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Verlängerter Arm der Landratämter

Wald, Wild und Klimawandel: Das sind die Aufgaben eines Jagdvorstehers

Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis Traunstein Joachim Käs aus Fridolfing (Mitte), sein Stellvertreter Jakob Stadler aus Schleching (rechts) und der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Kammer, Dr. Josef Schuhbeck.
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Der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis Traunstein Joachim Käs aus Fridolfing (Mitte), sein Stellvertreter Jakob Stadler aus Schleching (rechts) und der Vorsitzende der Jagdgenossenschaft Kammer, Dr. Josef Schuhbeck.
  • VonKlaus Oberkandler
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Was macht eigentlich ein Jagdvorsteher? „Oberjäger“ werden sie oft genannt, dabei haben sie viel mehr mit dem Landratsamt zu tun. Und vor allem mit dem Klimawandel.

Traunstein – Bei vielen Menschen herrscht die Meinung, der Jagdvorsteher sei quasi der „Oberjäger“ in der Gemeinde. Ihn und andere habe man schon als solche bezeichnet, berichtet Dr. Josef Schuhbeck, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Kammer. Ihm stimmten Joachim Käs, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Fridolfing, und der Schlechinger Jagdvorsteher Jakob Stadler zu. Letzterer ist übrigens kein Jäger. Die drei stehen an der Spitze der von Käs geleiteten Arbeitsgemeinschaft der Jagdgenossenschaften im Landkreis Traunstein (ARGE Jagd).

Im Landkreis Traunstein gibt es 73 Jagdgenossenschaften. An der Spitze jeder Genossenschaft steht der Jagdvorsteher, der einmal im Jahr eine Jagdversammlung einberufen muss, bei der forstliche Ziele erörtert werden und bei der über die Verwendung der Einnahmen aus der Jagdpacht entschieden wird.

„Verlängerter Arm des Landratsamts“

„Wir Jagdvorsteher sind der verlängerte Arm des Landratsamts“, sagt Käs. Rechte habe man keine, außer dass man die jährliche Jagdversammlung einberufen und leiten darf. Die Pflichten sind jedoch vielfältig und erfordern viel Arbeit. Besonders wichtig ist das ordnungsgemäße Führen des Jagdkatasters. Das ist das Verzeichnis der Grundbesitzer und deren bejagbarer Fläche.

Registriert werden muss jede Parzelle. Jeder Besitzerwechsel muss registriert werden. Stadler berichtet, einer seiner Jagdgenossen lebe in den USA, Schuhbeck hat einen Grundbesitzer in seiner Kartei, der in Finnland lebt.

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Der Arge ist es besonders wichtig, die Jagdvorsteher und vor allem die Waldbesitzer auf den Umbau ihrer Wälder einzuschwören, damit diese auch angesichts des Klimawandels ihre Schutz- und Nutzfunktion erfüllen können – wobei die Nutzfunktion nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

Wenig lukrativ

Der wirtschaftliche Nutzen tendierte für die Waldbauern in den letzten Jahren nämlich gegen null. „Früher hat ein Bauer drei Tagwerk Wald gefällt, wenn er einen neuen Bulldog gebraucht hat. Heute bekäme er dafür vielleicht noch einen Reifen für seinen Traktor“, sagt Käs. Die Kosten für Holzernte und Wiederaufforstung sind extrem gestiegen, der Holzerlös dagegen ist seit vielen Jahren zurückgegangen. In den letzten Monaten sei Holz zwar zu einem Spekulationsgut auf dem Weltmarkt geworden, bei den Bauern komme davon aber so gut wie nichts an, sind sich die drei Jagdvorsteher einig.

Mit der Arbeitsgemeinschaft wolle man den Austausch zwischen den Jagdgenossenschaften und deren Jagdvorstehern im Landkreis fördern. Man vermittle Informationsangebote und unterstütze die örtlichen Gliederungen dabei, Mittler zwischen Grundbesitzern und Jägern zu sein.

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Die Diskussionen über Wildverbiss und zu hohe Wilddichte, über Abschusszahlen und andere Jagdziele sei sehr emotionsgeladen und werde oft mit Argumenten befeuert, die einer kritischen Prüfung nicht standhalten. Hier besonnen und mit stichhaltigen Argumenten zu einer Beruhigung der oft emotional geführten Diskussion beizutragen, sei ein wichtiges Ziel der ARGE.

In jährlich stattfindenden Waldbegehungen unter Leitung des Revierförsters werden waldbauliche Problemflächen wie auch „Vorzeige-Wälder“ besichtigt, um zu verdeutlichen, wie die Wälder zukunftstauglich gemacht werden können.

Viele Angebote zur Weiterbildung

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Traunstein werden jedes Jahr mehrere waldbauliche Fortbildungsveranstaltungen angeboten. „Die Jagdgenossenschaften sind eine wichtige Institution, um die Waldbesitzer zu informieren, damit man zukunftsfähige Wälder aufbauen kann“, so Schuhbeck.

Sein Kollege Stadler sorgt sich wegen der starken Nutzung des Bergwaldes durch den Staat: „Mir liegt am Herzen, dass der Bergwald gesund bleibt und seine Schutzfunktion weiter erfüllen kann.“ Stadler will, dass die Kulturlandschaft mit ihren Naturschutzgebieten erhalten wird. Dabei kommt den Almen eine besondere Bedeutung zu. Sie müssten weiter bewirtschaftet werden. Käs sieht es als oberstes Ziel an, dass „Jäger und Waldbauern in gutem Miteinander einen Umbau des Waldes zustande bringen.“

Die Arbeit der Waldbauern sollte mehr geschätzt werden, denn sie leisten einen entscheidenden Beitrag, einen klimafreundlichen Wald zu erhalten, findet Käs.

Der Streit ums Wild

Um eine Umgestaltung der Wälder für veränderte Klimabedingungen zu erreichen, ist die Regulierung des Wildbestandes eine zentrale Aufgabe. Darin sind sich die meisten Waldbesitzer einig. Naturfreunde dagegen beklagen, die Jäger würden „alles wegschießen“, so der pauschale Vorwurf. Weder das eine noch das andere ganz richtig, wie das Beispiel der Jagd in Kammer zeigt: Im Jahr 1980 mussten die Jäger auf den rund 1000 Hektar bejagbare Fläche 50 Stück Rehwild erlegen, 40 Jahre später 99 Stück! Weil der Abschuss in der Regel alljährlich erfüllt wird, kann man daraus unschwer schließen, dass die Aussage, es gebe keine Rehe mehr, nicht richtig sein kann.

Vielmehr, so sagen Forstleute, verhielten sich die Tiere anders als noch vor einigen Jahrzehnten. Die Wälder haben sich in dieser Zeit deutlich verändert. Sie sind lichter geworden, die Baumbestände sind vielfältiger. Die Rehe finden mehr Nahrung im Wald und müssen nicht zwangsläufig zum Äsen hinaus auf die Wiesen. Deshalb sieht man viel weniger Rehe. Vielerorts kommt Jungwald nur noch auf, wenn er eingezäunt ist. Diesen enormen Mehraufwand können sich Waldbauern sparen, wenn der Rehwildbestand so stark ausgedünnt ist, dass er keinen Schaden mehr anrichten kann.

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