Verlorener Jahrgang

Wegen Corona: Hunderte Kinder am Chiemsee konnten 2020 nicht Schwimmen lernen

Schwimmen ist für Kinder eine wichtige Fertigkeit. Leider blieb vielen aufgrund der Corona-Pandemie die Möglichkeit verwehrt, es zu lernen, weil es kaum Kurse gab.
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Schwimmen ist für Kinder eine wichtige Fertigkeit. Leider blieb vielen aufgrund der Corona-Pandemie die Möglichkeit verwehrt, es zu lernen, weil es kaum Kurse gab.

Hunderte Kinder blieben im Jahr 2020 alleine in Prien und Bernau auf dem Trockenen. Wegen der Corona-Pandemie fielen die meisten Schwimmkurse aus und die Vereine harren zwangsläufig tatenlos der Dinge.

von Tanja Weichold

Bernau/Prien/Rimsting – Die Vereine hoffen im nächsten Jahr auf Besserung. „Wenn man am Bayerischen Meer lebt, ist schwimmen ein Lebensrecht“, formulierte es Matthias Vieweger, Abteilungsleiter der Schwimmer beim TSV Bernau egenüber unserer Zeitung. „Das Vereinsleben stand dieses Jahr dreiviertel still“, sagt Vieweger. Sämtliche Veranstaltungen und Ausflüge sind kdown wieder auf Null gesetzt – vorerst bis 10. Januar. „Gesellschaftlich am bedeutendsten ist der Ausfall bei den Schwimmkursen. Im Endeffekt haben wir einen verlorenen Jahrgang, der 2020 nicht das Schwimmen lernen konnte“, so Vieweger.

Schritt nach hinten fürs Schwimmen

Und auch der Jugendaustausch mit der Partnerstadt Priens, Graulhet in Frankreich, musste heuer abgesagt werden. Schwimmabteilung und TSV kümmern sich normalerweise darum. Heuer hätte das Treffen in Prien stattgefunden, doch laut Vieweger ist jenes im nächsten Jahr auch schon gestrichen. „Erst 2022 geht es weiter.“ „Wir haben heuer in Bezug auf Schwimmen einen Schritt nach hinten gemacht“, sagt Birgit Anzer. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann Stefan die Schwimmschule Aqua-Galvanic mit Sitz in Prien. An die 200 Kinder lernen bei den beiden im Schnitt jedes Jahr schwimmen.

Schwimmbad mit Hygienekonzept sicherer als überfüllter Seestrand

„Heuer mussten wir durch Corona viele Kurse abbrechen und ausfallen lassen.“ Kleinkinderkurse konnten gar nicht stattfinden. Dabei sei es grundsätzlich schon schwierig, in den Bädern genügend Badezeiten für Kurse zu bekommen. Im Corona-Sommer 2020 habe sie den Versuch gestartet und Aqua-Fitness im See angeboten. „Viele Eltern haben den Sommer genutzt und sind am See gewesen. Die Strände waren oft überfüllt und Abstände nicht eingehalten“, schildert Birgit Anzer ihre Wahrnehmung. „Ich hätte das im Schwimmbad sicherer gefunden mit Hygienekonzept.“

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Nichtschwimmer leben am See gefährlich

Gerade für Zwergerl, die nicht schwimmen können, berge der See große Gefahren. Für die nächste Zeit sieht Anzer „keinen Lichtblick“ in Bezug auf Schwimmkurse. „Ich kann keinen Kurs machen mit 1,50 Meter Abstand“, erklärt sie. „Wenn ein Kind unterzugehen droht, muss ich hinlangen.“ Ihrer Meinung nach gibt es auch ohne die Corona-Einschnitte schon zu viele Kinder, die schlecht oder nicht schwimmen können. Hinzu kommen die Einbußen für sie und ihren Mann als Freiberufler.

Ausbildung für die Wasserretter fiel ins Wasser

Christian Frölich, Vorsitzender der Wasserwacht Prien-Rimsting, berichtet, dass heuer weder Schwimmausbildung noch Training mit den eigenen ehrenamtlichen Wasserrettern stattfinden konnte. Der Ortsverein habe rund 60 aktive Mitglieder plus 40 Jugendliche. Das Prienavera sei heuer weitgehend geschlossen gewesen. „Momentan können wir nur abwarten, bis wieder etwas möglich ist und schauen, wie es nächstes Jahr läuft.“ Die Situation der Schwimmausbildung bei Kindern und Jugendlichen betrachtet er in der Gesellschaft mit einer gewissen Sorge. „Deutschlandweit schließen immer mehr Bäder“, so Frölich. Für Kinder und Jugendliche sinken damit die Möglichkeiten, schwimmen zu lernen.

Impfstoff gibt wieder Hoffnung

Am Chiemsee gilt es für die Wasserwacht nicht nur ein wachsames Auge auf die eigene Bevölkerung zu haben, sondern jährlich auch auf die vielen Gäste und Touristen. Bleibt aktuell nur zu hoffen, dass wegen der Corona-Pandemie nicht eine weitere Schwimmkurs-Saison sprichwörtlich baden geht. Frölichs große Hoffnung liegt nun auf den Impfungen.

Die Schwimmabteilung des TSV Bernau hat 350 Mitglieder, davon etwa zwei Drittel Kinder und Jugendliche. 200 Kinder besuchen regelmäßig die Schwimmtrainings, heuer war dies nur bis Mitte März und sechs Wochen im Herbst möglich, ebenso die Baby- und Kleinkinderschwimmkurse. Normalerweise hält der TSV in allen Ferien Schwimmkurse mit insgesamt rund 150 Teilnehmern ab, jedes Jahr machen laut Abteilungsleiter Matthias Vieweger etwa 100 Kinder das Seepferdchen-Abzeichen. Dies war im Coronajahr nicht möglich. Das Bronzene Abzeichen, mit dem die Träger als sichere Schwimmer gelten, konnte heuer so gut wie kein Jugendlicher ablegen.

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