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Aus dem Nähkästchen geplaudert...

Was der Breitbrunner Nikolaus und seine Begleiter in 50 Jahren Besuchsdienst erlebten

Ein Nikolaus der Breitbrunner Nikolausvereinigung mit zwei Kramperl vor dem aussenden im Jahr 2019 - also vor Corona.
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Ein Nikolaus der Breitbrunner Nikolausvereinigung mit zwei Kramperl vor dem aussenden im Jahr 2019 - also vor Corona.
  • VonKarl Wastl
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In Breitbrunn und Umgebung besucht der Heilige Nikolaus mit seinem Knecht bereits seit einem halben Jahrhundert am Vorabend seines Namenstags (6. Dezember) die Kinder im gesamten Gemeindegebiet. Über diesen langen Zeitraum haben sich natürlich nette Geschichten zugetragen, die ein Buch füllen könnten.

Breitbrunn - Im Gespräch mit dem irdischen Vertreter des Nikolaus von Myra von der Breibrunner Nikolausvereinigung erfahren die OVB Heimatzeitungen die eine oder andere witzige Anekdote, wie man sie netter nicht erfinden kann. Jährlich besuchen die fünf bis acht Paare außerhalb der Corona-Pandemie etwa 40 bis 80 Familien.

Es ist Abends, Kinder springen aufgeregt im Zimmer herum. Auf einmal wird es mucksmäuschenstill, hatte es doch an der Haustüre gepumpert. Kurz darauf betreten zwei Männer die Wohnstube, es sind er Heilige Nikolaus und sein Helfer, der Kramperl. Mit einem Blick in große Kinderaugen, die sie erwartungsvoll fixieren, beginnt fast jeder Besuch des Heiligen Mannes.

Der Heilige hatte noch keinen Satz aus seinem roten Buch vorgelesen...

Einmal war da der etwas schlampige kleine Fabian, dessen Radl Knecht Ruprecht (Kramperl) auf dem Weg zum Haus bereits bei Dunkelheit am Weg liegen sah. In der guten Stube darauf angesprochen erwiderte der Knirps, wohl hoffend, dass der neue Drahtesel bereits beim Christkindl bestellt ist, ganz vorlaut: „Nikolo, den Karr´n kannst mitnehmen, der geht eh nimmer g´scheid.“ Die beiden Protagonisten mussten sich das Lachen verkneifen, versteckten aber beim Weggang das gute Stück hinter irgendeiner Hecke (wo es wahrscheinlich heute noch liegt, Anm. d. Red.).

Der Cartoon stammt von dem Breitbrunner Graphiker Wast Huber. Im Hintergrund ist die Breitbrunner Kirche zu sehen.

Ein anderer junger Mann war nicht so mutig und vorlaut. Auf dem Weg zum Haus hörten die Männer den kleinen Dominik schon lauthals krakeelen. Beim Anblick des Heiligen und seines Knechts blieb ihm aber scheinbar das Wort im Halse stecken. Der Heilige hatte noch keinen Satz aus seinem roten Buch vorgelesen, als man schon ein verdächtiges Pupsen hörte und sich die Hose dunkel färbte. Der arme Tropf begann zu weinen und der Nikolaus versuchte, ihn zu trösten.

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Einmal meldete sich eine auswärtige Mutter, um für ihre Kinder für den 24. Dezember einen Weihnachtsmann zu bestellen. Auf die Antwort der „Engerl“, dass es in Bayern nur einen Nikolaus gibt, meinte die Frau „der Krampus dürfte nicht mitkommen, da er pädagogisch bedenklich sei“. Die Retoure, dass so manche Kinder am Computer bei „Egoshooter-Spielen“ ganze Imperien vernichten, sollte das grimmige Aussehen des Rossknechtes „Kramperl“ in den Augen der Mutter relativieren.

Auf Wunsch eines Lehrers...

Beeindrucken sind oft die Besuche bei musikalischen Kindern. Eine Großfamilie in der Nachbargemeinde hatte mit ihren und den Geschwisterkindern einen regelrechten Hoagart einstudiert, erinnert sich der Heilige Mann. Jedes Kind hatte ein boarisches Lied eingeübt, Gstanzl wurden gesungen und von den Buben ein paar Stückl geplattelt. Die Enttäuschung war ihnen anzusehen, als der Nikolaus aus Zeitgründen nicht bis zum Ende bleiben konnte.

Beim Besuch einer Schulklasse äußerte ein Lehrer den Wunsch, dass der Heilige Nikolaus seine eigene Lebensgeschichte erzählt. Da war guter Rat teuer, da sie nicht jeder gleich auf dem Schirm hat. Ein Strategiewechsel des Paares, nämlich die Kinder danach zu fragen, rettete die Akteure aus ihrer misslichen Lage. Natürlich hatten die Schüler deren Vita einstudiert und brannten darauf, sie vorzutragen, grinst der Erzähler.

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Der Besuch eines Buben bei einem alleinerziehenden Psychologen verlief auch etwas anders, als sich der Papa das gedacht hatte. „Unsere Maßgabe ist, stets maximal zwei Unarten, dafür aber mindestens drei oder vier Belobigungen eines Kindes vorzutragen“, so der Nikolaus. Hier wurde ihm aber eine pädagogische Abhandlung von einigen DIN-A4-Seiten in Arial 12 geschrieben überreicht. Der Nikolaus steckte das Schriftstück statt in das „Goldene Buch“ in die Manteltasche, schmunzelt der Erzähler und trug in bewährter Manier - aber ganz zum Leidwesen des Vaters - seine üblichen Belobigungen vor.

„Für die Kinder ist das wichtig und auch so schön, wenn der Nikolaus kommt“

Wieder ein andermal lud man den Breitbrunner Nikolaus und seine Begleiter zum Besuch einer ganzen Gruppe von Kindern ein, die in einem großen Zimmer eines Bauernhauses bereits warteten. Der Raum war so dunkel, dass man keine Zeile aus dem Buch lesen konnte. Als der Nikolaus das monierte, kam ein Papa mit einer Kerze zu uns und fuchtelte damit ständig um den Bart des Nikolaus herum. Irgendwann knipste er dann doch zum Lesen das Licht an, erinnert sich der Erzähler erleichtert.

Klassiker sind natürlich Kinder, die bei jeglicher Rüge auf die Eltern verweisen, und petzen, „die machen das aber auch nicht!“. Seien es die offene Zahnpastatube im Bad, die Socken am Boden oder die dreckigen Schuhe, die im Hausgang rumstehen. Was dem Heiligen und seinem Kramperl wichtig ist, dass die Kinder kurz vor Weihnachten nicht mit Geschenken überschüttet werden, so der Niklaus. Falls ein Sack aber doch zu groß ausfällt, holt der Krampus nur ein kleines Packerl heraus und überlässt den Rest den Eltern.

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Die aktuelle Corona-Pandemie ist dem Besuchsdienst nicht gerade zuträglich. Eine Mutter schrieb die Tage folgende Zeilen an den Nikolaus und seine Engerl: „Wir finden es sehr schade, dass ihr in diesem Jahr wieder nicht die Kinder besuchen könnt. Für die Kinder ist das wichtig und auch so schön, wenn der Nikolaus kommt.“ Solche Zeilen motivieren einen und zeigen, dass auch in der heutigen, manchmal oberflächlichen Zeit, Grundwert, Sitte und Brauch noch geschätzt werden. In diesem Sinne werden die „Engerl“ wieder in ganzes Jahr Buch führen, sodass der Heilige Nikolaus mit seinem Kramperl hoffentlich nächstes Jahr die Kinder wieder besuchen kann.

Nikolaus versus Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann besucht die Familien am Weihnachtsabend, während der Nikolaus die Vorhut vom Christkind ist und bereits am Vorabend des 6. Dezember kommt.

Nikolaus von Myra wurde um 283 nach Christus im türkischen Patara (heute Ruinen bei Kalkan) geboren und verstarb um 348 in Myra, (heute Demre) in der Türkei.

Der Überlieferung zufolge wurde er von seinem Onkel, Bischof Nikolaus von Myra, im Alter von 19 Jahren zum Priester geweiht und als Abt im Kloster von Sion - heute untergegangener Ort - nahe seiner Heimatstadt eingesetzt.

Als seine Eltern an der Pest starben, erbte Nikolaus ihr Vermögen und verteilte es an Arme. Er bewahrte mehrere junge Frauen vor der Prostitution, indem er heimlich Geld durchs Fenster, oder durch den Kamin in die darin aufgehängten Socken warf und so für ausreichend Mitgift sorgte. Deshalb galt Nikolaus als Geber guter Gaben und Freund der Kinder.

vs.

Santa war ursprünglich ein Europäer und der Brauch um ihn stammt aus dem 17. Jahrhundert. Niederländische Auswanderer brachten ihren „Sinterklaas“ mit nach Nieuw Amsterdam, dem heutigen New York. Im Laufe der Zeit wurde aus ihm der amerikanische „Santa Claus“.

Die heute bekannte Figur des Santa Claus gibt es seit 1931. Verantwortlich für sein Aussehen ist der Cartoonist und Grafiker Haddon Sundblom. Er entwarf seinen freundlichen Gesichtsausdruck und den weißen Bart und kleidete ihn in den Farben Rot und Weiß. Gepuscht wurde der Weihnachtsmann durch den Hersteller eines koffeinhaltigen Erfrischungsgetränks in den 1930er Jahren.

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