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Widerspenstige "Kampenwand"

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Die Kampenwand vor ihrem Untergang.

Prien - Die "Kampenwand" will nicht an Land. Gestern Abend lief die Fähre im Hafen der Chiemsee-Schifffahrt auf Grund - außer Reichweite für einen Autokran. Am Abend zuvor schien die Bergung schon einmal unmittelbar bevorzustehen, als das 19-Tonnen-Schiff ein zweites Mal im Bayerischen Meer versank. Den Luftkissen, die sie trugen, war buchstäblich die Luft ausgegangen. **Weitere Bilder und Video auf chiemgau24.de**

Eigentlich war die "Kampenwand" am Mittwochabend transportfertig. Bergungsfirma und Eigentümer warteten in der Abenddämmerung nur noch, weil ein Gutachter mit einer Unterwasserkamera die Fähre für die Staatsanwaltschaft genau unter die Lupe nahm. Dann sollte sie in den Hafen der Chiemsee-Schifffahrt geschleppt werden.

Weitere Bilder und Video auf chiemgau24.de

Der 19-Tonnen-Koloss hing mit dicken Seilen so an acht riesigen gelben Luftballons, dass das Führerhaus zur Hälfte aus dem Wasser ragte - gerade weit genug, um die "Kampenwand" im flachen, ufernahen Bereich die paar hundert Meter vom Hafen des Yachthotels in den der Schifffahrt abschleppen zu können.

Die Stimmung bei allen Beteiligten war entspannt nach einem harten Tag, an dem die "Kampenwand" aus gut 15 Metern Tiefe ganz langsam an die Oberfläche geholt worden war. Drei Taucher hatten abwechselnd die Ballons an dem Wrack befestigt und immer wieder neu fixiert, bis das Schiff nah genug an die Oberfläche gehoben war.

Es war 20.06 Uhr, als plötzlich der Kompressor ausging. Er hatte seit dem Vormittag ohne Unterbrechung Luft in die Ballons gepresst. Mehrere hektische Versuche, die Maschine wieder in Gang zu bekommen, scheiterten. Den Ballons ging ziemlich schnell die Luft aus. Es dauerte nicht einmal fünf Minuten, bis das Führerhaus der Fähre wieder unter Wasser verschwunden war (siehe auch Bilderserie im Regionalteil).

Während das Heck schnell sank, tauchte direkt vor der Arbeitsplattform der Taucher und Techniker plötzlich der Bug auf und stellte sich fast senkrecht in die Höhe. Dann ging auch er unter und schlitzte mit einer spitzen Kante auch noch einen der Ballons auf. Deshalb kam die "Kampenwand" zu allem Überfluss quasi kopfüber auf dem Grund des Sees zum Liegen, also mit dem Führerhaus nach unten.

An der Oberfläche blieben nur Luftblasen und ein paar kleinere Ölflecken. Die Feuerwehr kreiste sie schnell mit einer Ölsperre ein. Sie war sicherheitshalber vor Ort und konnte deshalb sofort reagieren. Die Wasserwacht half mit, die Barrikade mit Ankern zu fixieren. Das Öl konnte von der Wehr dann gebunden werden.

Der Kompressor war überhitzt, erklärte gestern Helmut Mailhammer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung den Auslöser für den zweiten Untergang der "Kampenwand". Dem Bauunternehmer gehört nicht nur der Kompressor, sondern auch die "Kampenwand". Seine Firma, spezialisiert auf Gewässersanierung, hat das Schiff in den letzten Jahren für Arbeitseinsätze auf dem Chiemsee verwendet. Unter anderem für den Bau eines Stegs am Yachthotel. Dort lag sie auch, bevor sie irgendwann in der ersten Dezemberhälfte 2009 auf immer noch ungeklärte Weise unterging.

Gestern Vormittag schaffte es die Bergefirma aus Freiburg relativ schnell, die Fähre in rund zehn Metern Tiefe zu drehen, indem einige der Luftballons gezielt seitlich an dem 17-Meter-Schiff aufgepumpt wurden. Wie in einem rückwärts und in Zeitlupe laufenden Film tauchte zunächst der Bug fast senkrecht wieder auf.

Um 11.25 Uhr kam dann das Heck plötzlich so weit nach oben, dass die Spitze der Kabine wieder aus dem Wasser ragte. Es dauerte weitere dreieinhalb Stunden, bis die "Kampenwand" wieder so weit war wie am Vorabend um 20 Uhr. Kurz nach 15 Uhr setzte sich der Tross ganz vorsichtig in Bewegung - flankiert von Wasserschutzpolizei (WSP) und Feuerwehr samt Ölsperre, beobachtet von zahlreichen Schaulustigen auf Booten in respektvollem Abstand.

Auf Höhe des Schramlbades riss die Leine zwischen Motorboot und schwimmender Arbeitsplattform samt angehängter Fähre. Die WSP half kurzerhand mit ihrer Leine aus.

Dann ging alles sehr langsam, aber dafür glatt - bis in den Hafen. Dort setzte die "Kampenwand" 70 Meter vom Ufer entfernt wieder auf Grund auf. Erneut mussten Taucher die Luftkissen anders befestigen, um die Fähre wieder frei zu bekommen.

Gegen 19 Uhr kam dann eine Seilwinde zum Einsatz. Mit ihr sollte das Wrack näher ans Ufer gezogen werden. Zu diesem Zeitpunkt war der Autokran zwar angekündigt, aber noch nicht eingetroffen. Er sollte die "Kampenwand" aus dem Wasser heben, wenn sie leer gepumpt ist.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

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