Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Berufung gefunden

Von der Werkbank in den Wald: Petra Demmel ist die einzige Försterin im Achental

Auf Verbissschäden kontrolliert Försterin Petra Demmel kontrolliert im Revier Marquartstein eine junge Tanne.
+
Auf Verbissschäden kontrolliert Försterin Petra Demmel kontrolliert im Revier Marquartstein eine junge Tanne.
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
    schließen

Petra Demmel ist ein Unikat. Sie ist die einzige Försterin im Achental. Dabei war ihr Weg in die Forstwirtschaft keinesfalls vorgezeichnet. Stattdessen führte eine Zufallsbegegnung in ihren heutigen Beruf.

Marquartstein – Die junge Frau lässt vorsichtig die hellgrünen Spitzen der kleinen Tanne durch ihre Finger gleiten. Petra Demmel kontrolliert gerade, ob die jungen Bäume durch hungriges Wild angeknabbert worden sind. Sie betreut als stellvertretende Försterin der Bayerischen Staatsforsten das Revier Marquartstein des Forstbetriebs Ruhpolding und ist eine der wenigen Frauen, die sich den Beruf des Försters als Lebensgrundlage ausgesucht haben.

Mit einer Schreinerlehre nach dem Fachabitur startete Petra Demmel zunächst in ihre berufliche Zukunft. Während einer Reise durch Kanada lernte die Münchnerin eine Forststudentin kennen und war fasziniert von den Erzählungen über deren Ausbildung. Vor allem die Zusammenhänge des Ökosystems Wald hätten sie fasziniert, berichtet Demmel.

„Försterluft“ geschnuppert

Nach ihrer Rückkehr schnupperte sie bei einem Praktikum im Forstbetrieb Schliersee ein wenig „Försterluft“ und entschloss sich zu einem Studium der Forstwirtschaft in Weihenstephan – neben ihrem Beruf als Schreinerin. „Ich war auf der Suche nach einem Beruf, der Sinn macht“, erklärt Petra Demmel ihre Entscheidung. „Der Wald ist faszinierend, er ist eine unserer Lebensgrundlagen. Der Försterberuf ist sehr vielseitig und man ist immer im Einklang mit der Natur.“

Dabei hätte sie sich ob des breit gefächerten Studiums auch andere Optionen vorstellen können. „Es war nicht von Anfang an mein Ziel, Försterin zu werden“, sagt sie im Rückblick. Denn mit dem Forstwirtschaftsstudium bestehe auch die Möglichkeit, in die Forschung oder die Holzindustrie zu gehen. Aber je mehr Praktika sie im Wald absolvieren durfte, desto eher sei ihre klar geworden: Försterin, der Beruf taugt ihr.

Rund ein drittel Frauen im Studium

Nach dem Studium und verschiedenen Ausbildungsstationen kam die junge Frau 2020 als erste Försterin zum Forstbetrieb Ruhpolding. Noch betreut sie, inzwischen Mutter zweier Kinder, kein eigenes Revier und hilft quasi als „Springerin“ aus, wie gerade im Revier Marquartstein.

Die Zusammenarbeit mit ihren männlichen Kollegen beschreibt Petra Demmel als unkompliziert, „nur die Anrede bei den Mails musste ich anfangs anpassen, da es immer ‚Sehr geehrte Herren‘ hieß“, schmunzelt sie. Dabei sei der Frauenanteil im Studium gar nicht derart klein gewesen. Rund ein Drittel habe die Quote ihrer Kommilitoninnen ausgemacht. „Aber bis zum Berufseinstieg sinkt der Frauenanteil“, berichtet Demmel. Den Grund dafür kennt sie nicht.

Pflanzen gezielt schützen

Ein Einblick in ihre Aufgaben als Försterin im Staatswald zeigen die vergangenen Tage: Bei Inventuraufnahmen wurde die geschnittene Holzmenge erfasst. Oder die „Verbissaufnahme“, wie intensiv also Wild an jungem Baumbestand geknabbert hat. Sollten diese Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren zu hoch sein, würde die Försterin Schwerpunktjagden organisieren und Pflanzen einzeln gezielt schützen.

Dann steht im Terminkalender von Petra Demmel die Einsatzleitung bei der Holzernte, wenn Bäume geschnitten werden, die zuvor mit Sprühfarbe von der Försterin „ausgezeichnet“ wurden.. „Dazu zählen geschädigte Bäume, etwa durch Schneebruch, Schädlinge, Sturm oder wenn Platz und Licht für junge neue Bäume geschaffen werden muss.“

Holz sinnvoll und nachhaltig nutzen

Probleme bereiten der jungen Frau, wie allen ihren Kollegen, oft die „Freizeitnutzung“ mancher Waldbesucher: „Etwa Radler, die in der Dämmerung schwierige Wege befahren und damit Wild und Jagd stören oder bei Arbeiten im Wald, wenn Wanderer Absperrungen und Alternativrouten nicht akzeptieren.“

Bei ihrer Arbeit als Försterin liegt Petra Demmel vor allem am Herzen, dem Wald Gutes zu tun und sein Holz sinnvoll und nachhaltig zu nutzen. Dabei würden viele Interessen auf dem Wald liegen und „oft ist es schwierig, alles unter einen Hut zu bringen: Wald-Ressourcen und Freizeitnutzung sowie den Natur- und Artenschutz.“ Doch Petra Demmel blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Wir sind hier im Achental im Vergleich zu anderen Regionen in einer sehr günstigen Situation, etwa durch die Wasserversorgung. Und wir probieren immer wieder neue Baumarten aus, auch fremdländische, um den Wald auf den Klimawandel so gut als möglich einzustellen.“

Mehr zum Thema