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In Zeiten der Krise

Wie auch das Prienavera in Prien für seine Sanierung anders planen muss

Für die Sanierung am Prienavera will sich die Marktgemeinde Prien wappnen, indem sie jetzt schon Fliesen einlagert. 
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Für die Sanierung am Prienavera will sich die Marktgemeinde Prien wappnen, indem sie jetzt schon Fliesen einlagert. 
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Die anziehenden Preise wirken sich auch auf die Bautätigkeit der Gemeinden aus. Denn nicht bei jedem Vorhaben finden sich noch Firmen, die sich auf eine Ausschreibung bewerben. So auch in der Marktgemeinde Prien.

Prien – Im Zuge der Sanierung des Erlebnisbades Prienavera müssen auf einer Fläche von 570 Quadratmetern Fliesen getauscht werden. Mit dem Einkauf der Kacheln beschäftigt sich am Mittwoch (18. Mai) der Haupt- und Werksausschuss der Marktgemeinde Prien.

Denn dort möchte man sich gegen die „rasante Preisentwicklung“ wappnen und die Fliesen noch vor Beginn der Arbeiten selbst beim Hersteller zu kaufen.

Das Problem kennen auch die hiesigen Handwerksbetriebe. Die Preisentwicklung bei den Materialien ist inzwischen derart dynamisch, dass sich die Firmen schwer damit tun, noch realistische Angebote zu kalkulieren, bei denen sie am Folgetag nicht schon wieder finanziell drauflegen müssen.

Schwierig bei einigen Gewerken

Das bekommt auch die Marktgemeinde Prien zu spüren, wenn sie Aufträge für Sanierungen oder Bauvorhaben ausschreibt. Zumindest bei einigen Gewerken sei es inzwischen schwierig geworden, Handwerksbetriebe für die Aufträge der Gemeinde zu finden, wie Priens Rathauschef Andreas Friedrich (ÜWG) berichtet.

Das betreffe zum Beispiel Heizungs- und Sanitärbetriebe, bei denen es schwer sei, überhaupt noch ein Angebot zu bekommen.

Wartezeit bis zu 40 Wochen

Eine Erklärung hierfür hat Gerhard Hardrath. Der Handwerker mit seinem Sanitär- und Heizungsbetrieb in Bruckmühl vertritt die Region Oberbayern beim Fachverband „Sanitär, Heizungs- und Klimatechnik Bayern“ (SHT). Hardrath klagt über inzwischen außerordentlich langen Lieferzeiten für sein Material. Bis zu 40 Wochen müsse er auf Bestelltes warten.

Und was er letztendlich für die Ware bezahlen muss, erfahre er auch erst bei Lieferung. Denn viele Händler bedingten sich inzwischen aus, Offerten zu freibleibenden Preisen zu machen. Entsprechend schwierig sei es für ihn, realistische Angebote zu schreiben.

Störung der Lieferketten

„Unsere Branche benötigt viel Material, das bei den Kunden eingebaut werden muss. Unter Corona konnte die Branche zwar weiterarbeiten, aber durch die Störung der Lieferketten – insbesondere aus Asien – kam es zur Materialknappheit bei vielen Produktgruppen“, antwortet SHT-Geschäftsführer Dr. Wolfgang Schwarz auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen.

Und als die Märkte gerade damit begonnen hätten, sich zu stabilisieren, sei der Ukraine-Krieg ausgebrochen, der nun zusätzlich für Materialknappheit sorge.

Keine große Marktmacht

„Angebote werden lange vor der Auftragsausführung geschrieben. Wenn man allerdings nicht weiß, wann und ob das Material zu welchem Preis geliefert wird, kann man nicht seriös kalkulieren“, sagt Schwarz. Die bayerischen SHK-Innungsfachbetriebe hätten zudem keine große Marktmacht gegenüber den Lieferanten, um die Preise konstant halten zu können.

„Derzeit ist es so, dass alle Vorlieferanten – Großhandel und Hersteller – nahezu im Monatstakt die Preise erheblich anheben.“ Früher hätten die Händler ihre Preise ein- bis zweimal pro Jahr angepasst. „Dies macht eine vorausschauende Kalkulation nahezu unmöglich.“

Lieber Private bedienen

Aber Gerhard Hardrath hat noch eine andere Erklärung, warum seine Kollegen öffentliche Ausschreibungen lieber links liegen ließen: zu großer bürokratischer Aufwand. Mit bis zu 40 Seiten an Dokumenten, die einzureichen seien.

Und: Handwerker, die sich auf ein Angebot der öffentlichen Hand bewerben, müssten ihre komplette Kalkulation offenlegen und später noch ihrem Geld hinterherrennen, wenn die Verwaltungen nicht zeitig ihre Rechnungen zahlen. Da lasse man sicher keine privaten Kunden links liegen, um einen öffentlichen Auftrag zu bedienen.

Inzwischen hat der Freistaat auf die Preisentwicklung beim Einkauf von Materialien reagiert. Es hat die Liste an Baustoffen erweitert, für die eine Preisgleitklausel gilt, die Handwerker also an diesem Punkt nachträglich noch von ihrem Ursprungsangebot abweichen dürfen. Dies gilt bis Ende des Jahres, und auch nur für Hoch und Tiefbauten.

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