Wegen Brandschutz: Kampenwandsaal in Bernau wird abgerissen und neu gebaut

Der Kampenwandsaal ist die Adresse in Bernau für große Feste und Feiern. Archiv Berger
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Der Kampenwandsaal ist die Adresse in Bernau für große Feste und Feiern.
  • vonElisabeth Kirchner
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Der Saal des Gasthauses Kampenwand ist der traditionsreichste und größte Raum für Veranstaltungen im Ort. Wegen Brandschutz- und energetischen Mängeln will ihn der Eigentümer, die Brauerei Auerbräu, abreißen und einen neuen Saal bauen. Der Gemeinderat ist mit großer Mehrheit für die Pläne.

Bernau – Mit drei Gegenstimmen erteilte der Bernauer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung im Rathaus das Einvernehmen für den Abriss und Neubau des Kampenwandsaals. Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU) erläuterte vor der Abstimmung, dass der Saal wegen Brandschutz-Mängeln und der Kosten für die energetischen Sanierungsmaßnahmen nicht mehr sanierungsfähig sei und deshalb im November abgerissen werden soll.

Vereine signalisieren Zustimmung zu bisherigen Plänen

Ein Neubau solle im kommenden Sommer stehen, sofern der Gemeinderat die Pläne gutheiße. Sie habe auch mit einigen Ortsvereinen wie dem Trachten- und dem Theaterverein sowie der Musikkapelle gesprochen. Sie alle zählen mit ihren Veranstaltungen im Jahresverlauf zu den Nutzern e Saals an der Aschauer Straße, der zum gleichnamigenGasthaus gehört. Laut übereinstimmender Aussage der Vereine sei ein Saal mit maximal 200 Leuten ausreichend, lediglich das traditionelle Neujahrskonzert der Musikkapelle verlange mehr Raum. Deswegen sei bei dem Treffen der Vorschlag erarbeitet worden, den Saal um vier Meter zu verlängern und auch akustisch besser zu dämpfen. Der alte Saal fasst nach Betreiberangaben „mühelos 300 Personen“.

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Architekt Schorsch Brüderl aus Traunreut, der seit knapp einem Jahr für die Planungen zuständig ist, erläuterte im Anschluss das Vorhaben. Es sei begrüßenswert, dass der Eigentümer, die Brauerei Auerbräu aus Rosenheim, trotz Corona an ihren Plänen festhalte und den Neubau umsetzen wolle. Denn schon mit den Sanierungsplänen sei „viel Geld verbrannt“ worden.

Mischfunktion als Gastraum und Saal

Durch den Neubau werde das Hauptgebäude wieder „präsent, klar und deutlich“, das Nebengebäude sei „stimmig zum Bestand.“ Barrierefreie Zugänglichkeit, auch von der Gaststätte aus, ein zusätzliches Behinderten-WC, flexible Bühnenpodeste für eine Bühnenerweiterung, dazu noch eine Grundausstattung mit Beamer und Lautsprecheranlage – der Neubau werde seiner Mischfunktion als Gastraum und Saal gerecht, versprach der Architekt.

Auf Nachfragen Peter Steindlmüllers und Peter Pertls (beide CSU) erklärte Brüderl, dass der Saal – für 120 bis 140 Personen – flexibel mit Stühlen und Tischen ausgestattet werden könne.

Diskussion um Lärmschutz für die Nachbarn

Die Erweiterung solle nach Süden hin erfolgen, ein Wintergarten sei hier eine gute Idee. Er könne sich hier auch ein Entgegenkommen des Bauwerbers vorstellen. Aber da müsse man noch die genauen Kosten ermitteln. Brüderl betonte: „Wir bauen für die Gemeinde und für die Brauerei.“

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Franz Praßberger (FW/ÜWG) regte an, eine halbhohe Lärmschutzwand zum westlich angrenzenden Nachbargrundstück, wie sie in einem vorherigen Plan eingezeichnet war, wieder aufzugreifen. Georg Bauer (BL) wollte wissen, ob man den Saal zusätzlich auch nach Norden hin erweitern könne. Pia Ostler (Grüne) und Michaela Leidel (BL) schlossen sich er Ansicht an, dass der Saal zu klein dimensioniert sei. Leidel zeigte sich verärgert, dass sie als Kulturreferentin nicht zu dem Treffen gebeten worden sei – ein Umstand, für den sich Biebl-Daiber sofort entschuldigte.

Forderung nach einem größeren Saal

Bei 7000 Einwohnern und angesichts der vielen Konzerte sei ein größerer Saal vonnöten, so Leidels Forderung. Architekt Brüderl wiederholte, dass für einen größeren Saal ein größerer finanzieller Zuschuss von Seiten der Gemeinde vonnöten sei.

Im November soll das Gebäude abgerissen werden.

Der Zeitrahmen sei „knackig“, so der Architekt auf Nachfrage. Der Neubau solle im Frühsommer 2021 stehen. Dies sei auch das Bestreben der Brauerei und des Wirts. Für den Neubau in der jetzigen Form seien 300.000 Euro an gemeindlichen Zuschüssen vonnöten, ein größerer Saal mit Platz für über 200 Personen komme die Gemeinde mindestens doppelt so teuer, so seine Schätzung.

„Lieber einen kleinen, funktionierenden Saal als einen großen“

Biebl-Daiber fügte an, dass die Städtebauförderung hier nicht in Frage komme, da das Vorhaben keine Sanierungsmaßnahme sei. Stattdessen könne man auf ein Förderprogramm zurückgreifen, das Neubauten für touristische Infrastrukturzwecke mit bis zu 50 Prozent fördere, wenn die Nutzungsdauer auf mindestens 25 Jahre festgelegt ist.

Sie könne gerne noch einmal nachverhandeln, was eine zusätzliche Erweiterung angehe. Sie wolle lieber „einen kleinen, feinen, schönen und funktionierenden Saal als einen großen“, sagte die Bürgermeisterin. Sie gab auch zu bedenken, dass Ausnahmegenehmigungen für größere Veranstaltungen möglich seien und dass die Vereine erklärt hätten, dass die jetzigen Pläne ausreichend seien.

Während Michaela Leidel sich weiterhin gegen den Neubau und für ein Verlegen des Beschlusses auf „nach der Sommerpause“ aussprach, schlug Severin Ohlert (Grüne) verbindlichere Töne an. Er sei für die geplante Erweiterung um vier Meter, wolle aber schnellstmöglich die Kostenfrage geregelt haben.

„Wir verlieren sehr viel, wenn wir nein sagen“

Matthias Vieweger (CSU) äußerte sich ähnlich: „Wir verlieren sehr viel, wenn wir nein sagen.“ Er schlage deshalb vor, den Beschlussvorschlag dahingehend zu erweitern, dass die Verwaltung für einen größeren, erweiterten Saal schnellstmöglich mit der Brauerei verhandeln und dem Gemeinderat berichten solle. In der Zwischenzeit aber sollte der Gemeinderat dem Vorhaben in seiner vorliegenden Form zustimmen.

Architekt Brüderl begrüßte diesen „Königsweg“, mit der Zustimmung samt Nachverhandlungen setze die Gemeinde „ein positives Zeichen.“

Gegen die Stimmen Ostlers, Leidels und Bauers wurde der Vorschlag mit großer Mehrheit angenommen, den Kampenwandsaal abzureißen und neu zu bauen mit der Option zur Änderung der Planung zur Verlängerung des Saales um vier Meter sowie weiteren Nachverhandlungen.

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