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Interview: Umweltverbände mahnen

Warum man Enten am Chiemsee kein Brot füttern sollte

Nicht immer eine gute Idee: das Füttern von Enten am Chiemseeufer.
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Nicht immer eine gute Idee: das Füttern von Enten am Chiemseeufer.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Verschiedene Umweltorganisationen raten davon ab, Enten an Binnengewässern wie dem Chiemsee zu füttern. Wenngleich nicht jeder Verband dies komplett ablehnt, gibt es dennoch gute Gründe, die Tiere beispielsweise nicht mit Brot zu verwöhnen.

Chiemsee – Enten mit Brot zu verwöhnen – auch am Chiemsee – scheint dies für viele die normalste Sache der Welt. Warum es dennoch nicht immer eine gute Idee ist, die Tiere zu füttern, verrät im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen die Geschäftsführerin der regionalen Geschäftsstelle für Rosenheim des Landesbunds für Vogelschutz (LBV), Sabine Pröls.

Sabine Pröls.

Man könnte sagen, es ist gängige Praxis, dass Enten an Binnengewässern wie dem Chiemsee von Passanten gefüttert werden. Dennoch warnen Umweltverbände wie der LBV davor. Warum?

Sabine Pröls: Nicht unbedingt. Es ist eine Frage des Maßes. Wenn ein Kind ein bisschen füttert, ist das weniger ein Problem, als wenn Menschen mit ganzen Brotbeuteln ankommen. Kinder können beim Entenfüttern intensive Erfahrungen mit der Natur machen, wenn sie das Verhalten der leicht zu beobachtenden Vögel am See oder Bach und die Gewässerumgebung erkunden.

Wie sehen Stockenten-Männchen und Stockenten-Weibchen aus? Wie verhalten sich die großen Schwäne? Welche Vögel können tauchen, welche Arten gründeln nur? Das Problem ist aber, dass Füttern am und vor allem im Gewässer Nährstoffe in dieses einträgt. Ebenso wird das Ufer verschmutzt, auch durch den Entenkot. Deshalb raten wir, die Tiere nur zu beobachten.

Gerade der „Futter-Klassiker“ Brot ist wohl für die Tiere besonders gefährlich. Woran liegt das?

Pröls: Brot ist kein geeignetes Futter, denn es enthält für Vögel zu viel Salz und quillt im Magen auf. Auf keinen Fall darf schimmliges Futter gegeben werden, da es auch den Tieren schadet!

Was bietet sich stattdessen an?

Pröls: Viel besser sind zum Beispiel Haferflocken, Obst oder spezielles Wasservogelfutter aus dem Fachhandel.

Müssen Enten denn überhaupt gefüttert werden?

Pröls: Enten finden im und am Gewässer ausreichend Futter, ansonsten können sie zu einem geeigneteren Gewässer mit mehr Nahrung fliegen. Je nach Art fressen sie Wasserpflanzen, Algen, Wasserinsekten, Schnecken oder Muscheln. Die Tiere gewöhnen sich jedoch ans Füttern, weil es bequemer ist, als sich die Nahrung suchen zu müssen.

Welche Auswirkungen hat das Füttern der Enten auch auf Binnengewässer wie den Chiemsee?

Pröls: Oft fressen die Enten nicht das gesamte Futter, das ihnen zugeworfen wird. Brot beispielsweise weicht dann auf, sinkt auf den Gewässerboden und verfault dort. Die biologischen und chemischen Prozesse dieses Abbaus verbrauchen große Mengen Sauerstoff, der Fischen und anderen Wassertieren fehlt.

Es kann dazu kommen, dass Algen stark wachsen und das Gewässer „umkippt“. Deswegen raten wir, wenn schon gefüttert werden soll, nicht im Gewässer, sondern am Ufer und immer nur so viel zu füttern, wie die Tiere gleich fressen können.

Droht denn ein Gewöhnungseffekt durch das Füttern der Enten, sodass diese nicht mehr selbst nach Futter suchen?

Pröls: Entenvögel gewöhnen sich zwar an eine Fütterung, werden jedoch, wenn diese ausfällt, sich anderweitig Nahrung suchen. Das gilt generell für Futterstellen.

Deshalb raten wir zum Beispiel, wenn Vögel an Futterstellen und Futtertränken erkranken, die Fütterung sofort für einige Zeit einzustellen und die Gerätschaften gründlich zu reinigen, damit die Tiere sich nicht gegenseitig anstecken können.

Welche Konsequenzen hat dieser Gewöhnungseffekt ansonsten schlimmstenfalls?

Pröls: Die Enten werden durch die Fütterung sehr zutraulich und verlieren ihre natürliche Scheu. Dadurch können sie leicht Opfer von Straßenverkehr oder Hunden werden.

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