Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Social Media befeuert Bergtourismus

Wenn der Geigelstein auf Instagram ruft: Im Achental will man keine Wanderermassen

Noch von den Bergsteiger-Massen verschont: Der Breitenstein im Achental mit dem Geigelstein im Hintergrund. Laut Kerstin Riemer vom Achental Tourismus werden bewusst Ausflugsziele und Routen beworben, die für die Natur verkraftbar sind.
+
Noch von den Bergsteiger-Massen verschont: Der Breitenstein im Achental mit dem Geigelstein im Hintergrund. Laut Kerstin Riemer vom Achental Tourismus werden bewusst Ausflugsziele und Routen beworben, die für die Natur verkraftbar sind.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
    schließen

Social Media und Tourismus, wie passt das zusammen? Immer wieder sorgen Influencer mit ihren Fotos für Probleme an Ausflugszielen. Für den Zusammenschluss „Allianz in den Alpen“ aus Übersee und den Achental Tourismus aus Unterwössen ist das ein wichtiges Thema.

Übersee – Corona hat den Bergsteiger-Boom verstärkt, und Social Media tut das Übrige: Immer mehr Menschen sind das ganze Jahr über in den Chiemgauer Bergen unterwegs und hinterlassen entsprechende Spuren. Das internationale Gemeindenetzwerk „Allianz in den Alpen“ mit Sitz in Übersee hat sich mit diesem Thema intensiv befasst und tauschte sich mit 150 Mitgliedern aus Bayern, Österreich, Italien und weiteren Ländern darüber aus.

Beiträge können Schaden anrichten

Zentrales Anliegen der insgesamt 280 Mitgliedergemeinden, darunter alle Achental- und Chiemsee-Gemeinden, war die Besucherlenkung von der Anreise über die Routen bis hin zu Aussichtspunkten und Gipfeln. Ausgetauscht wurden dabei mitunter negative Erfahrungen, die man durch Beiträge von Social Media-Influencern machen musste, und wie man die Folgeprobleme in den Griff bekam. Prominentes Beispiel waren die Instagram-Bilder von einer Gumpe am Königsbach-Wasserfall im Nationalpark Berchtesgaden, die so viele Besucher anlockten, dass die Behörden den entstandenen Hotspot im Sommer sperrten.

Eine Gratwanderung

Einen solchen extremen Fall habe es in den Chiemgauer Bergen noch nicht gegeben, so Franziska Pfennig von Achental Tourismus. Social Media spiele dabei eine wichtige Rolle, in zweierlei Hinsicht: „Wir posten selbst auf sozialen Kanälen und erreichen damit bergbegeisterte Touristen und Einheimische. Gezielte Besucherlenkung ist dabei enorm wichtig.“

Lesen Sie auch: Glücksmoment am Geigelstein, schreckliches Drama an der Hochries

Kerstin Riemer ist beim Achental Tourismus zuständig für die Social Media-Inhalte, vornehmlich Instagram. „Es ist eine Gratwanderung“, bestätigt sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, wenn es um die Ansprache der Bergtouristen einerseits geht und um das Vermeiden von Massentourismus. „Daher kommunizieren wir die breite Vielfalt an Touren und bewerben eher die Berge, die sonst weniger im Rampenlicht stehen.“

Mit Kampagne und Postings für mehr Verständnis

Statt beliebte und vielbesuchte Ziele wie Geigelstein, Hochgern und Hochplatte würden dann eher der Rechberg oder der Breitenstein vorgeschlagen, „es gibt auch im Tal wunderschöne Panorama-Wege und Nebengipfel zu entdecken.“ Was die Spuren betrifft, welche die Bergwanderer hinterlassen, ob Trampelpfade, Müll oder überfüllte Parkplätze, so versucht man beim Achental Tourismus, über gezielte Postings oder die „Mitanand“-Kampagne für Naturschutz und Rücksichtnahme zu sensibilisieren. „Vorbeugen statt Verbote“ ist auch für Stefanie Bauer von „Allianz in den Alpen“ das Mittel der Wahl.

Gebiete sperren ist das letzte Mittel

Jeder wolle in die Berge, ob mit Skiern, zu Fuß oder mit dem Mountainbike, da gehe es nicht ohne Hinweisschilder, Kampagnen und Websites, auf denen über die Berg-Etikette hingewiesen wird.

Und wenn alles nichts nützt? „Das Sperren ganzer Gebiete wie im Berchtesgadener Nationalpark ist das letzte Mittel und auch nicht leicht durchzusetzen“, weiß sie. Denn in Bayern gelte das freie Betretungsrecht, jeder dürfe sich im Wald und auf Bergen erholen. „Die Behörden greifen nur ein, wenn die Natur wegen zu großer Schäden über den Erholungswert gestellt werden muss.“ Im Nationalpark, so Bauer, setze man übrigens Natur-Ranger ein, die im Zweischichtbetrieb vor Ort unterwegs seien.

Mehr aus dem Chiemgau lesen Sie hier.

Auch den digitalen Ranger gebe es, beispielsweise für die Region Nagelfluhkette, die auf einschlägigen Social Media-Plattformen gepostete Touren kommentierten oder korrigierten.

Natur als schützenswert wahrnehmen

Eine regionale Influencerin, die sich ihrer Verantwortung bewusst ist, ist die Jolana Dandl. Die Chiemgauerin lässt ihre 49 000 Follower auf Instagram als „jolaanaa“ an ihren Bergerlebnissen teilhaben, sieht das Ganze aber auch kritisch: „Ich poste beispielsweise keine Ortsangabe oder Touren, damit kein `Run´ stattfindet. Zum Berggehen gehört für mich dazu, dass man selbst plant.“ Sie hofft, die Leute mögen die Natur sehen und erleben und sie dadurch als schützenswert wahrnehmen.

Stefanie Bauer wünscht sich, „jeder würde sich in den Bergen so verhalten, wie man es im eigenen Garten auch tut, da lässt man auch nicht das Schokoriegel-Papier am Boden liegen.“