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Almbauern weiter alarmiert

Wolf bei Bischofswiesen totgefahren: War er der Kuhschreck von Schleching?

War es der Wolf, der nun in Bischofswiesen überfahren worden ist, der diese Kühe in den Tod getrieben hat?
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War es der Wolf, der nun in Bischofswiesen überfahren worden ist, der diese Kühe in den Tod getrieben hat?
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Knapp 45 Kilometer von der Schlechinger Zellerwand, wo eine Herde Kühe in Panik in den Abgrund gesprungen ist, wurde nun ein Wolf von einem Auto totgefahren. Ist die Gefahr für Almtiere nun gebannt?

Schleching – Aus Sicht vieler Landwirte ist in der vergangenen Woche nun genau der Fall eingetreten, den sie befürchtet hatten: Kühe haben sich auf einer Alm so erschreckt, dass sie in Panik eine Wand hinabgestürzt sind. Zwar ist nicht bestätigt, dass ein Wolf der Grund für das Verhalten der Tiere gewesen ist. Jedoch sind sich viele Landwirte dessen sicher, nachdem ein Wolf in der Nacht auf Sonntag, 12. Juni 2022, von einem Autofahrer in Bischofswiesen (Landkreis Berchtesgadener Land) getötet worden war. Die Polizei weist in einer Pressemitteilung darauf hin, dass es sich bei dem getöteten Tier nach ersten Erkenntnissen eines hinzugezogenen Jägers mit ziemlicher Gewissheit um einen Wolf handeln soll.

Lange Strecken nicht ungewöhnlich

Nach Informationen der OVB-Heimatzeitungen geht auch das Landesamt für Umwelt (LfU) inzwischen davon aus, dass es sich bei dem getöteten Tier in Bischofswiesen um einen Wolf handelt, auch wenn der genetische Nachweis noch nicht vorliegt. Stefan Koehler, Umweltpräsident des Bayerischen Bauernverbandes, nimmt an, dass es sich um dasselbe Tier handelt, dem die toten Kühe von Schleching angelastet werden. Ungewöhnlich wäre es nicht, wenn der Wolf zwischen Mittwoch und Samstag die Strecke zwischen Schleching und Bischofshofen zurückgelegt hätte. GW2425m, der so genannte Problemwolf, der nach Rissen im Winter den Chiemgau in Atem gehalten hatte, war in wenigen Wochen vom Ötztal über den Chiemgau nach Tschechien gewandert. Dort wurde das Tier dann von einem Auto überfahren.

Im Fall Schleching ist keine hieb- und stichfeste Überprüfung möglich, was die Kühe letztlich so aufgescheucht hat. „Dass es ein Wolf war, kann man nicht nachweisen“, sagt Hannes Hörterer, dem die neun verunglückten Tiere in Schleching gehören. Schließlich hinterlässt ein Wolf lediglich bei Rissen verwertbares Genmaterial. Auch ein Foto liegt in Schleching nicht vor.

Ist ein Hund verantwortlich?

Bereits im September 2021 waren dort Tiere gerissen worden. Nach der genetischen Auswertung des LfU soll dies jedoch ein Hund gewesen sein und kein Wolf – ein Ergebnis, das bei den Landwirten in der Region zu großem Unmut und massiven Zweifeln geführt hatte. Auch ein Tiermediziner hatte dies für unwahrscheinlich gehalten. Seitdem ist das Vertrauen vieler Landwirte in die Experten des LfU erschüttert, sie nehmen bei Verdachtsfällen auf eigene Kosten B-Proben der DNA und lassen diese analysieren.

Nach Informationen unserer Zeitung soll in Schleching aber tatsächlich schon seit längerer Zeit ein großer Hund immer wieder streunen. Kann er die Tiere aufgescheucht haben? „Ich glaube nicht, dass ein Hund, der vielleicht noch zuhause gefüttert wird, auf eine Alm geht und die Tiere so aufschreckt. Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen“, sagt Bauernvertreter Stefan Koehler.

Eine App und eine Online-Karte

Das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) veröffentlicht auf seiner Homepage Sichtungen von Wölfen, jedoch nur, wenn diese offiziell nachgewiesen sind. Zum Ärger des Schlechinger Landwirts Hannes Hörterer: „Wir kriegen ja gar nicht mit, wenn es Wolfssichtungen in unserer Region gibt.“ Er würde sich wünschen, dass den Bauern alle Verdachtsfälle zur Verfügung gestellt werden. Hörterer und viele seiner Kollegen haben sich deshalb in einer großen WhatsApp-Chatgruppe zusammengeschlossen, in der sie solche Informationen teilen.

Tirol bietet seit Mai 2020 eine App an, in der Wolfssichtungen- und risse in einer Karte angezeigt werden. Allerdings nur solche, die von offizieller Seite bestätigt werden. Wobei die App auch zeigt, wenn ein Vorfall noch „in Abklärung“ ist. „Bei Nutztierrissen werden auch Verdachtsfälle bis zum Vorliegen der Ergebnisse der genetischen Untersuchung angeführt, bei Wildtierrissen Fälle, bei denen die Beteiligung eines Großraubtiers genetisch bestätigt ist“, erklärt Sprecherin Bettina Sax.

Auch im Land Salzburg wird online eine Karte mit vergleichbaren Informationen zur Verfügung gestellt.

In beiden Bundesländern in Österreich ist es aber vergleichbar ruhig. „Bislang wurden in Tirol im Jahr 2022 vier verschiedene Wolfsindividuen in Tirol nachgewiesen“, so Sax. Drei davon seien männlich, einer weiblich. Derzeit liegen der Behörde keine Hinweise auf eine Rudelbildung vor. Eine ähnliche Situation in Salzburg: „Wir haben zwar immer wieder Meldungen, aber bislang konnten wir keinen Wolf nachweisen, sagt Hubert Stock, Wolfsbeauftragter des Bundeslandes.

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