Kampf ums Weiße Haus

US-Wahl: Die Amerikanerin Pamela Gutsch lebt in Traunstein und will Trump verhindern

Pamela Gutsch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Berglauf, hier auf dem nebligen Rauschberg.
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Pamela Gutsch bei ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Berglauf, hier auf dem nebligen Rauschberg.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Am Stammtisch kann sie ihn sich vorstellen, aber bitte nicht an der Spitze einer Regierung: Pamela Gutsch ist Amerikanerin, lebt seit vielen Jahren in Traunstein und hofft auf die Abwahl von Donald Trump. So geht es ihr kurz vor der Wahl.

Traunstein – Im Chiemgau fiebern am Dienstag bei der US Präsidentschaftswahl viele Menschen mit, ob Donald Trump (Republikaner) abgewählt wird, oder Joe Biden (Demokraten) zum Zug kommt. Mit dabei ist die Amerikanerin Pamela Gutsch (48), die in Traunstein lebt. Sie selbst hat schon per Briefwahl gewählt – ausschließlich Demokraten, wie sie sagt.

Seit 1997 in Traunstein

1997 zog Pamela Gutsch von den USA nach Deutschland, nachdem sie in Kalifornien beim Klettern viele deutsche Freunde gefunden hatte. Und letztlich auch ihren Ehemann, von dem sie heute allerdings getrennt ist. Damals sei das Verhältnis zwischen den USA und Deutschland noch ein ganz anderes gewesen. „Sehr offen und locker“, sagt Gutsch. Sie ist in Traunstein schön längst heimisch geworden, hat zwei Kinder und arbeitet als Lauf- und Personal Trainerin.

Medien in den USA befeuern Wahl

Gutschs Familie lebt in Oregon, sie hat nahezu täglich Kontakt zu ihnen. „Die Medien gehen in den USA anders mit Politik um, sind deutlich pateiischer“, sagt Gutsch. In Deutschland empfindet sie die Berichterstattung insgesamt als sehr neutral. Im Gegensatz zu amerikanischen Fernsehsendern, die Konflikte oft noch befeuern würden.

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Pamela Gutsch stöhnt, wenn sie auf die vergangenen vier Jahre Präsidentschaft angesprochen wird. „Für mich ist Donald Trump der Kumpel am Stammtisch, aber kein Regierungschef“, sagt Gutsch. Auch nach langem Nachdenken habe sie kein Verständnis für Menschen, die Trump wählen. „Er spricht Menschen an, die immer gegen etwas sind“, sagt die 48-Jährige. „Aber er hat keinen Plan, so wie bei Corona.“

Biden und Krankenversicherung

Von Angela Merkel hat sie den Eindruck, dass sie Entscheidungen nicht aus dem Bauch heraus trifft, sondern faktenbasiert. Eine Eigenschaft, die ihr auch an Joe Biden gefällt: „Er hat Vorstellungen, die Sinn machen. Zum Beispiel was die Krankenversicherung angeht und dass ein Wettbewerb dort zu niedrigeren Kosten führen könnte. Das ist in den USA wirklich eine Katastrophe.“ Sie glaubt, dass Biden der eindeutig bessere Kandidat ist. „Er schaut sich auch in anderen Ländern um, was gute Lösungen sein könnten“, sagt Gutsch.

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Andere Länder machen ihr aber auch Sorgen. „Es gibt Berichte, dass Russland, und Nordkorea die Wahl manipulieren möchten“, sagt die Traunsteinerin mit amerikanischem Pass. Aus ihrer Sicht sind die Folgen, wer US-Präsident wird, global deutlich weitreichender, als noch in den 90ern. „Man denke nur an Trumps Handelsbeschränkungen und wie sie sich ganz unmittelbar auf die Automobilindustrie global auswirken“, sagt Gutsch.

Bürgerkrieg in den USA?

Was in den USA passiert, wenn das Ergebnis der Wahl am Mittwoch feststeht, fragt sich auch Gutsch. Sie rechnet nicht mit einem Bürgerkrieg, wohl aber mit Protesten. Egal bei welchem Ergebnis: „Man kann nur den Kopf schütteln und von außen zusehen, wie sich ein normales demokratisches Land verändern kann.“

Briefwahl mit Extras

Als Pamela Gutsch ihre Stimme für die Präsidentschaftswahl, den Senat und das House of Representatives abgegeben hat, hat sie ihre Wahlunterlagen an eine Person geschickt, die sie bereits seit dem Kindergarten kennt. „Zur Sicherheit per Einschreiben“, sagt die Lauftrainerin. Auf der Post habe ihr eine Angestellte erzählt, dass ein anderer Amerikaner über 50 Euro für Porto ausgegeben habe, damit seine Unterlagen auch ganz sicher ankämen. Das Misstrauen ist groß, die Wahl umso wichtiger.

Gutsch hofft auf anderes Wahlsystem

„Ich habe nur Demokraten gewählt, auch wenn es zum Teil auch vernünftige Republikaner gibt. Aber mir war es wichtig, Trump auf jeden Fall zu verhindern“, sagt Gutsch. Sie wünscht sich langfristig auch eine Veränderung des Wahlsystems in den USA, nämlich weg vom Zwei-Parteiensystem: „Die Mischung in deutschen Parlamenten halte ich für sehr sinnvoll.“

Wie sie den Dienstagabend verbringen wird, weiß sie noch nicht: „Einerseits möchte ich am Fernseher zusehen, aber ich weiß nicht, ob das mein Magen auch mitmacht.“ Und wenn Donald Trump gewinnt? „Dann ist das wie Corona: Dann müssen wir durchschnaufen und hoffen, dass wir da irgendwie unbeschadet durchkommen.“

So wählen Amerikaner im Ausland:

Das sogenannte Overseas Voting ist möglich für amerikanische Staatsangehörige, die außerhalb der Landesgrenzen leben. Diese erhalten nicht automatisch Wahlscheine, sondern müssen sich bis 30 Tage vor dem Wahltermin registrieren, um wählen zu dürfen. Dies müssen sie bei der Wahlbehörde in dem Bundessstaat, in dem sie zuletzt gelebt haben, tun. Nach der Registrierung erhalten die Wahlberechtigten ihr „ballot“, das heißt ihren Wahlschein, per Post.

Je nach Bundesstaat müssen die Wahlberechtigten ihren Wahlschein zu einem bestimmten Termin zurücksenden. Optional können sie diesen persönlich bei der US-Botschaft oder in einem US-Konsulat persönlich abgeben, die die Unterlagen dann kostenlos in die USA weiterleiten. Sollte der Wahlschein nicht zugestellt worden sein, kann im Notfall ein „Federal Write-in Absentee Ballot“ über das US-Konsulat oder die US-Botschaft beantragt werden.

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