Keine Führungen im November

Wanderführerin aus Prien sauer wegen Corona-Regeln: „Für mich ist das ein Knockdown“

Angela Kind wandert für ihr Leben gern. Zurzeit muss sie allein gehen, geführte Wanderungen darf sie corona-bedingt nicht leiten. Verständnis dafür hat sie nicht.
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Angela Kind wandert für ihr Leben gern. Zurzeit muss sie allein gehen, geführte Wanderungen darf sie corona-bedingt nicht leiten. Verständnis dafür hat sie nicht.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Jeden Samstag ziehen sie los. Wandergruppen aus Prien erkunden unter fachkundiger Leitung den Chiemgau. Corona hat sie gestoppt. Angela Kind und Anna Prankl, die diese Wanderungen seit über zehn Jahren abwechselnd im Auftrag der Prien Marketing (PriMa) GmbH leiten, können das nicht verstehen.

Prien – „Für mich ist das kein Lockdown, sondern ein Knockdown. Aus die Maus“, schimpft Kind. „Wir werden von der Politik einfach ignoriert“ bedauert, die Marktgemeinderätin der Grünen. Die 76-Jährige nimmt Corona sehr ernst, betont sie. Auch ihre Wanderer seien sich durchaus der Gefahr einer Ansteckung und deren Folgen bewusst.“

Geführte Wanderungen ohne Infektionsgefahr?

Die Corona-Bestimmungen erlauben zurzeit nur Treffen von Personen aus zwei Haushalten. Bei den Wanderungen sind hauptsächlich Einzelpersonen dabei. Kind und ihre Kollegin Prankl können die Restriktionen vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen aus den vergangenen Monaten nicht nachvollziehen. „Frische Luft, Bewegung, Gesundheit und Geselligkeit“, dafür stehe Wandern, sagt die 69-jährige Prankl.

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„Wir haben bei den Wanderungen immer Namenslisten geführt und darauf geachtet, uns nicht zu nahe zu kommen und auf der Fahrt Mundschutz zu tragen, sowie Abstand zu halten. Wir sind die meiste Zeit im Freien, auch bei Wind und Wetter, die Einkehr findet, so es die Temperatur zulässt, im Freien statt. Bei schlechtem Wetter frösteln wir im Gastraum, da immer die Fenster offen stehen. Die Gastronomen halten peinlich genau die Hygienevorschriften ein. Wir tragen Mundschutz, halten möglichst Abstand, waschen uns sofort die Hände und desinfizieren dieselben“, beschreibt Kind, warum ihrer Überzeugung nach bei den geführten Wanderungen keine Gefahr bestehe. „Wer nicht will, der geht ja erst gar nicht mit“, ergänzt Prankl.

Alle Buchungen für den November stornier

Die beiden Wanderführerinnen haben für den November Reservierungen in Lokalen und Busbuchungen storniert. Sie versuchen, immer wieder neue Routen anzubieten. Eine Runde um Pittenhart, ein Ausflug in die Seeoner Seenplatte und eine Umrundung Priens wurden beispielsweise für die Samstage im November ersatzlos gestrichen.

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Kind und Prankl haben bei ihren Wanderungen der letzten Monate oft erlebt, wie gewissenhaft Gastronomen, bei denen sie eingekehrt sind, Hygienevorschriften umgesetzt haben. „Gaststätten haben Tische entfernt, so dass mehr Abstand entsteht. Manche haben die Tische mit Plexiglasscheiben getrennt. Die haben wirklich viel investiert“, hat Kind beobachtet.

Führungen in der Region sehr beliebt

Die Wanderungen der beiden sportlichen Damen sind ein beliebter Bestandteil des Veranstaltungsangebots der PriMa. An besonders guten Tagen können es schon mal um die 40 Teilnehmer sein. In Corona-Zeiten waren es laut Kind und Prankl zumeist zwischen zehn und 20.

Dass die Profis momentan Sport treiben dürfen, aber der Breitensport ausgebremst wird, ist für die 76-Jährige nicht nachvollziehbar. „Es wird immer propagiert, dass Sport so gesund sei und man sich an der frischen Luft bewegen soll, weil das gut für die körperliche Fitness, für die Psyche und vor allem zur Stärkung des Immunsystems ist, was wir jetzt alle gebrauchen können“, klagt Kind. „Es ist unverständlich, dass die Profis ihren Sport machen dürfen. In meinem Umfeld sehen das viele so“, bestätigt Prankl.

„Im Ernstfall wären wir bereit, mit einem Seil zu marschieren“

Für die zahlreichen Dauergäste unter den Wanderern sei das doppelt bitter, denn sie seien Singles und könnten Kontakte zu anderen Menschen mehr denn je gebrauchen. „Im Ernstfall wären wir sogar bereit, mit einem Seil zu marschieren, wo alle 1,50 Meter ein Knoten ist, an dem wir uns festhalten. Geht aber nicht, weil wir uns nicht treffen dürfen.“

Ihr geht es so wie vielen: „Ich habe den ersten Lockdown immer verteidigt. Aber seitdem hatten die Behörden genug Zeit, festzustellen, wo die Infektionen herkommen.“

Die PriMa als offizieller Veranstalter hat laut Pressesprecherin Lisa Morgenstern auch schon die Samstagswanderungen im Dezember gestrichen. Nur die Option für einen Termin der neuen Höfe-Wanderungen zu Direktvermarktern und die traditionsreiche Silvesterwanderung seien noch nicht endgültig storniert.

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