Wenn im Notfall der Motor streikt – Rotes Kreuz Prien braucht neuen Rettungswagen

Der Schein trügt: Die Karosserie ist verrostet und im Motorraum fehlt‘s gewaltig. Der Sanka der BRK-Bereitschaft Prien ist in die Jahre gekommen und muss dringend ersetzt werden.
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Der Schein trügt: Die Karosserie ist verrostet und im Motorraum fehlt‘s gewaltig. Der Sanka der BRK-Bereitschaft Prien ist in die Jahre gekommen und muss dringend ersetzt werden.

Keiner freut sich, wenn das Auto streikt. Wenn das ausgerechnet dem Rettungsdienst passiert, können die Folgen gravierend sein. Das Rote Kreuz in Prien braucht dringend ein neues Fahrzeug. Das droht, wenn sich nicht genügend Spenden finden.

von Heidi Geyer

Prien – Ein Reiter stürzt vom Pferd, wird dabei lebensbedrohlich verletzt. Sekunden entscheiden über sein Leben, er muss schnellstmöglich versorgt werden. Diese Situation haben die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Priener Bereitschaft des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) schon erlebt. Sie müssen sich dabei auf ihr Equipment verlassen können. Was derzeit immer schwieriger wird: Denn ihr Rettungswagen ist in die Jahre gekommen. Nach 264 000 Kilometern und 18 Jahren im Dienst ist Schluss: Der BRK-Sanka muss in den Ruhestand. Die Reparaturen häuften sich in den vergangen Monaten, berichtet Bereitschaftsleiter Lorenz Fischer (27) im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Getriebe und Bremsen schaffen es nicht mehr durch den TÜV

„Mit dem TÜV im Januar 2021 können wir leider definitiv nicht mehr rechnen und die Reparaturen sind so teuer, dass es nicht mehr wirtschaftlich wäre, das Fahrzeug zu betreiben“, sagt Fischer. Besonders der Rost habe dem Fahrzeug zu schaffen gemacht, aber auch die Bremsen und das Getriebe.

Selbst lackiert

Eine Reparatur sei nicht mehr wirtschaftlich, obwohl die Retter vieles in Eigenleistung schon gemacht hätten: „Sogar abgeschliffen und lackiert haben wir mal selbst. Dabei hat uns jemand geholfen, der sich damit auskennt.“ Die Priener hatten den Rettungswagen nicht neu gekauft, sondern von den hauptamtlichen Endorfer Kollegen übernommen.

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Im Einsatz ist er auch bei den Ehrenamtlichen häufig, rund 60 mal im Jahr. „Wir unterstützen in erster Linie bei Veranstaltungen und im Katastrophenschutz.“, sagt Fischer. Dazu gehörten unter anderem der Weihnachtsmarkt auf der Fraueninsel oder die Schleppjagd auf der Herreninsel. Dazu setzen die Rettungssanitäter mit dem alten Sanka auf die Inseln über.

Vom Zugunglück bis zum Kanzlerbesuch

Beim Zugunglück in Bad Aibling waren die Priener Retter mit ihrem Fahrzeug vor Ort. Auch beim Besuch der Kanzlerin zur Tagung des Bayerischen Kabinetts im Juli waren Fischer und seine Kollegen mit dem 18 Jahre alten Rettungswagen im Einsatz. Im schlimmsten Fall hätte die Kanzlerin eben in dem rostigen, selbst lackierten alten Sanka behandelt werden müssen, sagt Fischer.

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Nun muss ein „neues“ Einsatzfahrzeug her, aber ein gebrauchtes: „Über 200 000 Euro wird das kosten – für uns ist das illusorisch.“ Mehr als ein Zehntel davon dürfe es nicht sein, aber der neue Gebrauchte sollte schon acht bis zehn Jahre halten. Preislich rechnet der Bereitschaftsleiter „mit gut 26 000 Euro“.

Spenden schwierig wegen Corona

Um sich das leisten zu können, sind die Priener auf Spenden angewiesen. Zwar müsse niemand Sorge haben, dass der Notarzt nicht kommt, wenn die Priener bis Januar kein Fahrzeug finanziert bekommen, sagt Fischer: „Wir decken Spitzen ab, in denen die hauptamtlichen Kräfte im Großraum Prien, Bernau und Rimsting bereits ausgelastet sind.“ Im Spätsommer sei dies mindestens einmal pro Woche der Fall gewesen. „Dann geht bei uns der Piepser.“ Und zwar rund um die Uhr, „auch wenn wir arbeiten oder privat etwas unternehmen“, sagt der 27-Jährige. Sie arbeiten ohne jegliche Vergütung oder Entschädigung.

Bislang nur ein Fünftel durch Spenden zugesagt

Erst ein Fünftel vom anvisierten Kaufpreis ist bisher laut Fischer durch Spenden zugesagt. Es sei derzeit kein einfaches Unterfangen, Spenden zu sammeln.

„Einerseits haben wir durch Corona viel Aufmerksamkeit und Wertschätzung für unsere Arbeit bekommen, gleichzeitig geht es vielen Betrieben einfach nicht gut, obwohl sie gerne spenden würden“, bestätigt Matthias Baumann, Beauftragter für Spenden- und Mitgliederservice des BRK Rosenheim.

Für die Priener steht derzeit eine weitere Ausgabe ganz akut an. Fischer: „Wir brauchen dringend eine Batterie für das alte Fahrzeug, auch wenn das nur noch drei Monate in Betrieb ist.“ Denn sonst sei ein sicherer Einsatz nicht zu gewährleisten: „Das darf nicht passieren.“

Wieder einmal streikt der Motor: Auch beim Fototermin wird deutlich, dass die Sorgen des Bereitschaftleiters Lorenz Fischer berechtigt sind. Berger

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