Waldfeste haben lange Tradition

Auch die vor 40 Jahren gegründete Goaßlschnalzer-Gruppe des Trachtenvereins „Daxenwinkler“ Atzing freut sich nach der Corona-Krise wieder auf Auftritte, wie hier bei einem Waldfest (vor der Corona-Krise). Hötzelsperger

Atzing – In der Marktgemeinde Prien gibt es zwei Trachtenvereine, einer davon ist der GTEV „Daxenwinkler“ Atzing, der 1897 gegründet wurde und im Zuge der Gebietsreform 1978 von der damaligen Gemeinde Wildenwart nach Prien „überwechselte“.

Derzeit gehören insgesamt 320 Mitglieder, darunter 27 Kinder, zwölf Jugendliche, 22 Aktive, 37 Röckefrauen und rund 60 Mannerleute dem Verein an, der das ganze Jahr über aktiv ist.

Eigentlich hätten die ersten regelmäßigen Aktivitäten jetzt nach Ostern begonnen, die Plattler- und Tanz-proben für die Dirndl und Buam müssen jedoch wegen der Corona-Krise derzeit ausfallen. „Das Zusammenkommen und gemeinsame Proben fehlt unseren Leuten derzeit schon. Was möglich ist, ist der Austausch von Informationen auf dem elektronischen Weg“, so Jugendleiter Florian Röger und Vorplattler Manuel Baumert.

Vereinshausals Treffpunkt

Die Proben finden seit 2007 im Vereinshaus von Atzing statt, das in Eigenleistung der Trachtler und der örtlichen Feuerwehr sowie mit Unterstützung der Gemeinde und eines eigens gegründete Fördervereins eingeweiht werden konnte. In diesem Vereinshaus sind ganzjährige Zusammenkünfte und auch kleinere Veranstaltungen möglich.

„Wichtig ist uns dabei, dass unsere Dirndl und Buam das erlernte Können in den Proben auch durch öffentliche Auftritte zeigen können“, so der Vorsitzende Michael Schlosser. Die schönsten Auftrittsmöglichkeiten für die Trachtengruppen, aber auch für die vor 40 Jahren gegründete Goaßl schnalzer-Gruppe, sind die Waldfeste im Buchenwald von Munzing. Die Atzinger Waldfeste gehören zu den traditionellsten im Chiemgau. Sie bestehen bereits seit fast 60 Jahren, das erste Waldfest fand mit Erlaubnis der Munzinger-Familie im Jahr 1961 statt. Ganz harmonisch war das Vereinsleben bei den Atzinger Trachtlern in ihrer inzwischen 123-jährigen Geschichte nicht. Im Gegenteil: Als 1903 der Verein das 13. Gaufest des Gauverbandes I mit 44 Gastvereinen in Wildenwart ausrichtete, war das der Beginn einer Spaltung. Das Gaufest selbst ging noch gut vorüber, doch in der Niederschrift von der Generalversammlung 1903 heißt es wörtlich: „Hierher datiert auch die Entstehung des Trutzvereins ,Die Lustigen Wildenwarter', der sich aus Abtrünnigen bildete“. Das war der Zeitpunkt der Gründung des Wildenwarter Trachtenvereins. Vorgeschichte für die Trennung war, dass der Brauereibesitzer Josef Freund von Prutdorf, plötzlich Miete für das Vereinslokal verlangen wollte. Daraufhin wurde der Vereinssitz spontan zum Brauereibesitzer Johann Baptist Bauer nach Atzing verlegt, da dieser keine Miete verlangte.

Die Zeit des Streits ist längst vorbei, seit Jahrzehnten ist es zwischen Wildenwart und Atzing guter Brauch, die Jahrestermine abzustimmen, sich gegenseitig zu besuchen und den Jahrtag für die gefallenen, vermissten und verstorbenen Kameraden am Friedensdenkmal von Prutdorf gemeinsam zu begehen. hoe

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