Weil Bademeister fehlen, muss Erlebnisbad Prienavera Öffnungszeiten reduzieren

Bademeisterin Linda Bodis beim Rundgang durch die Prienavera-Schwimmhalle. Sie gehört zum festen Stamm der „Fachangestellten für Bäderbetriebe“, wie der Beruf heute offiziell heißt.
+
Bademeisterin Linda Bodis beim Rundgang durch die Prienavera-Schwimmhalle. Sie gehört zum festen Stamm der „Fachangestellten für Bäderbetriebe“, wie der Beruf heute offiziell heißt.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
    schließen

„Blöd für uns, dass das Wetter so gut war.“ Wenn der Chef eines Hallen- und Strandbads so etwas sagt, kann etwas nicht stimmen. Beim Erlebnisbad Prienavera am Chiemsee stimmt der Personalstand nicht. Weil es zu wenig Bademeister gibt, mussten die Öffnungszeiten reduziert werden.

Prien – Dirk Schröder hat heuer an einem Sommertag ein aufgeschürftes Knie versorgt und einen Bienenstich gekühlt. Der Geschäftsführer der Chiemsee Marina GmbH (ChiMa) schlüpfte als ausgebildeter Rettungsschwimmer für ein paar Stunden in die Rolle des Bademeisters.

Dass der Chef das Jackett mit der Badehose tauschte, war dem akuten Personalmangel geschuldet. Das Prienavera musste in diesem Sommer sogar die Öffnungszeiten reduzieren und das Strandbad vorzeitig schließen, weil zu wenig Aufsichtspersonal zur Verfügung stand, berichtet Schröder im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Über ein Viertel des Jahresumsatzes durch Lockdown verloren

Hallenbäder sind eigentlich immer defizitär. Tourismusorte wie Prien verstehen sie vor allem als Schlechtwetterangebot für ihre Gäste. Über genaue Zahlen schweigen sich Politik und Leitung aus. Von Mitte März bis Mitte Juni traf der Corona-Lockdown das Prienavera. „Dadurch haben wir mindestens ein Viertel unseres gesamten Jahresumsatzes verloren“, schreibt Betriebsleiter Andreas Freier in einer Antwortmail auf eine Beschwerde. Ein Priener hatte sich gewundert, warum das Strandbad trotz bestem Badewetter schon in der ersten Septemberhälfte zu war. „Wir haben die Ferienzeit gerade so geschafft. Blöd für uns war, dass das Wetter danach so gut war“, ärgert sich Schröder von Berufs wegen über den Spätsommer 2020.

Lesen Sie auch:

Wasser ist wieder warm im Prienavera: Erlebnisbad nach Corona-Pause wiedereröffnet

Es gab zu wenig Bademeister. Vier Vollzeit- und zwei Teilzeitkräfte stehen Schröder und Freier für die Dienstplanung zur Verfügung. Drei von ihnen müssen im Sommer in der Regel präsent sein, je einer in der Halle, im Strandbad und in der Sauna. Letztere ist seit Mitte März zu, denn aus Platzgründen dürfen abstandsbedingt höchstens zehn Personen in eine Kabine und das sei schlichtweg unwirtschaftlich, erklärt der ChiMa-Chef.

Trotzdem reichten die Bademeister irgendwann nicht mehr, Urlaube und zwei längere Krankheitsfälle kamen hinzu.

Eigentlich hat die ChiMa für die Hauptsaison noch sechs Aushilfskräfte, die bei Bedarf einspringen und Lücken im Dienstplan füllen. Aber die Betreibergesellschaft von Prienavera und Stippelwerft hatte diesem Sextett im Rahmen von Kosteneinsparmaßnahmen vorübergehend kündigen müssen. Denn auch wenn diese Aushilfen nicht arbeiten, kosten sie die ChiMa Geld, ärgert sich Schröder über entsprechende bürokratische Vorgaben.

Ab dem 1. Oktober sind wieder Aushilfen da

Ab 1. Oktober werden die Aushilfen wieder eingestellt und die Öffnungszeiten des Erlebnisbads ausgedehnt, kündigt Schröder an. Seit der Wiedereröffnung Mitte Juni ist abends um 18 Uhr Schluss, ab 1. Oktober bleibt das Prienavera samt Gastronomie, aber weiterhin noch ohne Sauna wieder bis 22 Uhr auf.

Lesen Sie auch:

Blinde Schwimmerin setzt beeindruckendes Zeichen: Ruf nach mehr Inklusion in Sportvereinen

Höchstens 150 Gäste dürfen gleichzeitig ins Bad, nur ein Drittel des Fassungsvermögens. Bis zu den Umkleiden gilt Maskenpflicht. In den vergangenen Monaten war die Zahl der Personen, die gleichzeitig im Wasser sein dürfen, pro Becken festgelegt und durch Schilder dokumentiert. Der Badegast musste also eigentlich durchzählen, ob er noch ins Becken darf. Jetzt gilt laut Schröder, wie auch an Land, die Abstandsregel, und die ChiMa setzt auf die Eigenverantwortung der Gäste. Die Bademeister werden ein Auge darauf haben, dass alles korrekt zugeht.

Vergebliche Suche nach neuem Personal

Die personellen Engpässe bei den Bademeistern bleiben – und niemand weiß genau, warum eigentlich. 2500 Stellen waren 2018 nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Badewesen nicht besetzt, eine neuere Statistik gibt es nicht.

Schröder sucht seit Jahren vergeblich nach neuem Personal. Anzeigen und Posts in sozialen Medien verpuffen, „es kommt keine Bewerbung, kein Vorstellungsgespräch“, resigniert der Geschäftsführer. Dabei ist Fachangestellter für Bäderbetriebe ein vielseitiger Beruf – schon der Name lässt vermuten, dass der Job nicht mehr mit dem Bild des Mannes zu tun hat, der mit nacktem, braun gebranntem Oberkörper und Trillerpfeife am Beckenrand Kinder maßregelt, die vom Beckenrand gesprungen sind. Physik und Chemie, um Wasserqualität und Chlorgehalt laufend zu regulieren, stehen ebenso im Ausbildungsplan wie Erste Hilfe, Animation und technische Kenntnisse.

Um Schülern den Beruf schmackhaft zu machen, hat Schröder sogar schon Flyer verteilen lassen und einen Vortragstermin in der Mittelschule vereinbart. Kurz vor dem Tag kam der Lockdown.

Kommentare