alle Wehren übertragen – mit Blick auf deren Größe und die Zahl der Einsätze, in die sie geschickt werden.

Erste Prüfungen im Herbst

Schon jetzt, findet Schrank, gebe es auch für berufserfahrene Quereinsteiger die Möglichkeit, nicht alle Abschnitte der MTA durchlaufen zu müssen. „Einem Forstwirt muss ich die Funktionsweise einer Motorsäge nicht mehr erklären“, sagt der Kreisbrandinspektor.

Sein Konzept nutzt die Priener Feuerwehr nunmehr seit zwei Jahren.

Entsprechend sei jeder Feuerwehrkommandant bei Quereinsteigern angehalten, zuvor abzuklopfen, welche Fertigkeiten die neuen Kameraden schon mitbrächten.

„Wir sind jetzt so weit, dass wir im Herbst dieses Jahres die ersten Teilnehmer zur Prüfung schicken“, sagt Priens Feuerwehrkommandant Samuel Witt.

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