Wasser ist wieder warm im Prienavera: Erlebnisbad nach Corona-Pause wiedereröffnet

Kai Schultze aus Prien war der erste Gast bei der Wiedereröffnung des Prienavera. Berger
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Kai Schultze aus Prien war der erste Gast bei der Wiedereröffnung des Prienavera. Berger
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Über drei Monate blieben die Becken leer im Prienavera. Jetzt dürfen wieder Badegäste kommen, aber nicht mehr als 150 auf einmal. Und es gibt noch mehr Corona-Regeln, an die sich Badegäste vorerst halten müssen.

Prien – Kai Schultze sprang am Dienstag um kurz nach 10 Uhr ins Erlebnisbecken des Prienavera. Der Priener war der erste Gast im muschelförmigen Erlebnisbad nach über einem Vierteljahr. Die Chiemsee Marina GmbH (ChiMa) darf ab sofort bis zu 150 Personen gleichzeitig in die Halle lassen.

„Wir müssen der Bevölkerung und den Urlaubern endlich wieder etwas bieten“, begründete ChiMa-Geschäftsführer Dirk Schröder im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, warum das Prienavera trotz erschwerter Bedingungen wieder eröffnet ist, obwohl es schon in normalen Zeiten ein Zuschussbetrieb ist. 3,80 Euro zahlt die Gemeinde über ihre Tochtergesellschaft ChiMa rechnerisch pro Gast drauf, verträt Betriebsleiter Andreas Freier. Die Einnahmen von zuletzt rund 1,2 Millionen Euro jährlich decken einen Teil des Defizits. Durch die Corona-bedingte Zwangsschließung seit Mitte März fehlen Schröder zufolge etwa 300 000 Euro Einnahmen.

Die Zeit hat das Personal der ChiMa genutzt und einige der Arbeiten vorgezogen, die sonst während der jährlichen Revision im November erledigt werden müssen.

Sonne unterstützt Heizungsanlage

Am Sonntag hatten Schröder, Freier und Co. die Technik wieder komplett hochgefahren, nachdem am Tag zuvor durch eine neue Infektionsschutzverordnung des Freistaats die Rahmenbedingungen für die Wiedereröffnung festgelegt worden waren. Im kalten November dauert es nach der Revision Freier zufolge eine Woche, bis die eine Million Liter Wasser in den Becken wieder auf über 30 Grad erwärmt sind. Weil durch die riesigen Fensterfronten auf der Ostseite, die den Blick aufs Königsschloss von Herrenchiemsee ermöglichen, die Sonne hereinscheint, wurde das Wasser diesmal schneller warm.

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In der Zeit, in der das Thermometer langsam stieg, hat das Prienavera-Personal einen Schilderwald angelegt. Vor Toiletten und Duschen, an Haartrocknern und an vielen weiteren Stellen hängen blaue Schilder mit Verhaltensregeln. In die Toiletten darf immer nur eine Person, in die Damen- oder Herredusche höchstens zwei.

Höchstens 25 dürfen ins Schwimmerbecken

Auch an den Beckenrändern steht unübersehbar, wie viele Personen gleichzeitig ins Wasser dürfen – zehn pro Quadratmeter. Deshalb dürfen ins Schwimmerbecken höchstens 25 Badende gleichzeitig, ins Erlebnisbecken 20 und in den Whirlpool nur zwei. Immerhin ist die über 70 Meter lange Erlebnisrutsche offen.

Die Urlauberfamilie Reitsamer aus Niederösterreich genoss die Ruhe im Erlebnisbad.

Das Dampfbad bleibt bis auf Weiteres ebenso geschlossen wie die Sauna, deren Betrieb sich wegen der Abstandsregeln schlichtweg gar nicht wirtschaftlich darstellen ließe,

Weil der Gang von der Rezeption zu den Umkleiden zu schmal ist, haben Schröder und seine Leute eine Umleitung eingerichtet, damit kein Begegnungsverkehr entsteht. Die Gäste betreten das Prienavera auf dem normalen Weg und müssen bis in die Umkleide Maske tragen. Sie verlassen die Halle durch einen umgebauten Lagerraum und müssen dabei keine Maske tragen, erst wieder im Foyer.

Familien tummeln sich im Prienavera

Die Schwimmmeister und das übrige Personal hat Schröder vor der Wiedereröffnung gebrieft. Die Bademeister sollen in Auge darauf haben, dass es im Wasser nicht zu voll wird. Die Verantwortlichen setzen aber auch auf die Disziplin der Gäste, damit die zulässigen Personenzahlen in den Becken eingehalten werden.

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Am ersten Öffnungstag nach über drei Monaten sind es neben Prienavera-Fan Kai Schultze, der nach eigenen Angaben alle zwei Wochen einen ganzen Tag im Erlebnisbad verbringt, vor allem Familien, die sich in der Halle tummeln. Sie alle haben im Internet gelesen, dass wieder offen ist, und sich auf der Homepage gleich angemeldet.

Besucherzahl am ersten Tag noch überschaubar

Die Freundinnen Jenny und Sonja aus Landshut und München haben am Kleinkinderbeckern ein waches Auge auf ihre Babys. Rainer Reitsamer aus Niederösterreich, der mit Frau und zwei Kindern gerade Urlaub in Waging macht, outet sich als Prienavera-Fan. Zu dem sei er geworden, als er eine Weile in Raubling lebte, erzählt er. Der Blick aufs Schloss und die Gastronomie haben es ihm besonders angetan.

Schilder zeigen an, wie viele Gäste gleichzeitig ins Wasser dürfen.

Ein junges Paar mit zwei kleinen Kindern hat im Internet von der Wiedereröffnung erfahren und hat sich auf Liegen direkt am Fenster mit Blick auf dem Chiemsee eingerichtet.

Sie alle genießen es, dass die Besucherzahl am ersten Öffnungstag noch sehr überschaubar war. Schröder und Co. wollen den Betrieb bewusst langsam wieder richtig hochfahren. Deshalb sind auch die Öffnungszeiten vorerst reduziert. Eigentlich hat das Priener Erlebnisbad in der Sommersaison täglich von 10 bis 21 Uhr offen, jetzt macht es schon um 18 Uhr zu.

Sonderschichten für Reinigungskräfte

Durch die kürzeren Zeiten kann der personelle Mehraufwand durch die Corona-Regeln kompensiert werden, erläutert Schröder. So müssen zum Beispiel an allen Griffflächen in Duschen, Umkleiden und Toiletten zusätzliche Reinigungsschichten eingelegt werden.

Freier hofft, dass sich die Besucher genau so diszipliniert verhalten wie die Strandbad-Gäste, die schon seit einigen Wochen wieder kommen dürfen. Allerdings wurde die Kapazitätsgrenze im Außenbereich am See bisher noch nicht ausgereizt. 250 Besucher dürfen Abstands-bedingt hinein, 220 waren es laut Schröder am bisherigen Spitzen-Samstag vor eineinhalb Wochen.

Eine Zufahrtsstraße zum Prienavera gesperrt

Die Zufahrt zum Parkplatz des Prienavera ist zurzeit nur über die Seepromenade möglich. Die eigentliche Fußgängerzone ist ausnahmsweise für den Verkehr freigegeben, weil der Erlenweg gesperrt ist. Die Gemeinde hatte die Zwangsschließung des Prienavera genutzt, um den Erlenweg als einzige Zufahrtstraße zum Erlebnisbad endlich zu sanieren. Die Fahrbahn war in einem schlechten Zustand, zudem müssen Wasserleitungen und Abwasserkanäle teilweise erneuert werden. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich noch drei Wochen in Anspruch nehmen. Die Umleitung ab der Kreuzung Stocker Spinne ist beschildert.

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