Wette endete für Bettler vor Gericht

Rosenheim - Acht verschiedene Anklagen, acht verschiedene Delikte, dabei einige gleich mehrfach - vor dem Jugendschöffengericht las sich die Vita der beiden Angeklagten wie ein Musterbeispiel für einen Fehlstart ins Leben. Bereits im Kindesalter waren die beiden jungen Männer verhaltensauffällig, kamen in die Heimerziehung. Alkoholabhängig waren sie bereits im Schulalter und seither immer wieder strafrechtlich auffällig geworden. Beide Angeklagte sind ohne abgeschlossene Berufsausbildung und arbeitslos.

Der 18-jährige Berufsschüler hatte am 22. März 2012 mit dem um zehn Jahre älteren Alkoholiker am helllichten Tag zwei Schüler auf den Treppen vor der Stadtbibliothek attackiert. Volltrunken hatten die beiden vorher die groteske Wette abgeschlossen, wer von ihnen das meiste Kleingeld erbetteln würde. Jedermann wurde daraufhin von ihnen angeschnorrt. Zunächst hatte der Ältere eines der Tatopfer angebettelt und sich mit einer Abfuhr zufrieden gegeben. Als der jüngere Angeklagte ebenfalls keine Münzen ergattern konnte, drohte er dem gleichaltrigen Schüler Prügel an, falls der nichts herausrücken würde. Als der sich weiter weigerte, schlug der 18-Jährige mit der Faust auf sein Opfer ein. Daraufhin attackierte auch sein Kollege den Begleiter des Schülers, einen ebenfalls 18-jährigen Gymnasiasten, mit Fäusten und Tritten.

Damit war der Tatbestand der versuchten räuberischen Erpressung gegeben. Die weiteren Anklagen lauteten auf Körperverletzung, Diebstahl, Betrug, Bedrohung und Besitz von Rauschgift.

Das Gericht unter Vorsitz von Richter Hans-Peter Kuchenbaur setzte sich mit der Staatsanwältin und den Verteidigern zusammen, um eine Verständigung zu erörtern. Die Angeklagten waren umfassend geständig, so dass eine langwierige Beweisaufnahme überflüssig wurde.

Der Gutachter Rainer Gerd vom Inn-Salzach-Klinikum attestierte dem Älteren, er unterliege einer Alkoholsucht, die ihn ohne Therapie immer wieder zu Straftaten zwingen würde. Er empfahl, im Falle einer Verurteilung die Strafe in einer geschlossenen Therapieanstalt anzuordnen. Der 18-Jährige benötige eine Struktur im Tagesablauf und müsse lernen, sich Pflichten zu stellen.

Die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe erklärte, dass der 18-Jährige trotz Volljährigkeit nach Jugendstrafrecht abgeurteilt werden solle. Er brauche dringend Arbeit und einen geregelten Tagesrhythmus, um in ein anderes gesellschaftliches Umfeld zu kommen.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft beantragte, den älteren Täter zu 18 Monaten Gefängnis zu verurteilen, zu verbüßen in einer geschlossenen Therapie-Einrichtung. Dem jüngeren Rosenheimer soll eine Einheitsjugendstrafe von 15 Monaten klar ma-chen, dass er einen anderen Weg einschlagen müsse. Man könne diese Strafe zur Bewährung aussetzen, jedoch soll dem jungen Mann ein engmaschiges Netz von Bewährungsauflagen den richtigen Weg zeigen.

Richter Kuchenbaur warnte den 18-Jährigen: "Meine Bewährungsauflagen sind klar und erfüllbar. Aber bei Nichteinhaltung wird nicht lange gefackelt. Da ist man schnell im Gefängnis!"

Verteidiger Hans Sachse erklärte für seinen Mandanten, dass dieser die Notwen-digkeit einer Therapie durchaus einsehe. Eine Strafe von 16 Monaten halte er aber für ausreichend. Rechtsanwältin Gabriele Sachse bestätigte als Verteidigerin des Heranwachsenden, dass dieser nur unter konsequenter Anleitung in eine richtige Lebensführung finden könne. Eine Jugendstrafe von zwölf Monaten genüge als Strafandrohung aber.

Das Gericht schloss sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an, nicht ohne die Verurteilten dringend zu einem Kurswechsel in deren Leben zu ermahnen. au

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