Als wäre jetzt schon Weihnachten: Post- und Paketzusteller müssen Paketflut bewältigen

Die Zustellervon Deutsche Post DHL Grouphaben derzeit so viel Arbeit wie normalerweise nur an den Tagen vor Weihnachten. Koordiniert werden die Einsätze in der Region von Maximilian Berger (links), ZSPL-Leiter Traunstein, und Sven Bencina, Teamleiter ZSP Laufen (rechts). Oberkandler

Während viele heimische Betriebe der unterschiedlichsten Branchen angesichts der Corona-Krise geschlossen sind, erlebt der Onlinehandel extreme Steigerungsraten. Die Zusteller der Deutsche Post DHL Group haben derzeit soviel Arbeit wie normalerweise nur an den Tagen vor Weihnachten.

von Klaus Oberkandler

Traunstein – Seit Beginn der Ausgangsbeschränkungen steigt die Zahl der versendeten Päckchen und Pakete von Tag zu Tag an. Ein Sprecher der Post hatte Ende vergangener Woche gegenüber der Deutschen Presse Agentur geäußert, dass die Zahl der eingelieferten und zugestellten Sendungen bereits auf „Vorweihnachtsniveau“ liege. „In der Karwoche verzeichneten wir einen weiteren Anstieg“, berichtet Maximilian Berger in einem Gespräch mit der Chiemgau Zeitung. Berger ist seit Oktober 2018 Betriebsleiter des Zustellstützpunktes Traunstein. Zu diesem gehören zwölf Zustellstützpunkte in der Region zwischen Berchtesgaden und Chiemsee.

Rund 400 Mitarbeiter sorgen für die Zustellung

Rund 400 Mitarbeiter sorgen von Montag bis Samstag dafür, dass in diesem Bereich täglich Karten, Briefe, Päckchen und Pakete zugestellt werden. „Zwischen 110 und 120 Prozent der normalen Sendungsmenge werden derzeit ausgeliefert“, berichtet Maximilian Berger. „Hat ein Kollege zum Beispiel im Traunsteiner Stadtbereich normalerweise etwa 70 Pakte auszuliefern, können es derzeit bis zu 100 werden.“ Dies zeige sich auch in den ländlichen Bereichen, je nach Anzahl der Abgabestellen, so Berger. Im Vergleich: An Spitzentagen vor Weihnachten seien es schon einmal zwischen 130 und 150 Prozent des üblichen Aufkommens. Aber im Gegensatz zu Weihnachten, das langfristig planbar ist, habe man für die derzeitige Situation nicht im voraus planen können.

Lesen Sie auch: Er ist Postzusteller, sie Arzthelferin: Ein „systemrelevantes“ Paar manövriert durch die Corona-Krise

Dass der Anstieg der Sendungszahlen nicht noch größer ist, liege vor allem daran, dass deutlich weniger Briefsendungen verschickt werden. Ämter und Behörden arbeiten teils auf Sparflamme; der Warenverkehr ist rückläufig und damit zum Beispiel auch der Versand von Rechnungen.

„Unsere Mitarbeiter haben derzeit auch weniger Werbeprospekte zu verteilen, dafür aber mehr Päckchen und Pakete.“ Deshalb, so Berger, stoßen an manchen Tagen einige Zustellerfahrzeuge an ihre Kapazitätsgrenze: Es hat nicht alles im Auto Platz, was ausgeliefert werden muss. Dann muss der Zusteller nach seiner Tour zurück und „nachladen“.

Dank moderner Technik können die Zusteller, wie man sie früher nannte, den Kundenkontakt deutlich reduzieren. Das ist derzeit für das Funktionieren des Systems elementar wichtig: „Der Eigenschutz unserer Mitarbeiter und der Schutz der Kunden stehen absolut im Vordergrund“, betont Maximilian Berger und appelliert an alle Kunden, Abstand zu ihrem Zusteller zu halten. Man verwende auch keine Scannerstifte mehr, mit denen der Empfang eines Pakets oder Päckchens bestätigt wird.

Die Verantwortlichen der Zustellstützpunkt-Zentrale in Traunstein sind derzeit noch öfter als zu normalen Zeiten draußen in den zwölf Zustellstützpunkten zwischen Berchtesgaden und Chieming, um mit ihren Kollegen „an der Front“ zu sprechen. Diese waren natürlich zu Beginn der Coronakrise stark verunsichert. Sie würden ihren Dienst aber toll verrichten. „Wir sind extrem stolz auf unsere Mannschaft und auf das, was sie leistet“, freut sich Berger. Man kommuniziere viel und ein Ergebnis sei, dass es auch keinen höheren Krankenstand gebe als gewöhnlich. „Und welche Botschaft für die Postkunden haben Sie?“, wollen wir zum Abschluss des Gesprächs vom Traunsteiner Betriebsleiter wissen. „Wir sind für Euch da. Bitte bleibt zuhause“, lautet seine kurze und eindringliche Antwort.

Kommentare