Doch kein Kiesabbau in Seeon? Landratsamt prüft nochmal - Gegner sagen Mahnwache ab

Im Anschluss an die Pferdekoppeln des Reiterhofes Grünweg soll künftig Kies abgebaut werden.
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Im Anschluss an die Pferdekoppeln des Reiterhofes Grünweg soll künftig Kies abgebaut werden.
  • vonGabi Rasch
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In Seeon sorgen Pläne für ein Kiesabbauprojekt für Widerstand. Nun will das Landratsamt Traunstein die Auswirkungen auf Umwelt und Landschaftsbild erneut prüfen. Die bestehende Baugenehmigung ist aber nicht aufgehoben.

Seeon – Die für Donnerstag (16.Juli) geplante Mahnwache zum umstrittenen Kiesabbau in Grünweg bei Seeon wurde von der Bürgerinitiative „Kiesgrube Seeon Grünweg“ abgesagt. Auch die Onlinepetition wurde zurückgezogen. Hintergrund: Nach Angaben des Landratsamtes Traunstein sollen die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees noch einmal überprüft werden. Das heißt aber nicht, dass die Baugenehmigung für den Kiesabbau aufgehoben ist, wie von den Grünen in einer aktuellen Presseerklärung mitgeteilt wurde. Darauf weist das Landratsamt Traunstein mit Nachdruck hin.

Ökologische Bedeutung des Bansees

Wie Kreis- und Gemeinderat Sepp Daxenberger (CSU) der Chiemgau-Zeitung sagte, habe er nach der erfolgten Genehmigung und dem massiven Protest der Bevölkerung im Beisein von Bürgermeister Martin Bartlweber (FW) in einem Gespräch mit Landrat Siegfried Walch (CSU) interveniert und eindringlich auf die Auswirkungen auf das Landschaftsbild sowie auf die ökologische Bedeutung des Bansees hingewiesen. Diese Aspekte sollen jetzt vom Landratsamt überprüft werden. Über das Ergebnis des Gesprächs informierten Daxenberger und Bartlweber die Bürgerinitiative, die sich am selben Tag zu einem Vorabgespräch bezüglich der geplanten Mahnwache in Grünweg getroffen hatte. Die Mitteilung sei mit einem großen Jubel und mit Applaus aufgenommen werden, sagte Daxenberger.

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Toni Mayer, der Sprecher des Grünen-Ortsverbandes und Grünen-Gemeinderat, teilte in einer Eilmeldung mit, dass „die Baugenehmigung des Landratsamtes Traunstein zu dem sehr umstrittenen Kiesabbauvorhaben in Seeon/Grünweg durch den Landrat aufgehoben wurde.“ Sowohl die Grünen als auch die Bürgerinitiative seien erleichtert angesichts dieser Entscheidung und deshalb werde die geplante Mahnwache nicht abgehalten. Auch die Onlinepetition der Bürgerinitiative sei zurückgezogen worden.

Landtagsabgeordnete zum Projekt

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Gisela Sengl, die ohnehin ihren Besuch bei der Mahnwache zugesagt hatte, werde aber trotzdem kommen und sich über die durch den geplanten Kiesabbau höchst bedenkliche Gewässersituation der Seeoner Seen und ihrer Moore informieren. Zu diesen Seen gehört auch der Bansee. Die Kiesgegner befürchten aber auch, dass die dort lebenden und brütenden Wildgänse, Schwäne, Enten und viele weitere Tiere vertrieben werden und es durch den Betrieb zu Lärm- und Schmutzbelästigungen kommen wird.

Abbaufläche am Rande eines Naturschutzgebietes

Das Landratsamt hatte nach einem rund dreijährigen Genehmigungsverfahren dem Kiesabbau im Juni dieses Jahres „Grünes Licht“ erteilt. Der Gemeinderat hatte sich gegen das Projekt an dieser Stelle ausgesprochen. Gutachter sind jedoch zu der Auffassung gelangt, dass dort Kies abgebaut werden kann. Die Abbaufläche befindet sich nach Angaben des Grundstücksbesitzers am Rande eines Naturschutzgebietes und liege rund 600 bis 800 Meter vom Vogelschutzgebiet entfernt. Auf der rund zwei Hektar großen Fläche beabsichtigt eine Baufirma aus Eggstätt, die die Fläche südlich des Reiterhofes Grünweg gepachtet hat, Kies abzubauen. Er soll hauptsächlich für den Eigenbedarf bestimmt sein. Nach dem das Landratsamt Traunstein die Genehmigung erteilt hat, will der Betreiber schon in den nächsten Wochen mit dem Abbau beginnen. Die Zufahrt und der Abtransport werden nach Angaben des Grundstücksbesitzers und des Betreibers ausschließlich über die Staatsstraße erfolgen.

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Auf Nachfrage im Landratsamt teilte Pressesprecher Michael Reithmeier mit, dass dem nördlichen Grundstück nördlich des Verbindungswegs, der von Grünweg nach Pavolding führt, in einem ersten Bauabschnitt auf einer Fläche von circa 5000 Quadratmetern Kies abgebaut werden soll. Auf einem südlich davon gelegenen Grundstück zwischen dem Weg nach Pavolding und dem sogenannten Grünweg, der nach Roitham führt, soll in einem zweiten Bauabschnitt auf einer Fläche von 1,4 Hektar Kiesabbau stattfinden. Anschließend werden die Kiesgrubenflächen wiederverfüllt und rekultiviert. Die beiden Grundstücke grenzen östlich an den Bansee an. Am Bansee besteht seit den 60er-Jahren eine kleinere Kiesabbaufläche.

Auch Landratsamt sah das Vorhaben kritisch

Weiter heißt es, dass das Landratsamt das Kiesabbauvorhaben an diesem wasserwirtschaftlich und ökologisch sensiblen Ort von Beginn an kritisch gesehen habe. Auch deshalb habe das Landratsamt mehrmals die Bedeutung der Ausweisung von Vorrangflächen für Kiesabbau unterstrichen. Die Festlegung solcher Flächen, die jetzt auch in der Gemeinde Seeon-Seebruck festgesetzt werden sollen, führe dazu, dass Kiesabbauvorhaben innerhalb einer Gemeinde vorrangig nur noch auf diesen Flächen genehmigt werden können. So könne die Gemeinde die Genehmigung von Kiesgruben steuern.

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