LESERFORUM

Wer sind die wahren Waschlappen?

Zur Stechmückenbekämpfung am Chiemsee (Berichte und Leserbriefe im Lokalteil):

Die von den Milliarden von Stechmücken der Gattung „aedes vexans“ (Überschwemmungsmücke) geplagten Menschen auf Weißbier trinkende Liegestuhltouristen zu reduzieren, mutet ebenso ignorant wie dreist an. So gibt es beispielsweise auf der Insel Herrenchiemsee, einem der absoluten Hotspots, durchaus auch dort lebende und dort arbeitende Menschen. Es gibt Babys und Kleinkinder, die sich nicht wehren können, und die den Plagegeistern schutzlos ausgeliefert sind.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass das eingesetzte Mittel BTI selektiv auf Stechmückenlarven wirkt und für andere Spezies unbedenklich ist. Es ist eine lupenreine Unterstellung, dass etwa „Vögel und Fische“, hier noch zu ergänzen Fledermäuse, „nicht mehr genug Nahrung finden“ würden.

Es sei die Frage erlaubt, wovon diese und noch andere Arten in den wesentlich längeren Zeiten ohne Massenvermehrung der Stechmücken leben würden?

Es ist den Verantwortlichen für die Bekämpfungsaktion nicht hoch genug anzurechnen dass sie, entgegen dem momentanen Mainstream, Rückgrat gezeigt (also keine Waschlappen waren) und die Menschen im und um den Chiemsee vor einer noch unerträglicheren Situation bewahrt haben.

Der Verfasser des Leserbriefs und seine einschlägig bekannten Meinungskollegen sind gerne eingeladen, kurzfristig auf die Herreninsel zu kommen (ohne chemische Keule auf der Haut und ohne Lederkombi) und, wenn schon kein Weißbier, vielleicht einen schönen Cappuccino auf einem lauschigen Bänkchen in den Wäldern König Ludwigs II. zu genießen. Sollten sie diese Einladung nicht annehmen, ist für mich klar, wer die wahren Waschlappen sind.

Georg Huber

Frauenchiemsee

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