„Walli“ oder „Tussi“

Von traditionell bis kurios: Diese Namen tragen die Tiere in den Chiemgauer Ställen

Gestatten, ich bin der Lenz! Das erste Alpakafohlen vom Lenznhof in Bernau heißt so, wie sein Zuhause. Wie seine Besitzerin Sigrid Hoggger geben nach wie vor viele Landwirte ihren Tieren Namen, entweder richten sie sich dabei nach dem Alphabet, oder die Familienmitglieder dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
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Gestatten, ich bin der Lenz! Das erste Alpakafohlen vom Lenznhof in Bernau heißt so, wie sein Zuhause. Wie seine Besitzerin Sigrid Hoggger geben nach wie vor viele Landwirte ihren Tieren Namen, entweder richten sie sich dabei nach dem Alphabet, oder die Familienmitglieder dürfen ihrer Fantasie freien Lauf lassen.
  • Elisabeth Sennhenn
    vonElisabeth Sennhenn
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  • Heidi Geyer
    Heidi Geyer
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Viele Landwirte aus der Region geben ihren Tieren traditionell Namen – wenn nicht, hat das einen Grund. So heißt auf dem Bernauer Seppnbauer-Hof das Schlachtvieh einfach nur „Muggerl“, während man sich bei Mutterkühen und ihren Kälbern von der Fantasie leiten lässt.

Grassau/Bernau/Rimsting – Susi, Bella und Heidi sind der Hit im Stall, so steht es im aktuellen „Bayerischen Kuhnamensverzeichnis“. Herausgeber ist das Landeskuratorium der Erzeugerringe für tierische Veredelung in Bayern e.V. (LKV Bayern). Bei der Molkerei Berchtesgadener Land bestätigt man, dass es unter den zuliefernden Milchbauern üblich ist, den Tieren Namen zu geben: „Dabei tragen die Kühe innerhalb einer Kuhfamilie traditionell Namen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben“, erklärt Sprecherin Susanne Wendt.

Kuhmutter Walli und ihre Wyoming

Eine Kuh namens „Walli“ bekommt so zum Beispiel ein Kalb mit dem Namen „Wyoming“: „So behalten die Landwirte leicht den Überblick über die verwandtschaftlichen Beziehungen und damit über die genetisch vererbten Eigenschaften wie Vitalität, Klauengesundheit, Fitness und Milchleistung.“ Neben den traditionellen Namen Alma und Gabi, die sich laut LKV Bayern in den hiesigen Ställen großer Beliebtheit erfreuen, finden sich auch von Disney inspirierte Namen wie Arielle und Elsa.

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Andere Milchbauern wie auf dem Fetznhof in Grassau haben einen persönlicheren Ansatz. „Bei uns ist es eigentlich immer ein besonderer Anlass oder eine Geschichte drumrum, wie wir auf den Namen kommen“, berichtet Bäuerin Inge Gasteiger. Die Gasteigers vermieten an Touristen, daher hängen viele Tiernamen mit den Gästekindern zusammen: „Heuer war ein Mädchen namens Corinna zu Gast, deshalb haben wir ein Kalb Coronja getauft“, erzählt die Bäuerin – also eine Mischung aus den zwei Anfangsbuchstaben der Besucherin und dem aktuellen Dauerthema, Corona. Auch eine „Alma“ gebe es auf dem Hof – sie wollte nicht im Stall, sondern auf der Almweide zur Welt kommen.

Namen machen eine Trennung schwerer

Auf dem Sepp’n-Bauer-Hof in Bernau hält man es dagegen so, dass Tiere, die bald geschlachtet werden, keine charakteristischen Namen bekommen: Es bleibe dann eher bei Kosenamen, erklärt Seniorbäuerin Mariele Simon: „Das sind dann halt unsere `Muggerl´. Wir gehen genauso liebevoll mit Schlachttieren um wie mit unseren Mutterkühen, aber wenn wir ihnen ausgewählte Namen geben, entsteht eine engere Bindung, man kann sich dann schwerer von ihnen trennen.“ Sie habe auch schon erlebt, dass die Kundschaft genauso denkt: „Ich habe im Hofladen mal erwähnt, dass unser Ochse Jackl bald geschlachtet wird, und da rief eine Kundin entsetzt, dass die das Fleisch nicht bestellen möchte, weil sie nun den Namen des Tieres wüsste.“

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Erste Besamung als guter Zeitpunkt für Namen

Kälber, die bei ihren Müttern gehalten werden, bekommen beim Sepp´n-Bauern traditionell immer schon Namen – hier dürfen die Enkelkinder mithelfen. „Das sind dann durchaus mal die Namen der eigenen Freunde“, schmunzelt Simon. Die Namen könnten sich alle auf dem Hof gut merken: Das neue Kalb Lilly zum Beispiel habe eine besonders auffällige Scheckung. Obwohl nicht unbedingt üblich, geben die Simons auch ihren Mütterschweinen Namen in alphabetischer Reihenfolge: „Zum Beispiel haben wir gerade eine Amanda und eine Babette im Stall.“ Seinen Schweinen gibt Biobauer Thomas Schuster aus Rimsting zwar keine Namen, aber er hält es wie die Simons und „tauft“ seine Milchkühe: „Ein guter Zeitpunkt dafür ist, wenn sie das erste Mal besamt werden. Dann entscheiden wir in der Familie darüber, wie sie heißen sollen.“

Wenn „Tussi“ noch nicht kommen mag

Auch seine Eltern, deren Hof er heute weiterführt, hätten ihre Kühe benannt: „Meine Mutter hatte für diesen Zweck ein spezielles Namensbuch.“ Bei den Schusters dürfen die Kinder bei der Namensvergabe mitreden: „Sie finden es lustig, wenn man quer über die Weide `Tussi´ rufen muss.“

Nicht nur Kühe sind Persönlichkeiten für ihre Besitzer. Sigrid Hogger vom Lenznhof aus Bernau hält Alpakas: „Wir suchen uns die Namen aus, die uns gefallen“, sagt sie. Das allererste Fohlen hieß passenderweise Lenz. „Gottseidank war es auch ein Hengst, sonst wäre es schwierig geworden“, sagt Hogger lachend.

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