Wachsamkeit ist Gold wert

Einen Einbrecher erwischten im Sommer in Rimsting Edgar Trost (Zweiter von rechts) und Franz Greilhuber (links). In Anerkennung ihres beherzten Eingreifens ehrte sie nun Klaus Daiber (Zweiter von links), der Vorsitzende der Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei in Prien, im Beisein von Rudi Kick, dem Leiter der örtlichen Polizeiinspektion. Foto Dachs
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Einen Einbrecher erwischten im Sommer in Rimsting Edgar Trost (Zweiter von rechts) und Franz Greilhuber (links). In Anerkennung ihres beherzten Eingreifens ehrte sie nun Klaus Daiber (Zweiter von links), der Vorsitzende der Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei in Prien, im Beisein von Rudi Kick, dem Leiter der örtlichen Polizeiinspektion. Foto Dachs

Ist Deutschland ein Paradies für Einbrecher, die in Wohnungen und Häusern auf Beutezug gehen? In einem Vortrag bei der Sicherheitsgemeinschaft Bürger und Polizei in Prien hat Kriminalhauptkommissar Gerold Kreuzinger aus Rosenheim diese oft publizierte Vermutung mit Zahlen nicht bestätigen können.

Prien - Um einen Vergleich zu ziehen, errechnet die Polizei, wie viele Einbrüche sich in den Ländern jeweils bezogen auf 100000 Einwohner durchschnittlich ergeben. Das Ergebnis: Die meisten Einbrüche hat laut Kreuzinger Belgien zu verzeichnen - die Bundesrepublik steht auf Platz acht.

Wachsame Nachbarn sind Gold wert. Aus diesem Grund ehrte die Sicherheitsgemeinschaft Edgar Trost und Franz Greilhuber aus Rimsting, die durch ihr beherztes Eingreifen einen Einbrecher stoppten. Insgesamt gehen mindestens zehn Einbrüche auf sein Konto.

Wie der Leiter der Polizeiinspektion Prien, Rudi Kick, erklärte, sei Edgar Trost aus Rimsting an einem Tag Anfang August gegen halb elf am Vormittag ein Mann aufgefallen, der sich merkwürdig verhalten habe. Nachdem der Unbekannte auf ein Nachbargrundstück verschwunden sei, habe sich Trost mit Greilhuber Hilfe geholt. Laut Kick verständigten die beiden die Polizei, sie folgten dem Mann und ertappten ihn schließlich auf frischer Tat.

Nachbarn

stoppten

Einbrecher

Wie Kick weiter ausführte, konnte die Polizei dem Mann bisher zehn Einbrüche nachweisen. Die Ermittler gehen seinen Angaben zufolge davon aus, dass er noch weitere Einbrüche begangen hat. Der Vorsitzende der Sicherheitsgemeinschaft, Klaus Daiber, lobte die beiden für ihr Eingreifen, verlas eine Urkunde und überreichte beiden jeweils 200 Euro.

Kick berichtete von einem weiteren Fall, der sich Mitte April in Bernau ereignet hate: Eine Frau bemerkte - ebenfalls in der Nachbarschaft - drei Personen, die sich verdächtig verhielten. Auch sie verständigte daraufhin die Polizei, die die drei Personen und noch eine vierte festnahm. Der Einbruch war zu diesem Zeitpunkt schon erfolgt. Da die Dame aber nicht genannt werden wollte und auch als Zeugin vor Gericht aussagen musste, dankte ihr die Sicherheitsgemeinschaft in Abwesenheit.

In seinem Jahresbericht ließ Daiber die Aktivitäten der Sicherheitsgemeinschaft 2014 Revue passieren. Unter anderem erinnerte er an den Informationsvortrag über Rechtsirrtümer, das Ferienprogramm mit dem Tag der offenen Tür bei der Polizeiinspektion (PI) Prien und das Anti-Drogen-Projekt in der Teestube, das aber mehr von Eltern als von Jugendlichen besucht worden sei. "Dabei hatten wir an den Schulen wirklich viel Reklame dafür gemacht", bedauerte Daiber das Desinteresse der eigentlichen Zielgruppe.

Kriminalhauptkommissar Kreuzinger aus Rosenheim hielt dann einen Vortrag über Wohnungseinbrüche. Er erläuterte, dass Deutschland zwar, was die Häufigkeit bezogen auf 100000 Einwohner betreffe, nicht auf Platz eins liege, die Zahl an Einbrüchen aber steige. In Oberbayern sei die Zahl von 2009 bis 2013 um 21 Prozent gestiegen.

Anhand einer Karte belegte er, dass sich Wohnungseinbrecher gerne Orte aussuchen, die an Hauptverkehrsadern liegen. So ereigneten sich seinen Angaben zufolge im vergangenen Jahr in Rosenheim 41 Einbrüche - in Brannenburg, das nur einen Bruchteil der Einwohner der Stadt hat, jedoch fast schon vergleichbar viele. Der Grund: Brannenburg sei für die Einbrecher verkehrstechnisch günstig gelegen und damit für sie besonders interessant.

Viel schlimmer als der Verlust der materiellen Werte seien, so Kreuzinger weiter, die Auswirkungen eines Einbruchs auf die Opfer. "Eigentlich grenzt das schon an ein Körperverletzungsdelikt", unterstrich der Hauptkommissar. Die Menschen fühlten sich daheim nicht mehr wohl und sicher, hätten große Angst davor, dass sich eine solche Tat wiederhole. "Ein Drittel erleidet einen Schock", führte Kreuzinger aus.

Die Polizei baue derzeit nicht nur eine bayernweite Datenbank auf, sondern versuche, mit Opfernachsorge den betroffenen Bürgern zu helfen. daa

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