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Biker-Qualen für Kinderhilfe

Schwester und Schwager bei Unfall verloren: So geht der Bernauer Markus Wössner mit dem Trauma um

Seit 20 Jahren engagiert sich der Bernauer Markus Wössner im Gedenken an seine tödlich verunglückte Schwester für Kinder-Hilfsprojekte in Nepal.
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Seit 20 Jahren engagiert sich der Bernauer Markus Wössner im Gedenken an seine tödlich verunglückte Schwester für Kinder-Hilfsprojekte in Nepal.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Bei einem Unglück hat der Bernauer Markus Wössner Schwester und Schwager verloren. Auch wenn es für ihn schlimm war – daran zerbrochen ist er nicht. Auch, weil er einen eigenen Weg gefunden hat, mit dem Verlust klarzukommen.

Bernau – Vor 20 Jahren stand das Leben für Markus Wössner plötzlich still: Schwester und Schwager waren bei einem Flugzeugabsturz in Nepal ums Leben gekommen. Seitdem engagiert sich der 52-jährige Bernauer in Nepal für Kinderhilfsprojekte. Wie er heute mit dem Trauma umgeht, schildert der Unternehmer im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Sie sind selbstständig, verdienen ihr Geld mit der Outdoor-Modesportart Mountainbiken, sammeln aber seit vielen Jahren Geld für soziale Projekte über Ihr Geschäft. Wie passt das zusammen? Was war der Auslöser?

Markus Wössner: Der Auslöser für meine Spendenaktivitäten war ein Flugzeugabsturz vor 20 Jahren in Nepal. Dabei sind meine Schwester Renate und mein Schwager Rainer am 22. August 2002 im Vorgebirge des Himalaya ums Leben gekommen. Sie waren zu dem Zeitpunkt knapp zwei Jahre verheiratet. Meine Schwester wurde nur 35 Jahre alt.

Eine schlimme Erfahrung.

Wössner: Es war lange Jahre sehr schlimm für mich, aber mit der Gründung des Schul-Hilfsprojekts habe ich dieses Trauma zunehmend verarbeiten können. Denn meine Schwester Renate lebt in diesem Projekt weiter. Wie ihr Name das aussagt: Der Name Renata stammt aus dem Lateinischen und bedeutet die Wiedergeborene.

Wie ist das zu verstehen?

Wössner: Der Reisekoordinator des deutschen Tourismusunternehmens gab mir bei einem Besuch in Nepal mit einer Bemerkung den Anstoß für das Spendenprojekt, das ich bis heute intensiv betreibe. Er hatte vorgeschlagen, im Bereich der Absturzstelle in Kristi, einem kleinen ländlichen Ort in der Nähe der Stadt Pokhara, ein Memorial für die Absturzopfer zu errichten. Diese Idee hatte mich nicht mehr losgelassen. Drei Jahre später habe ich es geschafft: Mit finanzieller Hilfe des lokalen Reiseveranstalters und der Airline wurde in Kristi ein Areal gepachtet für eine geplante Schule und im Pausenhofbereich wurde dann dieses Denkmal mit den Namen der Absturzopfer eingeweiht.

Wie war die Schule ins Spiel gekommen?

Wössner: Meine Schwester war eine beliebte Lehrerin an der Franziska-Hager-Schule in Prien, bei den Kindern wie auch den Eltern. Im Gedenken an sie und ihre pädagogische Arbeit lag es nahe, in der ärmlichen nepalesischen Region bei Kristi eine Schule zu errichten und ihr Wirken dort sozusagen weiterleben zu lassen. Aus der Spende der beiden Firmen standen damals 2500 Euro zur Verfügung. Das war Startkapital für zwei Klassenräume der neuen Schule und der Start für Spendenaktionen, die ich bis heute intensiv betreibe. Das deutsche Touristikunternehmen hat in den folgenden Jahren regelmäßig den Schulausbau gefördert.

Wie hat der Tod Ihrer Schwester Ihr Leben verändert?

Wössner: Es war ein fürchterlicher Schock für mich. Zu dem Zeitpunkt stand ich vor dem Abschluss meines langen und reichhaltigen Studiums – mit Jura, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Marketing und obendrauf noch Journalismus. Mein berufliches Ziel stand damals fest: Ins Management eines Unternehmens einzusteigen und zudem Möglichkeiten finden, meinen Sport weiter zu betreiben.

Welche Sportart war das?

Wössner: Mountainbiking. Für mich gab’s nichts anderes. In jeder freien Minute saß ich auf dem Rad, das hat sich bis heute nicht geändert. Was sich drastisch geändert hat vor 20 Jahren, war mein Leben. Für mich stand die Zeit still und auch meine beruflichen Karrierepläne. Die waren gestorben.

Sie haben dennoch in Bernau mit Erfolg ihre Firma Chiemgau Biking aufgebaut. Aber welche Macht treibt sie an, dass sie mit dieser empathischen Wucht seit 20 Jahren ihrer Schwester gedenken?

Wössner: Die Geschwisterliebe (stockt). Wir sind Scheidungskinder. Renate wuchs beim Vater auf, ich bei der Mutter. Wir haben beide das Ignatz-Günther-Gymnasium in Rosenheim besucht und haben eigentlich auch in den folgenden Jahren ständig zusammengehalten. Nahezu jedes Treffen wurde zu einem verbalen Tischtennis-Ping-Pong-Austausch. Ich war immer auf der Suche nach besseren Argumenten, um mithalten zu können. Das war wunderbar spannend.

Die Aktion:

Sieben Mal Gipfelerlebnis und 7000 Höhenmeter an einem Tag oder übers Wochenende, verbunden mit einem guten Zweck: Diese besondere Herausforderung für Mountainbiker hat der Verein Radeln und Helfen (RUH) mit Sitz in Garching/Alz unter dem Motto Seven Peaks ausgeschrieben. Ziele sind am Wochenende 25. und 26. Juni sieben Berge im Chiemgau: Heuberg, Hochries, Laubenstein, Kampenwand, Hochplatte, Hochgern und Hochfelln. Infos und Anmeldungen im Web unter www.radelnundhelfen.de. Spendenziel der gesamten Aktion: 7000 Euro für das Schulprojekt von Markus Wössner in Nepal. Der Rest fließt in den Spendentopf von RUH und wird an weitere Einrichtungen verteilt.

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