Aus dem Kreisausschuss

Wegen Corona: Mehr Schulbusse in Traunstein, aber auch Hunderttausende Euro an Mehrkosten

Kinder, die morgens zum Schulbus gehen: Um das Infektionsrisiko zu senken, führt der Landkreis Traunstein zwölf zusätzliche Busse ein. Zudem wird eindringlich an die Maskenpflicht für Schüler appelliert.
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Kinder, die morgens zum Schulbus gehen: Um das Infektionsrisiko zu senken, führt der Landkreis Traunstein zwölf zusätzliche Busse ein. Zudem wird eindringlich an die Maskenpflicht für Schüler appelliert.
  • vonMonika Kretzmer-Diepold
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Der Landkreis Traunstein muss wegen der Schülerbeförderung in Corona-Zeiten erhebliche Mehrkosten stemmen – bis Weihnachten sollen 250000 Euro zusätzlich auf den Kreis zukommen. Einig ist man sich im Kreisausschuss aber, dass es keine Alternative zu zusätzlichen Bussen gibt, schließlich geht es um den Schutz vor Neuinfektionen.

Traunstein – Mädchen und Buben, die den Schulbus nutzen, werden auch nach den Herbstferien sicher in die Traunsteiner Schulen kommen. Um zu enge Verhältnisse in den Bussen zu vermeiden, werden die Unternehmen zusätzliche Verstärkerbusse einsetzen – auf neun Linien insgesamt zwölf Fahrzeuge (siehe Bild). Das beschloss der Kreisausschuss unter Vorsitz von Landrat Siegfried Walch in seiner jüngsten Sitzung ohne Gegenstimme.

Damit werden die Beförderungskapazitäten auf das erforderliche Maß erhöht, wie Alexandra Wolf, Abteilungsleiterin Regionalentwicklung im Landratsamt, berichtete. Die Planungen hätten im August begonnen – unmittelbar nach dem ersten Fingerzeig, dass der Regelbetrieb an Schulen mit Schuljahresbeginn unter Einhaltung eines Hygienekonzepts wieder aufgenommen werden könnte. Wie Wolf betonte, wurde das neue Verstärkerkonzept „ab dem ersten Schultag in den Fahrzeugen wie den Haltestellen kontrolliert“.

Hinweise durch Elternbeiräte

Ein Problem war: Erst in der zweiten Schulwoche stabilisierte sich der jeweilige Stundenplan. „Deshalb mussten auf einigen Linien Verstärkerbusse nachgeschoben werden.“ Große Hilfe bedeutete dabei das Mitwirken von Schulen und Elternbeiräten. „Diese Unterstützung war sehr wertvoll. Durch solche Hinweise erfuhren wir, wo wir nachschauen und nachjustieren müssen. Wir gehen diesen Hinweisen immer sofort nach, nehmen Kontakt auf zu den Busunternehmen und setzen uns auch selbst in die Busse“, so die Abteilungsleiterin. Noch etwas Sorge bereiteten komplexere Situationen, zum Beispiel, wenn die Busnutzer verschiedene Schulen besuchen.

Für die Verstärkerbusse kann der Landkreis nach Alexandra Wolf mit 70-prozentiger Kostenerstattung durch den Freistaat Bayern rechnen. Auf 30 Prozent bleibe der Landkreis sitzen. Bislang seien somit seit Schuljahresbeginn 55 000 Euro Kosten aufgelaufen.

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Bis zu den Herbstferien werde der Betrag bei 130 000 Euro liegen. Die bis Weihnachten erforderlichen Kosten bezifferte die Fachfrau mit etwa 250 000 Euro.

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Walch ergänzte, nach derzeitiger Beschlusslage gelte die Förderung nur bis zu den Herbstferien. Ministerpräsident Markus Söder habe jedoch bereits eine weitere Unterstützung klar gemacht. Die Verstärkerfahrzeuge stammten teils von den Busfirmen selbst. Eingesprungen seien aber auch Reiseunternehmen. So könnten sie auch einen Teil ihrer Umsatzeinbußen kompensieren. Ein großes Anliegen war Alexandra Wolf die Maskenpflicht in den Bussen: „Es gibt immer wieder Kinder, die sich nicht daran halten. Die Maske nicht zu tragen, bedeutet, anderen das Corona-Risiko aufzubürden.“

Ein Platz je Kind wie in den USA fraglich

Verantwortlich seien nicht die Busfahrer, sondern die Eltern. Auf die Idee von Walburga Mörtl-Körner (Grüne) schlug Walch vor, die Verkehrsunternehmen könnten Hinweisschilder zur Maskenpflicht in den Bussen anbringen. Wann nach Vorbild der USA für jedes Kind ein eigener Sitzplatz komme, erkundigte sich Andreas Füssel, AfD. Es sei zu diskutieren, „ob eine Errungenschaft während der Corona-Pandemie als Standard fortgeführt werden sollte“, antwortete Landrat Walch. Entsprechende Mittel müssten bereitgestellt werden.

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Nicht alles lässt sich regeln

Die Situation von Schülern in den Zügen aufgrund der Corona-Vorschriften interessierte Sebastian Heller (Grüne). Marko Just vom Landratsamt gab Auskunft über Gespräche mit der Südostbayern-Bahn. Verstärkerbusse seien im Gespräch: „Allerdings haben wir die Erfahrung, dass Busse im Schienenersatzverkehr nicht so gut angenommen werden.“ Laut Walch sind Busse jedoch die einzige Alternative, zu entzerren. In der Diskussion schnitt Christian Schunk, SPDPlus, Detailfragen zu einzelnen Schülerbeförderungslinien an, darunter die Verteilung der Schüler auf mehrere Busse: „Alle wollen auf der Heimfahrt in den ersten Bus.“ Dazu ergänzte Karl Schleid, CSU: „Wir haben keine Chance, das auch noch zu regeln.“

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