Von Berufsplattlern und Olympia: GTEV Marquartstein besteht 100 Jahre

Gauvorstand Michael Huber überreichte Martin Heiler das Geschenk des Chiemgau-Alpenverbandes.
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Gauvorstand Michael Huber überreichte Martin Heiler das Geschenk des Chiemgau-Alpenverbandes.

Ein prachtvolles Gaufest, „Berufsplatter“, die Olympischen Spiele in München und ein Kassier, der sich mit dem Geld davon macht: Auf all das blickten die Marqartsteiner Trachtler anlässlich ihres Jubiläums zurück.

Von Ute Fembacher

Marquartstein – 100 Jahre ist er in diesem Jahr geworden, der GTEV Marquartstein-Piesenhausen. Zwei Jahre Planungsarbeit lagen hinter Vorstandschaft und Festausschuss, dann fegte Corona alle Pläne vom Tisch. Übrig blieb nur eine Handvoll Bilder der Marquartsteiner Trachtenkinder, die sich das Fest im wahrsten Sinne des Wortes in den buntesten Farben ausgemalt hatten.

Würdiger Abend, wenn auch kein Fest

Zu sehen waren diese Bilder, als der Verein sein Gründungsfest mit einem Festakt im kleinen Kreis beging. „Kein Ersatz für unser Fest, aber ein sehr, sehr würdiger und geselliger Abend“, fand Martin Heiler, erster Vorstand.

Selbst gemalte Bilder von den Trachtenkindern

Zum Auftakt zelebrierte Ruhestandspfarrer Hans Krämmer einen Wortgottesdienst in der Pfarrkirche, untermalt vom Gitarrentrio der Musikschule Grassau. Anschließend fanden sich Mitglieder des Vereins und geladene Gäste im herbstlich geschmückten Prinzregentensaal ein.

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Gauvorstand Michael Huber überbrachte Glückwünsche und eine bemalte Scheibe vom Chiemgau-Alpenverband. Vertreter der Patenvereine „D’Hochplattner Grassau“ und „D’Staffelstoana Bernau“ fehlten im Kreis der Gratulanten ebenso wenig wie Abordnungen der Marquartsteiner Ortsvereine. Den musikalischen Rahmen des Festabends gestalteten die Unterstoa Musi und die Marquartsteiner Alphornbläser.

Fusion zweier Vereine

In seiner Festrede blickte Heiler zurück in die Vereinsgeschichte und erwähnte wichtige Eckdaten wie die Gründung des Trachtenvereins Marquartstein am 18. April 1920, die Gründung des Trachtenvereins Piesenhausen am 9. Oktober 1926. Die beiden Verein schlossen sich am 10. November 1968 zum Trachtenverein Marquartstein-Piesenhausen zusammen. Unvergessen für Heiler war auch das prachtvolle Gaufest, das Marquartstein 1996 ausrichtete.

Bei Anekdoten und Details aus der Vereinsgeschichte spitzten die Zuhörer die Ohren: Dass der Trachtenverein bei den Feierlichkeiten anlässlich der Olympischen Spiele in München dabei war, dürfte dem einen oder anderen noch in Erinnerung gewesen sein.

Von Marquartstein aus um den Globus

Wer aber kannte noch die Geschichte von den Marquartsteiner „Berufsplattlern“? In der Tat hatten sich im Jahr 1927 elf aktive Vereinsmitglieder entschieden, dem Ruf des bekannten Kunstmalers Anton Müller-Wischin nach München zu folgen und das Platteln zum Beruf zu machen. Von München aus gingen sie auf Tournee in aller Herren Länder und machten Marquartstein weltbekannt.

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Weniger ruhmreich verhielt sich ein Kassier um das Jahr 1928, wie Heiler verriet: „Der Trachtenverein Marquartstein hatte seine Fahne beauftragt, doch kurz vor dem Bezahlen verschwand der Kassier mit dem Geld.“ Rettung kam vom damaligen Vorstand Georg Bernhofer, der dem Verein 940 Reichsmark vorstreckte. Der Kassier ward nie mehr gesehen, die Fahne aber erstrahlt zum diesjährigen Jubiläum frisch restauriert in neuem Glanz.

Hoffen auf die Zeit nach Corona

Angesichts der Corona-Situation betonte Heiler, dass der Verein schon durch viele Hochs und Tiefs gegangen sei. „Immer aber war die Geschichte unseres Trachtenvereins von einem regen Vereinsleben geprägt“, so Heiler weiter, „wollen wir hoffen, dass dies bald wieder möglich ist.“

Jugendarbeit hat große Bedeutung für Dorfleben

Auf den gesellschaftlichen Wert des Trachtenvereins ging auch Bürgermeister Andreas Scheck ein. Er betonte die Bedeutung des Trachtenvereins für das soziale und kulturelle Leben im Dorf. „Ich danke dem Verein für seine engagierte Jugendarbeit und die vielen Feste und Veranstaltungen, mit denen er das Dorfleben bereichert“, sagte Scheck.

Anlässlich des Jubiläums hat der Verein auch eine Festschrift herausgegeben. Im Foyer des Marquartsteiner Rathauses ist sie gegen eine Spende erhältlich.

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