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Was war damals geschehen?

Vor hundert Jahren in Prutdorf: Stiefsohn ermordet Vater - sein Leichnam lag in der Prien

Das alte Haus in Prutdorf, Dort wohnten Josef Zechner und sein Stiefsohn, der ihn ermorderte. Das Haus wurde 1989 erneuert und umgebaut. Hötzelsperger
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Das alte Haus in Prutdorf, Dort wohnten Josef Zechner und sein Stiefsohn, der ihn ermorderte. Das Haus wurde 1989 erneuert und umgebaut.
  • Anton Hötzelsperger
    VonAnton Hötzelsperger
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Nach wie vor laufen die Ermittlungen im aktuellen Fall um den Tod von Hanna W. aus Aschau. Es ist nicht das erste Tötungsdelikt, das das Priental erschüttert. Vor rund hundert Jahren tötete ein Stiefsohn seinen Vater. Ein Detail weckt Erinnerungen an die aktuellen Ereignisse: Beide Leichen wurden in der Prien gefunden.

Prutdorf – Es war im Mai des Jahres 1919, dass in Prutdorf ein Mord geschah. Hierüber gibt es keine offiziellen Quellen oder Zeitungsberichte. Die bereits verstorbene Josefa Steinbeißer aus Prien-Osternach, bekam jedoch die schaurige Geschichte von ihrem Vater und ihrem Großvater mehrmals erzählt. Im Jahr 2005 konnte sie die Geschehnisse noch gut in Erinnerung bringen, weil es sich beim Ermordeten um einen Verwandten, nämlich um den Großvater mütterlicherseits handelte.

Stiefsohn ist Schuldiger

Der Ermordete war ein gewisser Josef Zechner, dessen Eltern vom nahen Gaishacken nach Prutdorf kamen. Dieser Josef Zechner hatte von einer Therese Seininger von der Halbinsel Sassau eine Tochter. Sie wiederum war die Mutter von Josefa Steinbeißer.

Im Jahr 1900 oder 1901 hatte Zechner eine Dirn vom „Mühltaler“ geheiratet, diese brachte einen achtjährigen Stiefsohn in die Ehe. Dieser Stiefsohn sollte der spätere Mörder sein. Zum Stiefsohn kamen nach der Hochzeit noch vier weitere Kinder dazu. Der älteste war der Jakl, die weiteren waren der Sepp, der im Chiemgau ein Haus baute, der Hiasl, der nach Schlossberg zog und in jungen Jahren beim Hantieren mit Munition zu Tode kam und die Nanni, die nach Berlin zog.

Am Polterabend erschlagen

Josef Zechner war Schloß-Zimmermann im nahen Wildenwart und hatte ein Häusl mit kleiner Landwirtschaft in Prutdorf. Die Ehefrau Therese Zechner starb mit etwa 40 Jahren allzu früh. Die Kinder hätten die Mutter noch viel gebraucht. Wie sich Josefa Steinbeißer erinnert, soll sich Josef Zechner um eine Bedienung aus der nahen Prutdorfer Gastwirtschaft umgeschaut haben, um das plötzlich entstandene Erziehungsproblem zu meistern.

Das Verhältnis zu seinem Stiefsohn war schon vor diesem sich anbahnendem Verhältnis nicht das Beste. Die Tat geschah dann um den 20. Mai des Jahres 1919. Im nahen Bachham wurde beim „Staffner“ eine Hochzeit gefeiert– Josef Staffner ehelichte Maria Fischer aus Ernsdorf. Bei der sogenannten Nacht-Hochzeit (an.d.Red: Polterabend) war die ganze Nachbarschaft bis Prutdorf hinauf auf den Beinen, denn beim „Staffner“ wurde eingeheiratet.

Wie weiter überliefert wurde, hat man zu besagter Zeit ein mehrmaliges und auffälliges lautes Hacken in der Tenne des Hauses in Prutdorf gehört. Sepp König, so hieß der Stiefsohn, hat wohl seinen kaum 50 Jahre alten Stiefvater zu Hause erschlagen und dann mit einem Schubkarren in die nahe Prien gebracht und dort ins Wasser geworfen.

Was war geschehen?

Josefa Steinbeißer ist sich ob dieser Version ziemlich sicher, da ihr Vater Sebastian Staffner mit dem König Sepp in die Schule ging und die beiden gute Freunde gewesen sind. „Prutdorf war zu diesem Zeitpunkt leer als die Nacht-Hochzeit in Bachham war und zur Prien hätte sich der Zechner Sepp nicht foppen lassen“, erzählt Josefa Steinbeißer.

Es gibt aber auch eine andere Vermutung. Robert Gmeiner aus Atzing, ebenfalls bereits verstorben, wusste aus den Erzählungen seiner Tante Maria Gmeiner aus Prutdorf, die täglich den Weg über den Steg zur ihrem Arbeitgeber Frierl nach Hub ging folgende Version: Josef König war beim Schmid-Bauern in Wildenwart Knecht. Er lockte unter einem Vorwand seinen Stiefvater zum Steg und dort ereignete sich dann die grausame Tat.

Drei Tage lang wurde der Ermordete gesucht, ehe er in einem Gestrüpp verfangen und im Wasser liegend gefunden wurde. Beim Nachbarn im Salmer-Hof wurde der Leichnam seziert. Nach der Tat wurde Sepp König verhaftet und nach Straubing ins Gefängnis gebracht, die Kinder bekamen Pflegeplätze und das Haus wurde verkauft.

Haft im Konzentrationslager

Die Verhandlung für Sepp König war in Traunstein. Zu damaliger Zeit gab es noch die Todesstrafe. Sepp König wurde jedoch zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Ein Erlass auf 12 bis 15 Jahre war nicht möglich, weil der damalige Wildenwarter Bürgermeister, der „Grom-Bauer“ von Brandenberg, Peter Stoib nicht einwilligte. Zumal man zu jener Zeit noch einen sogenannten Gutstand leisten musste.

König wurde während seiner Haftstrafe vom Zuchthaus ins Dachauer Konzentrationslager verlegt. Als im Jahre 1945 die Amerikaner zur Befreiung kamen, wurden auch die Gefängnisinassen freigelassen. Sepp König machte sich gleich auf den Weg nach Bachham.

Täter nahm sich das Leben

Dort erkannte ihn eine versammelte Männer-Runde kaum. Beim Besuch des Schmid-Bauern wurde er zwar gleich erkannt, aber es gab für Josef König keine Arbeit mehr. Alte Freundschaften konnten nicht mehr aufgewärmt werden, so zog es Josef König nach Rosenheim. Einem Zeitungsbericht zu Folge kam er allerdings mit seiner Freiheit nicht zurrecht und er nahm sich das Leben. Damit war auch das Leben des Vatermörders erloschen.

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