Weniger Rinder in heimischen Ställen

Die Zahlen machen deutlich, wie sich unter den Wettbewerbsbedingungen der Tierbestand im Landkreis Traunstein in den vergangenen vier Jahren verändert hat. Zds
+
Die Zahlen machen deutlich, wie sich unter den Wettbewerbsbedingungen der Tierbestand im Landkreis Traunstein in den vergangenen vier Jahren verändert hat. Zds

Landkreis Traunstein – Nutztier Rind. Fleisch, Milch und Milchprodukte sind längst globale Industriegüter.

Deutsches Milchpulver wird in die halbe Welt exportiert, und produziert Neuseeland mehr Milch als erwartet, setzt das die hiesigen Bauern unter Druck. Ähnliches gilt bei der Fleischproduktion. Das Rind ist die wichtigste Einkommensquelle für die deutsche Landwirtschaft: 12,6 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälbchen stehen momentan in den Ställen und auf der Weide von Berchtesgaden bis Flensburg. Im Landkreis Traunstein geht die Rinderhaltung jedoch zurück: Aktuell werden 114 655 Tiere gehalten, 776 weniger als noch vier Jahre zuvor.

Sie liefern täglich ihre Milch an die Molkerei, haben aber keinen Einfluss auf den Preis: Die Milchviehhalter stehen schon seit Langem unter Druck. Mit dem Wegfall der Milchquote im Frühjahr 2015 darf nun jeder so viel Milch produzieren, wie er will. Agrarökonomen sehen damit ein „echtes Entwicklungshindernis“ als beseitigt. Die Quote hätte nur dazu gedient, die kleineren Betriebe am Leben zu halten und das Durchsetzen der Großbetriebe zu verhindern. Um am Weltmarkt eine Chance zu haben, schaffte die EU-Kommission die Quote ab, die 30 Jahre lang den Angebotsmarkt regulierte. Doch momentan ist der Milchmarkt gesättigt, der Milchpreis niedrig und die Kosten für Strom, Futter, Landmaschinen und Arbeitskräfte steigen. Gleichzeitig gibt es aber kaum Optimierungspotenzial.

„Ein Grab für die kleinbäuerlichen Strukturen“

Viele sehen dies als „Grab für die kleinbäuerlichen Strukturen“.

Und wie hat sich unter den Wettbewerbsbedingungen der hiesige Tierbestand in den vergangenen vier Jahren verändert?

Momentan gibt es im Kreis Traunstein 46 933 Milchkühe (Stichtag: 3. November 2015), und damit 851 mehr als im Jahr 2011. Deutschlandweit stehen 4,3 Millionen Milchkühe in den Ställen, 94 500 oder 2,3 Prozent mehr als vor vier Jahren.

Welche gewichtige Rolle die Milcherzeugung spielt, verdeutlicht ein Blick auf die Erlöse: Im Jahr 2012 beliefen sich die Verkaufserlöse für Milch bundesweit auf knapp zehn Milliarden Euro, für Rinder und Kälber auf „nur“ vier Milliarden Euro. In der Schweinehaltung wurden etwa 7,6 Milliarden Euro erlöst und mit der Erzeugung von Eiern und Geflügel rund 2,5 Milliarden Euro (Quelle: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Größeren Haltungen mit rationalisierter Produktionstechnik wird zukünftig der größte Erfolg zugeschrieben. Die Milchleistung der Kühe, die sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöhte, ist dabei nahezu ausgereizt: Eine weitere Steigerung macht die Tiere frühzeitig krank und sie fallen als Milchquelle aus. Die Turbo-Kühe produzieren im Schnitt aber immer noch 8000 bis 9000 Kilogramm pro Kuh und Jahr. Kleinbäuerliche Strukturen hingegen prägen nicht nur die Kulturlandschaften Bayerns, sie haben zugleich einen enormen Werbe-Effekt für die gesamte Milcherzeugung: Die Chinesen ordern gerne Milchprodukte von „glücklichen Kühen“ aus Deutschland.

Züchter, Milchviehhalter, Masttierhalter – in der Rinderhaltung gibt’s viele Vermarktungszweige. Einige Landwirte fahren eingleisig, andere versuchen sich am Nebeneinander von Milcherzeugung und Fleischproduktion. Bei uns standen zuletzt 46 933 Milchkühe in den Ställen. Sie machen damit momentan rund 40,9 Prozent des gesamten Rinderbestands aus. Deutschlandweit liegt dieser Anteil im Schnitt bei knapp 34 Prozent.

Allgemein veränderte sich der Rinderbestand im Kreis Traunstein in den vergangenen Jahren folgendermaßen: Im Jahr 2011 gab es hier noch 115 431 Rinder (Milchkühe: 46 082). Ein Jahr später registriert die Statistik 114 234 Rinder (Milchkühe: 45 790), zum Stichtag 2013 waren es 115 184 Rinder (Milchkühe: 46 234), zum Stichtag 2014 dann 114 687 Rinder (Milchkühe: 46 425) und im letzten November nun 114 655 Rinder (Milchkühe: 46 933).

Die Kuh als Geldquelle

Kommentare