Wie der Breitbrunner Männergesangverein mit der Zeit geht

Vereinsserie: Der Breitbrunner Männergesangverein schaut auf seine beinahe 100-jährige erfolgreiche Geschichte zurück. Ausgerechnet „Zuagroaste“ trieben nach dem Zweiten Weltkrieg seine Entwicklung voran.

Breitbrunn –Anfang des 20. Jahrhunderts gab es eine Gründungswelle von Männerchören in Vereinsform. „Zu Beginn des Winters 1924 hatten sich auf Anregung von Lehrer Hans Zierhut auch gut zwei dutzend Männer und Burschen zu einem Männer-Gesang-Verein zusammengeschlossen“, informiert die Chronik des Breitbrunner Vereins.

Nach den Kriegen trieben Zuwanderer – oft begeisterte Sänger – diese Entwicklung voran. Boten die Vereine in den Anfangszeiten fast ausschließlich deutsches Liedgut für eingeschränkte Zuhörerkreise an, sprechen die Gruppen mittlerweile durch ein weitgefächertes Repertoire ein breiteres Publikum an.

Singspiele, Komödien und Theateraufführungen

Neben dem gemeinsamen Singen im Verein, dem damals Sebastian Jell vorstand, war das gesellige Miteinander ebenso wichtig. Die Sänger probten anfänglich in der Schule, da es dort ein Klavier gab.

Mit einem Konzert im „Obermair´schen Gasthaus“ wagte sich der Chor das erste Mal in die Öffentlichkeit. Die Chiemgau-Zeitung schrieb, dass „es dem unermüdlichen Eifer des Dirigenten sowie der Sänger ehrendes Zeugnis gab.“

Im folgenden Sommer auf die Fraueninsel eingeladen, trug der junge Verein den Chiemsee-Malern Hiasl Maier-Erding und Professor Joseph Wopfner ein „Standerl“ vor. Eine von „Frau Doktor Strehle“ 1925 gestiftete Standarte ist noch heute im Besitz des Vereins.

In der ersten Zeit fanden fast ein Dutzend Veranstaltungen pro Jahr statt. Von Silvesterabenden, Christbaumverlosungen, Familienunterhaltungen und Faschingsveranstaltungen bis über Sommer- und kirchliche Feste reichte das Angebot. Dargeboten wurden Soloquartette, Pantomime, humoristische Duette aber auch Singspiele, Komödien und Theateraufführungen.

1936 endeten die Chronikeinträge vorerst, ehe im Oktober 1947 wieder die wöchentlichen Proben starteten. Im Frühjahr 1948 erhielten die Sänger die „Vereinsgenehmigung“ für die Wiederaufnahme des zweckbestimmten Betriebs.

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1951 übergab Zierhut den Dirigentenstab an Karl Haider. Im Zusammenhang mit den Kriegswirren wurde Haider 1952 mit einem Schuss durchs Wohnungsfenster schwer verletzt.

Liedgut im stetigen Wandel

Das Zepter übernahmen Peter von Crncick sowie Ehrenfried John und schließlich bis heute Wast Reiter. Den Herbergswirt wechselten die Sänger einige Male. Seit Längerem proben sie nun im Pfarrheim.

Auch in Sachen „Liedgut“ unterlag der Verein einem steten Wandel. Da Gesangvereine mangels Nachwuchs vor der Auflösung standen, mussten sich die Verantwortlichen etwas einfallen lassen, um den Sprung in die Moderne zu schaffen.

Sang der Chor in den 1920er-Jahren „Ähnchen von Tharau“, „Am Brunnen vor dem Tore“ und „Das Elternhaus“, so wandelte sich das Repertoire im Laufe der Jahrzehnte über Lieder, wie „Über sieben Brücken“ von Peter Maffay, „Weit, weit weg“ von Hubert von Goissern oder „A Herz wie a Bergwerk“ von Reinhard Fendrich bis hin zu internationalen Hits wie Bob Dylans Hymne „Blowin in the Wind“, „Goodnight Sweatheart“ von den „Spaniels“ oder „Ewigi Liäbi“ vom Jodelklub Wiesenberg aus der Schweiz. Auch Parodien auf „Ich habe dein Knie gesehen“ von Henry Valentino, „Sweet Sensation“ von den „Melodians“ oder „Schau doch ned so Beys“ von der „Chain Gang“ stehen auf der Repertoireliste.

Im Internet: Website des Breitbrunner Männergesangsvereins

Unterhielten früher humoristische Singspiele, erfreuen heutzutage Einakter, wie die „Breitbrunner G’schichten“ des ehemaligen Herbergswirts Konrad Bergmann. Auch die Veranstaltungsorte veränderten sich. Trat der Verein vor vielen Jahren in Gaststätten auf, so gehören heute Festzelte, auch mal ein Musikschiff, ein Berggipfel oder eine Kirche zur Kulisse.

Um „am Ball zu bleiben“, finden neben den wöchentlichen Proben von „O bis O“ – Oktober bis Ostern – auch Stimmbildungen mit einem „Heldentenor“ statt.

Der Gesangverein freut sich über Neuzugänge. Der Chor weist ein durchschnittliches Alter von circa 56 Jahren auf – der Weiterbestand scheint nicht gefährdet, resümiert der Vorstand. Das jährliche Frühjahrssingen zum Saisonende steht coronabedingt auf der Kippe. wak

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