Gemeinden ziehen die Notbremse

Weil es auf dem Uferweg zu eng wird, soll die Chiemseerunde 2021 nicht beworben werden

Die Karte zeigt mit den grün markierten Abschnitten, wo es klassische Fußgängerpromenaden am Chiemseeufer gibt, die für Fußgänger reserviert sind. Aber längst nicht alle Radler akzeptieren das. Mit zusätzlichen Beschilderungen sollen nun klare Signale gesetzt werden. Die orange Linie zeigt, wo es alternative Abschnitte abseits des Uferwegs (blau markiert) für Fahrradfahrer gibt. AUV Chiemsee/Klinger
+
Die Karte zeigt mit den grün markierten Abschnitten, wo es klassische Fußgängerpromenaden am Chiemseeufer gibt, die für Fußgänger reserviert sind. Aber längst nicht alle Radler akzeptieren das. Mit zusätzlichen Beschilderungen sollen nun klare Signale gesetzt werden. Die orange Linie zeigt, wo es alternative Abschnitte abseits des Uferwegs (blau markiert) für Fahrradfahrer gibt. AUV Chiemsee/Klinger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
    schließen

Die Anrainergemeinden des Bayerischen Meeres wollen die Notbremse ziehen. Auf dem Chiemsee-Uferweg war es heuer so voll wie noch nie. Konflikte zwischen Radlern und Spaziergängern waren an der Tagesordnung. 2021 soll der Chiemsee-Radrundweg deshalb nicht beworben werden.

Chiemsee – Von einer „unerträglichen Situation“ auf der Chieminger Strandpromenade sprach der dortige Gemeinderat Heinrich Wallner (Bayernpartei) bei der jüngsten Verbandsversammlung des Abwasser- und Umweltverbands (AUV) Chiemsee im Gemeindehaus Greimharting. Die Kommune am Nordufer hatte im Sommer mit speziellen Pollern versucht, Radler von der Uferpromenade fernzuhalten.

Die Traunsteiner Polizei schickte auf Bitten der Chieminger Fußstreifen, wenn es die personelle Situation erlaubte. „Die wurden dann angeredet, ob sie nichts Besseres zu tun hätten“, berichtete Bürgermeister Stefan Reichelt (CSU), dass manche Radler offenbar kein Verständnis hatten, wenn sie einen ausgeschilderten Weg nehmen sollten, der nicht direkt am Ufer entlang führt.

Lesen Sie auch:

Prien baut 700 Meter langen neuen Radweg: Ein Bypass für das Nadelöhr in Harras

Zwar würden sich 90 Prozent der Radler an Sperrungen halten, aber „wenn man nichts macht, halten sich nur zehn Prozent dran“, hatte Wallner beobachtet. Weil Urlaub dahoam 2020 wegen der Corona-Pandemie sehr angesagt war, war der Chiemsee-Uferweg besonders in den Ferienzeiten überlastet.

Panoroma-Routen zum Ausweichen

Vielerorts sind in den vergangenen Jahren Alternativstrecken abseits des engen Uferwegs für schnelle Radler gebaut und ausgewiesen worden. Zum Teil wird versucht, diese Routen Radlern als Panorama-Strecken mit schönen Ausblicken schmackhaft zu machen.

AUV-Vorsitzender Andreas Fenzl (CSU) und die Umweltbeauftragte des Verbands, Susanne Mühlbacher-Kreuzer, appellierten an die Vertreter der zehn Gemeinden, diese Ausweichstrecken stärker zu bewerben und besser auszuschildern. „Wir müssen was tun, sonst ersaufen wir“, warnte Mühlbacher-Kreuzer, die alle Maßnahmen im Zusammenhang mit dem Radrundweg unter dem Dach des AUV koordiniert. Sie stellte genormte Poller nach Chieminger Vorbild für alle „Hotspots“ zur Diskussion.

Lesen Sie auch

Ausbau-Ziel auf dem Chiemsee-Rundweg verfehlt: 1,6 Millionen Euro Fördergeld nicht abgerufen

Damit Fußgängerpromenaden auch rechtlich als solche abgesichert sind, müssen die Kommunen in ihrem Zuständigkeitsbereich solche Flanierabschnitte durch offizielle blaue Fußgängergebots- und rot umrandete Radler-Verbots-Schilder kenntlich machen. Das sei noch nicht überall der Fall und sollte bis zur nächsten Saison unbedingt nachgeholt werden, appellierte die Umweltbeauftragte.

-

+++ Mit der diesjährigen Weihnachtsaktion unterstützten die OVB-Heimatzeitungen das Haus Christophorus in Brannenburg. Hier finden Sie unsere Themenseite zur OVB-Weihnachtsaktion. Alle Informationen zur Aktion gibt es hier. Sie wollen für die OVB-Weihnachtsaktion spenden? Hier geht‘s zum Spendenformular. +++

Weiter schlug sie eine Kampagne zur gegenseitigen Rücksichtnahme vor, denn das Bewusstsein für den gemeinsamen Weg gehe immer mehr verloren. Der Chiemsee-Rundweg ist an die 60 Jahre alt und durch den Radl-Boom in jüngerer Vergangenheit zunehmend überlastet. Eine Verbreiterung der ufernahen Trasse ist aus Naturschutzgründen nicht möglich.

Zwischen Prien und Bernau oft besonders viel los

Deshalb haben die Gemeinden versucht, durch Alternativstrecken Entlastung zu schaffen. Mancherorts ist das schon gelungen, aber gerade auf innerörtlichen Uferpromenaden ist die Versuchung für viele Radler offenbar zu groß. „Es gibt viel Geschimpfe“, hat Mühlbacher-Kreuzer selbst beobachtet.

Als Beispiel für eine mögliche zusätzliche Umleitung der Radler nannte sie den Irschener Winkel. Zwischen Prien und Bernau ist es oft besonders voll. Zu Spaziergängern und Radwanderern gesellen sich dort unter anderem viele Hundebesitzer mit ihren Vierbeinern und Reha-Patienten des Medical Parks Chiemsee in Felden, die oft an Krücken spazieren gehen.

Defensive Taktik bei der Werbung

Mühlbacher-Kreuzer nannte als Alternativstrecke den Weg, der entlang der Bahnlinie Rosenheim-Salzburg die beiden Gemeinden verbindet. Er ist zwar für Radler ausgeschildert, aber ein ganzes Stück vom See entfernt und deshalb unpopulär.

Lesen Sie auch

Breitbrunn sperrt Chiemsee-Uferweg bei Urfahrn endgültig für Fahrradfahrer

Der AUV will nach den Worten seines Vorsitzenden 2021 Radwanderwege in der Umgebung bewerben, damit sich nicht wieder das Gros der Ausflügler im Sattel am Bayerischen Meer ballt. Fenzl zufolge sollen „Geheimtipps in die Schaufenster gestellt werden“, also Radwanderwege beworben werden, auf denen es noch nicht immer ganz so voll ist. Die defensive Taktik bei der Werbung sei mit den Tourismusverbänden der beiden Landkreise bereits abgesprochen.

Mehr zum Thema

Kommentare