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Wenn Entwicklungshilfe zur Herausforderung wird

Wasser-Krimi für Traunsteiner Ehrenamtliche in der Masaai-Steppe

Zum Dank für das geglückte Brunnen-Projekt wurde Hans Siemer (Zweiter von links) zum Ehren-Clan-Chef des Dorfs Kambi ya Chokaa ernannt. Links von ihm Projektleiter Erwin Remmele, rechts Maria, Leiterin der Masaai Frauengruppe, und AKO-Finanzchefin und Projektorganisatorin vor Ort, Hilda Kimath aus Traunstein.
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Zum Dank für das geglückte Brunnen-Projekt wurde Hans Siemer (Zweiter von links) zum Ehren-Clan-Chef des Dorfs Kambi ya Chokaa ernannt. Links von ihm Projektleiter Erwin Remmele, rechts Maria, Leiterin der Masaai Frauengruppe, und AKO-Finanzchefin und Projektorganisatorin vor Ort, Hilda Kimath aus Traunstein.

Fünf Jahre lang arbeitete der Traunsteiner Aktionskreis Ostafrika an Brunnen-Projekt in der tansanischen Masaai-Wüste, bis es endlich erfolgreich zum Abschluss kam. Die Bilanz: Stammesfehden, ein Toter, aber auch elf neue Wasserstellen für 1500 Menschen.

Traunstein/Kambi ya Chokaa – Wasser bedeutet Leben und Überleben, vor allem in der kargen Masaai-Steppe in Tansania. Dort versorgt jetzt eine zehn Kilometer lange Leitung über 1500 Menschen, eine Krankenstation und eine weiterführende Schule. Die Geschichte dieses 42 000-Euro-Projekts des Traunsteiner Aktionskreises Ostafrika (AKO) ist ein spannender Krimi mit gutem Ende.

Das Projekt, das nun nach fünf Jahren fertiggestellt wurde, sichert die Zukunft der weit verstreut in Hütten wohnenden Familien: „Die Menschen können sich jetzt an elf Zapfstellen mit Wasser versorgen. Eine Pumpe fördert täglich bis zu 30 000 Liter“, freut sich Hans Siemer aus Traunstein.

Katastrophale Situation

Seit 30 Jahren engagiert sich das Gründungsmitglied des AKO nun für Ostafrika und setzt sich, trotz aller Schwierigkeiten, die er dort erlebt hat, immer wieder für die Menschen vor Ort ein.

Er beschreibt die Situation in der Gemeinde Kambi ya Chokaa, wie sie sich im 2016 bot, als „geradezu katastrophal“.

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Die Menschen mussten oft bis zu 40 Kilometer zurücklegen, um aus einem Brunnen mit handbetriebener Pumpe Wasser zu schöpfen.

Verfeindete Stämme

In ihrer Not wandte sich die Gemeinde Chokaa an den AKO, der seit Jahrzehnten in Tansania Hilfe leistet und etliche Projekte in der Masaai-Steppe realisiert hat, wie den Bau eines Kindergartens und einer Solarpumpe zur Wasserversorgung. „Es war aber nicht so, dass wir einfach eine Wasserleitung durch das Gebiet legen konnten“, erinnert sich Siemer. Dutzende Stämme lebten dort verteilt auf dem Land, vereint in ihrer Wasserknappheit, und doch verfeindet aufgrund kulturell bedingter Unterschiede. Dazu seien die Stämme tief spirituell geprägt.

Machtkampf um den Brunnen

„Ich habe weiß Gott wie viele Friedensverhandlungen durchgeführt und zwischen den Stämmen klar Schiff gemacht“, beschreibt es Siemer, der Tansania seit drei Jahrzehnten bereist und das Land gut kennt. Man müsse dort mit den Stammes-Hierarchien zurechtkommen und die Menschen so akzeptieren wie sie sind, ist Siemers „Erfolgsrezept“, und am Ende wurde alles gut. Doch bis dahin war es noch ein langer Weg. Die nötigen Probebohrungen mussten an einer geeigneten Stelle über einem Grundwassersee erfolgen, das Land aber war nicht im Besitz der Gemeinde, sondern in privaten Händen.

Vom Moped geschossen

Unter etlichen Großfamilien entflammte ein erbitterter Machtkampf um das Brunnenprojekt, „weil einer der Masaai-Chiefs, um dessen Land es sich handelte, die große Chance sah, das Wasser zu Geld zu machen“, schildert Siemer. „Der von der Regierung eingesetzte Bürgermeister versuchte zu schlichten und verlor sein Leben. Er wurde von seinem Moped geschossen.“

Trotz dieser tragischen Ereignisse blieb Siemer mit seinen Mitstreitern am Projekt dran. „Sonst wandern die Dorfbewohner in die großen Städte ab, wo sie keine Chance haben. Sie enden dort in den Slums.“

Hilfe zur Selbsthilfe

So ist auch das AKO-Brunnenprojekt Hilfe zur Selbsthilfe für die Landbevölkerung, „und weil wir unsere Spendengelder direkt einsetzen, ohne Umwege, arbeiten wir nachhaltig und genießen auch das Vertrauen der Bundesregierung in Deutschland, die uns mit Mitteln bedenkt“, erklärt Siemer den guten Ruf des AKO. Er selbst fliege immer wieder über die Gebiete, in denen der Kreis aktiv war, „und ich sehe dann, wie sich die Dörfer erweitert haben, ein Hinweis darauf, dass die Leute nicht wegziehen, weil sie vor Ort eine Perspektive haben.“ So habe man sich parallel zum Wasserprojekt auch um eine funktionierende Stromversorgung gekümmert.

Immer wieder Steine in den Weg gelegt

Der Masaai-Krimi ging derweil weiter: Der vermeintliche Mörder des Bürgermeisters, inzwischen im Gefängnis, konnte von einem Landtausch überzeugt werden. Jetzt hätten rund 4000 Quadratmeter um das Bohrloch genutzt werden können. Doch Unbekannte füllten die 60 Meter tiefe Anlage mit Steinen.

Der Verein reaktivierte ein altes Wasserprojekt unter der Schirmherrschaft des einstigen US-Präsidenten Bill Clinton, das einst gescheitert war: Eine Zisterne wird jetzt befüllt durch Wasser aus einem anderen unterirdischen See, derzeit speist er die elf Zapfstellen. Zum Dank feierten die Bewohner von Kambi ya Chokaa ein großes Fest und ernannten Hans Siemer zu ihrem Ehren-Chief.

2022 plant der AKO unter anderem den Bau einer Flußbrücke, damit Schulkindern während der Regenzeit ein sehr langer Umweg erspart bleibt. Siemer und das Traunsteiner AKO-Team werden auch diesmal nicht aufgeben, egal, welche Hürden kommen mögen.