Entscheidung im Gemeinderat

Werbung für Prien nicht mit Gemeindewappen: Rat erlaubt nur Nutzung des touristischen Logos

Eine Prien-Tasse und einen Prien-Schirm mit den bekanntesten Sehenswürdigkeiten hat Wolfgang Sedlmeier bei „Servus Heimat“ schon im Sortiment, Prien-Aufkleber noch nicht.
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Eine Prien-Tasse und einen Prien-Schirm mit den bekanntesten Sehenswürdigkeiten hat Wolfgang Sedlmeier bei „Servus Heimat“ schon im Sortiment, Prien-Aufkleber noch nicht.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Vielleicht ziert schon bald das touristische Logo Priens mit stilisierten Bergen und Segeln Heckscheiben von Urlauberautos und Wohnmobilen. Der Marktgemeinderat erlaubt die Nutzung dieses Zeichens für kommerzielle Zwecke. Das Priener Wappen gibt die Kommunalpolitik dafür aber nicht her.

Update 23. Dezember

Prien – Im Bericht über die kommerzielle Nutzung des Priener Gemeindewappens wurde unter anderem Grünen-Gemeinderat Ulrich Steiner Skepsis hinsichtlich dieses Ansinnens zugeschrieben. Wegen der schlechten Akustik im Chiemsee-Saal, wo der Rat wegen der Abstandsregeln tagte, kam es zu einer Verwechslung.

Steiner hat persönlich nichts gegen eine Verbreitung des Wappens. „Aufgrund der Neutralität des Wappens wäre es ein Bekenntnis für unseren Ort, der uns jenseits der gesellschaftlichen Stellung oder politischen Ansicht zusammenbringt“, betont der Rat.

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Erstmeldung

Prien – Tourismusorte müssen werben, um im hart umkämpften Markt Urlauber anzulocken. Wenn die Werbung nichts kostet – umso besser. Aber ganz so einfach ist das nicht. Das zeigte die Diskussion um einen Antrag von Wolfgang Sedlmeir, dem Inhaber des Souvenirgeschäfts „Servus Heimat“ in der Bahnhofstraße.

Er wollte das Wappen der Marktgemeinde Prien kommerziell für Aufkleber nutzen. Sedlmeir hatte in seinem Antrag auf wiederholte Kundenanfragen verwiesen, die das Priener Wappen mit dem Schriftzug „Prien am Chiemsee“ darunter gern auf ihr Auto oder Wohnmobil geklebt hätten.

Antiquierte Aufkleber aus den 1950er Jahren

Auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung berichtete er von einer enormen Nachfrage nach Prien-typischen Souvenirs im Sommer 2020, als der Ort wegen des Corona-bedingten Trends zum Urlaub dahoam so voll war wie lange nicht. Die letzten antiquierten Priener Aufkleber aus den 1950er Jahren, die Sedlmeir irgendwann bei einem Souvenir-Händler in Garmisch aufgespürt hatte, waren schnell vergriffen.

In Eigeninitiative hat der Unternehmer eine Prien-Tasse im Comic-Stil designt, auf der Sehenswürdigkeiten wie die Pfarrkirche, die Bockerlbahn und das Schloss verewigt sind. Wird die Tasse geleert, taucht auf der Innenseite auf der Raddampfer „Ludwig Fessler“ auf.

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Aber Aufkleber hatte Sedlmeir keine mehr, deshalb klopfte er im Rathaus an. Weil das Wappen das offizielle Hoheitszeichen der Marktgemeinde Prien ist, verweigerte der Rat dem Geschäftsmann am Ende aber einstimmig die Verwendung. Gegen die Stimme von Gabi Schelhas, der auch das zu weit ging, genehmigte das Gremium Sedlmeir stattdessen, das touristische Logo Priens für Aufkleber zu verwenden. Es symbolisiert Berge und den Chiemsee samt Segeln. Dominiert wird es von den Farben grün und blau. Wer genau hinsieht, kann die Kampenwand und sogar ein winziges Gipfelkreuz darauf erkennen.

Aus allen Fraktionen skeptische Stimmen

Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) war der erste, der es „persönlich kritisch“ sah, wenn man Sedlmeir die Verwendung des Gemeindewappens erlauben würde. Denn dies sei das offizielle Hoheitszeichen, das unter anderem Dokumente oder kommunale Fahrzeuge von Feuerwehr und Bauhof schmücke. Er stellte als Alternative das touristische Logo zur Diskussion.

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Annette Resch (CSU) signalisierte, dass sie damit keine Probleme hätte. Ihr Fraktionskollege und Zweiter Bürgermeister Michael Anner mahnte wie Friedrich, dass Hoheitszeichen „sehr zurückhaltend“ verwendet werden sollte. „Wenn wir das einmal aus der Hand gebe, kriegen wir es nie wieder zurückgeholt“, warnte er. Auch Tourismusreferent Gunther Kraus wollte das Wappen eher nicht herausgeben, fand aber andererseits, dass Werbung für Prien durch Aufkleber auf Wohnmobilen „Fast eine Visitenkarte“ sei. „Die Aufkleberidee gefällt mir.“

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Skeptisch hinsichtlich der kommerziellen Verwendung des Wappens äußerten sich auch Ulrich Steiner (Grüne), Peter Fischer (ÜWG) und Gabi Schelhas (SPD). Michael Feßler (CSU) war wichtig, am Ende nicht mir zwei verschiedenen Erkennungszeichen zu werben.

Souvenirhändler will den Namens Priens verbreiten

Sedlmeir kann nach eigener Aussage mit der Entscheidung des Marktgemeinderats sehr gut leben. Ihm gehe es nicht um den Gewinn, der sei mit Aufklebern nicht zu machen, betonte er. Der Souvenirhändler will die gestiegene Nachfrage bedienen und den Namen Priens auf Andenken weiter verbreiten.

Das offizielle Priener Gemeindewappen wird textlich so beschrieben: „In Blau eine eingeschweifte goldene Spitze, darin ein unterhalbes, zerbrochenes blaues Rad; vorne ein links gewendeter, rot bewehrter goldener Falke, hinten zwei wachsende, schräg gekreuzte goldene Abtstäbe mit abgewendeten Krümmen.“

Das touristische Logo darf künftig Souvenir-Aufkleber zieren.

Das zerbrochene Rad weist auf die Marktpatronin Katharina von Alexandrien hin, der Falke erinnert an die weltliche Herrschaft der Falkensteiner Grafen über Prien, während die Abtstäbe auf die kirchliche Obrigkeit des Augustiner Chorherrenstiftes Herrenchiemsee deuten. Die Pröpste von Herrenchiemsee führten als einzige Prälaten in Bayern zwei Abtstäbe im Wappen.

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