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Deutsche Meisterin hat Protesen an den Beinen

Auf dem Weg zur Weltklasse: Julia Porzelt aus Prien führt ein erfülltes Leben trotz Handicaps

Julia Porzelt mit ihren beiden Lieblingen: Reitpony Dainty (links) und Wallach Bruno.
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Julia Porzelt mit ihren beiden Lieblingen: Reitpony Dainty (links) und Wallach Bruno.
  • Dirk Breitfuß
    VonDirk Breitfuß
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Fast täglich reitet Julia Porzelt auf ihren Pferden. Trotz ihres Jobs in einer Frühförderstätte und einer Nebenbeschäftigung als Reittherapeutin hat die 25-Jährige jetzt auch noch Zeit gefunden, mit der Leichtathletik anzufangen. Julias großes Pensum ist so bemerkenswert, weil sie stark gehandicapt ist.

Prien – Julia Porzelt kam ohne Beine und mit sogenannten Löffelhänden auf die Welt. Nach einer Operation hat sie an jeder Hand drei Finger zur Verfügung. Ab den Oberschenkeln trägt sie Prothesen. Ihrer Lebensfreude tut das keinen Abbruch. Beim Treffen mit der Chiemgau-Zeitung im Sportpark wartet eine fröhliche junge Frau im modischen Look.

Spezialprothesen für das Lauftraining

Später schlüpft die 25-Jährige dann in Sportklamotten und zieht die teuren Spezialprothesen über, die sie fürs Lauftraining braucht. Carlos Ávila de Borba hat sie unter seine Fittiche genommen. Er ist bayerischer Landestrainer für Para-Leichtathleten.

Stürze nimmt Julia in Kauf, denn bei hohem Tempo die Balance auf den Prothesen zu halten ist sehr schwierig. Aber sie charakterisiert sich selbst als eine Kämpferin und erarbeitet sich Erfahrungen, die für andere Selbstverständlichkeiten sind. „Ich hatte noch nie den Wind vom Rennen in den Haaren“, erklärt die 25-Jährige.

Im Sportpark trainiert Julia, um immer schneller zu werden und vielleicht auch in der Leichtathletik bald an Wettkämpfen teilnehmen zu können.

Während sie die Leichtathletik erst vor Kurzem für sich entdeckt hat, wurde die Leidenschaft für Pferde schon in ganz jungen Jahren in Julia geweckt, als sie mit vier wegen ihrer Behinderungen mit einer sogenannten Hippotherapie (Physiotherapie auf und mit dem Pferd) begann.

Nach einer Pause fing Julia 2010 mit der Reittherapie an – und es dauerte nicht lange, bis in ihr der Gedanke an sportliches Reiten und Wettkämpfe reifte. Ihr Ehrgeiz mag eine Rolle gespielt haben, immer größere Herausforderungen zu suchen. „Wenn man zu mir sagt, dass ich etwas nicht kann, dann will ich es erst recht zeigen, dass ich es kann“, gibt die 25-Jährige zu.

Als Carlos ihr im Training den Hampelmann zeigte, musste sie erstmal passen, die schnellen Beinbewegungen waren zu schwer. Aber sie übte daheim in ihrer Wohnung im Priener Norden so lange, bis sie es konnte.

Einige Jahre kehrte Julia Prien den Rücken, um ihre Reitkünste auf dem Lettenhof in Harsdorf bei Bayreuth zu verbessern. Von dort stammt auch Dainty, die eigentlich Lettenhofs Lovely Daintiness heißt. Das knapp 14-jährige Reitpony gehört Julia seit 2013.

Im Sattel kann die 25-Jährige bei Turnieren schon bemerkenswerte Erfolge vorweisen. Die Teilnahme an Paralympischen Spielen ist ihr großer Traum.

14000 Follower auf Instagram

Was die beiden erleben, wie sie trainieren und einiges mehr verfolgen inzwischen fast 14 000 Follower auf Julias Instagram-Kanal julia.porzelt.

Die 25-Jährige, die 2019 nach Prien zurückgekehrt ist, führt im Netz eine Art öffentliches Tagebuch. Wer darin stöbert, spürt viel Lebensfreude und Begeisterung. „Es gefällt mir einfach, zu zeigen, dass man trotz Handicap ein erfülltes Leben haben kann“, erklärt sie ihre Motivation. Die vielen positiven Kommentare zu Ihren Posts motivieren Julia zusätzlich.

„Ich stehe gern ein bisschen im Rampenlicht“

„Ich stehe gern ein bisschen im Rampenlicht“, gibt sie zu. Vor 1000 Leuten auf einem Turnier zu reiten, mache ihr nichts aus. Andererseits sei sie im Alltag öfter mal unsicher, erzählt die Prienerin. Beim Einkaufen im Supermarkt zum Beispiel habe sie oft den Eindruck, sie sei den anderen Kunden zu langsam.

Wenn mal wieder Selbstzweifel aufkommen, gibt es einen Psychologen, der sie coacht. „Er unterstützt mich, der Mensch zu sein, der ich bin.“ Diese Unterstützung gehört ebenso zu Julias Leben wie regelmäßige Physiotherapie, denn manche Körperbereiche sind durch ihre Einschränkungen extrem belastet.

Teilnahme an Paralympics als großer Traum

In Fembach steht nicht nur Dainty im Stall, sondern auch Bruno, ein groß gewachsener Wallach. Mit ihm tastet sich die Reiterin langsam an anspruchsvollere Übungen heran. „Vor dem Galopp mit Bruno habe ich noch ganz schön Respekt“, räumt sie ein. Anke Strohscheer, eine Reitstallbesitzerin aus Norddeutschland, hat Julia dieses Pferd zur Verfügung gestellt.

Im Sattel hat Julia hohe Ziele. Sie träumt von der Teilnahme an Paralympischen Spielen. Corona hat ihr einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn seit bald zwei Jahren haben keine Para-Reitturniere mehr stattgefunden, auf denen die Prienerin zuvor schon den ein oder anderen Erfolg verbuchen konnte. 2016 wurde sie in ihrer Klasse Süddeutsche und sogar Deutsche Meisterin.

Trainer will sie in die Weltklasse führen

Carlos Ávila de Borba, bayerischer Landestrainer für Para-Leichtathleten, ist voll des Lobes über seinen Schützling Julia Porzelt:

„Es macht mir große Freude Julia zu trainieren, da sie eine sehr motorisch talentierte Athletin ist. Wenn sie ihre Fähigkeiten weiter entwickelt und an sich arbeitet, dann kann sie sich in ihrer Disziplin im 100-Meter- Sprint in ihrer Startklasse (T61) zur Weltklasseathletin entwickeln. Ihre ambitionierte Einstellung und die optimistische Ausstrahlung sind die richtigen Voraussetzungen, um im Sport erfolgreich zu sein.“

Halbtags in der Frühförderstätte

Julia Porzelt hat zusammen mit nicht-behinderten Kindern die Grundschule Rimsting und die Realschule in ihrem Heimatort Prien besucht. Nach der Mittleren Reife lernte sie beim Modelabel Timezone Industriekauffrau und wechselte später ins Marketing. Ihren Vollzeitjob dort musste sie aber wegen zunehmender Rückenschmerzen aufgeben. Heute arbeitet die 25-Jährige halbtags in der Pusteblume, einer Frühförderstätte in Traunstein.

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