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Interview mit dem Traunsteiner Krisenhelfer Alexander Gröbner

Was die geflüchteten Menschen aus der Ukraine jetzt brauchen

Alexander Gröbner vom Kriseninterventionsteam.
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Alexander Gröbner vom Kriseninterventionsteam.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Traunstein – Die Hilfsbereitschaft gegenüber Flüchtlingen aus der Ukraine ist groß, auch im Landkreis Traunstein. Viele Menschen bieten Zimmer oder private Wohnungen an. Angesichts traumatischer Erlebnisse vieler Geflüchteten gibt es jedoch einiges zu beachten. Wir sprachen darüber mit Alexander Gröbner. Er ist ehrenamtlicher Leiter des Kriseninterventionsteams des Malteser Hilfsdienstes und Fachberater für psychosoziale Notfallversorgung im Koordinierungsteam des Landratsamtes.

Was unterscheidet die aktuelle Situation der Flüchtlinge, die jetzt aus der Ukraine kommen, von den Flüchtlingen des Jahres 2015?

Alexander Gröbner: Grundsätzlich ist es notwendig, das Leid der einzelnen Menschen im Blick zu haben, die vor einem Krieg flüchten, und da ist eine Gewichtung sicher schwierig. Ein entscheidender Unterschied aktuell ist sicher, dass neben den über 60-Jährigen viele Frauen mit Kindern flüchten, deren Ehemänner und Väter im Kriegsgebiet zurückbleiben. Das löst existentielle Ängste aus. 2015 waren die Gruppen der Flüchtlinge breiter gefächert. Ein Unterschied ist sicher auch, dass wir selbst ganz anders betroffen sind durch die Nähe des Kriegsgebiets vor der Haustür in Europa. Dazu kommen eigene Sorgen und Probleme mit Corona.

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Was sollten Bürger beachten, die Flüchtlinge bei sich aufnehmen wollen?

Gröbner: Die Aufnahme von Flüchtlingen ist an sich schon ein sehr positives Signal. Wichtig ist sicher, in dieser Situation Sicherheit und Orientierung zu geben. Das heißt, die Menschen brauchen einen geschützten Raum, um auch mal für sich sein zu können. Aus meiner Sicht ist es besser, kleine Schritte und Perspektiven für die nächsten Tage zu entwickeln als rückblickend allzu viel über die Erlebnisse auf der Flucht zu reden oder das zu thematisieren. Die Aufarbeitung des Traumas ist Sache einer späteren Therapie. Kinder oder Jugendliche sollten grundsätzlich nicht als Übersetzer für „schwierige Sachverhalte“ oder Themen der Erwachsene herangezogen werden, weil sie das überfordert. Angesichts der extremen Stresssituation für die Flüchtlinge und deren Kinder vermitteln regelmäßige Rituale und Gewohnheiten, die Struktur geben, wie Essenszeiten, Sicherheit und schaffen neues Vertrauen. Sehr hilfreich ist auch eine gewisse Sensibilität gegenüber Triggern wie bestimmte Geräusche, Gerüche oder Bildern, die nicht gleich als solche zu identifizieren sind und trotzdem plötzliche Stimmungsumschwünge oder Ängste auslösen können.

Wie sieht es mit dem Kontakt zu Angehörigen in der Ukraine aus?

Gröbner: Das ist sicher eine der größten Herausforderungen für alle Beteiligten, weil starke Verlustängste mit hineinspielen können. Die modernen Kommunikationsmittel bieten gute Voraussetzungen, nur kann sich die Lage in den Kriegsgebieten schnell ändern und dann zu Problemen führen. Wie sich das entwickelt, weiß ich auch nicht. Man sollte dieses „Paket“ nur im Hinterkopf haben, wenn man Flüchtlinge bei sich aufnimmt.

Was raten Sie Bürgern, um selbst besser mit dieser schwierigen aktuellen Lage umzugehen?

Gröbner : Angesichts schlimmer Kriegsgräuel und der Berichte darüber ist es sicher wichtig, dass jeder für sich einen guten Umgang mit den vielen Informationen und dem Medienkonsum findet. Man sollte klar definierte Zeiten für sich haben, wo man sich auch mit positiven Dingen beschäftigt oder Sachen macht, die einem guttun. Das kann Spazierengehen, Sport, Musik machen, Lesen, Basteln, Kochen oder einfach Zeit zum Ausspannen sein. Auf die kleinen Dinge kommt es an.

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