ÜBUNG

Wasserwacht probt den Ernstfall

Bei der Rettung kommt es auf jede Sekunde an, im eiskalten Wasser sinkt die Körpertemperatur schnell ab.
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Bei der Rettung kommt es auf jede Sekunde an, im eiskalten Wasser sinkt die Körpertemperatur schnell ab.

Hunderte wagten sich trotz Warnungen von Polizei und Rettungsdiensten am Samstag zwischen Prien und der Herreninsel aufs Eis (siehe Bericht im Regionalteil). Nur ein paar Meter weiter zeigte die Wasserwacht, was im Ernstfall lebensrettend sein kann.

Prien – Die Wasserwacht Prien-Rimsting führte am Samstag eine Rettungsübung für aktiven Mitglieder und für interessierte Eissportler durch.

Zu Beginn wurden zunächst die besonders gefährlichen Bereiche auf zugefrorenen Gewässern besprochen. „Hier sind vor allem die Mündungsbereiche der Zu- und Abflüsse, Hütten, Stege und Wachstumsschläge sowie Unterwasserströmungen und die Fahrrinnen der Schifffahrt zu nennen“, zählte Übungsleiter Gerd Kleinhans auf. Generell seien offene Stellen sowie Wasser auf dem Eis immer ein deutliches Zeichen, dass dort große Einbruchgefahr bestehe. „Schnee auf dem Eis verhindert, dass das Eis darunter wächst, weil er isoliert, außerdem kann man den Zustand des Eises nicht sehen“, erläuterte der Fachmann.

Gerade im eiskalten Wasser ist Zeit kostbar. Deswegen sollte jeder, der die Eisfläche betritt, mindestens ein Handy mit geladenem Akku, ein paar sogenannte Eisdornen, mit denen sich Eingebrochene im Eis festhaken und herausziehen können, sowie eine etwa fünf Meter lange Leine mitführen, um sich und anderen helfen zu können. Auch Stangen, Eishockeyschläger und Schlitten können laut Kleinhans wertvolle Hilfsmittel zur Rettung sein.

Für die Übung am Samstag wurde die Eisdecke nahe der Wachhütte im Strandbadgelände in Stock aufgesägt. Rettungstaucher sowie Wasserretter stellten sich als „Einbruchopfer“ zur Verfügung.

Die Freiwilligen veranschaulichten den Zuschauern, wie man sich mit Eisdornen selbst aus dem eiskalten Wasser ziehen oder sich zumindest festhalten kann, bis Hilfe kommt. Mit Leinen oder dem Eisschlitten können sich Eingebrochene dann retten lassen. Unter der Anleitung der Wasserwachtler konnte deren Schlitten am Samstag auch von Passanten zum Üben einer Rettung benutzt werden.

Die Rettungstaucher der Wasserwacht haben dann die Vermisstensuche und Bergung unter dem Eis weiter geübt. Diese Möglichkeit haben sie nicht allzu oft, denn der Chiemsee friert beileibe nicht jeden Winter zu.

Übungsleiter Kleinhans gab dem Publikum noch einige möglicherweise lebensrettende Hinweise mit: „Die Ersthelfer beziehungsweise Eiswanderer sollten den Hilferuf weitergeben, den Notruf 112 wählen, Ruhe bewahren und sich nur auf tragfähigem Eis der Unfallstelle liegend nähern“, betonte er, dass auch bei der Hilfe anderer die eigene Sicherheit nicht aus den Augen gelassen werden darf.

„Dem Verunglückten Mut zusprechen, einen Gegenstand reichen, jedoch nicht die Hand“ Gerd Kleinhans, Wasserwacht

„Dem Verunglückten Mut zusprechen, einen Gegenstand reichen, jedoch nicht die Hand“, empfahl der Übungsleiter weiter für den Ernstfall. Um einen Eingebrochenen zu bergen, soll man ihn „rückwärts robbend aus dem Wasser ziehen“.

Am Samstag wurde auch der Einsatz des Eisrettungsschlittens mit seiner Ausrüstung geübt. Solche Schlitten sind an mehreren Stellen am Ufer stationiert (siehe Kasten).

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