Vom Hochzeitslader zum Helfer in Europa

Heimatabend in Prien am 15. Juni 1967 im Bayerischen Hof: Ernst Rupp zusammen mit Marianne Eham sowie Ilse Gossner und Gisela Obermaier als Aschauer Dreigesang. Hötzelsperger
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Heimatabend in Prien am 15. Juni 1967 im Bayerischen Hof: Ernst Rupp zusammen mit Marianne Eham sowie Ilse Gossner und Gisela Obermaier als Aschauer Dreigesang. Hötzelsperger

Prien –. Der Priener Ernst Rupp hat sich vom Chiemgauer Hochzeitslader und Heimatabend-Ansager zu einem internationalen und stillen Helfer Europas entwickelt.

Auch mit 92 Jahren ist er noch unterwegs nach Ungarn und Südtirol, um armen Menschen zu helfen. Lediglich die Corona-Krise hat zu einer Reisepause geführt. Sobald die Reisefreiheit wieder hergestellt und Corona-Gefahren größtenteils vorbei sind, soll es wieder losgehen. Es war im Jahr 1950, als Rupp bei einer Hochzeit von der Musik gebeten wurde, die Ehrentänze mangels Hochzeitslader anzusagen. Daraus entstand eine langjährige Aufgabe, die mit einer ersten eigens organisierten Hochzeit im Gasthof Stocker in Prien-Atzing begann und 1985 bei einer Hochzeit in der Wil denwarter Schlosswirtschaft endete. „Dazwischen waren Hunderte Hochzeiten und viele lustige Begebenheiten“, so Rupp, der 1960 auch beim ersten bayerischen Hochzeitsladertreffen dabei war. Aus den Erfahrungen und Kontakten bei den Feierlichkeiten ergab es sich auch, dass Rupp von den Trachtenvereinen gebeten wurde, die Heimatabende zu moderieren.

Der erste Heimatabend mit dem Priener Trachtenverein und der Blaskapelle Prien war im Saal des Bayerischen Hofes vor Ort. Jahrzehntelang fungierte er auch als Ansager bei den Trachtenvereinen Hohen aschau und Bernau. Zuweilen kam er dabei auch bis zum Tegernsee und nach Bad Tölz. „Meine Aufgabe verstand ich immer so, dass ich für den Ort des Heimatabends und für den Chiemgau im allgemeinen Fremdenverkehrswerbung machte. Hierfür stellte ich mir eigene Gedichte zusammen“, so Rupp. Er war dafür bekannt, lange und klangvolle Gedichte über das Chiemgau-Land auswendig vorzutragen. Um all die Aufgaben und Termine für Hochzeiten und Trachtenabende wahrnehmen zu können, musste er beruflich Rücksicht erfahren. Hierzu dankt er: „Meine damaligen Arbeitgeber Baron und Freiherr Ulrich Varnbüler von Prien-Bauernberg und die Priener Firma Systemform haben mit viel Verständnis meine Aktivitäten unterstützt“.

Die Dankbarkeit spielte immer eine große Rolle. So erhielt er lange für seine schwer kranke Frau Medikamente. Da diese in Deutschland nicht zu bekommen waren, reiste er mehrmals nach Ungarn. „Diese Medizin war viele Jahre für meine dann 1982 verstorbene Frau von großer Hilfe. Als wir bei unseren Fahrten für arme ungarische Familien Kleidung und Textilien mitbrachten, da spürten wir eine enorm tiefe Dankbarkeit“, erzählte Rupp, der inzwischen seit 40 Jahren zu Ungarn-Deutschen fährt und sich auch gerne daran erinnert, dass er an der Grenze immer freundlich behandelt wurde. „Im Laufe der Jahre haben sich die Grenzer sogar mit mir angefreundet.“ Das vergisst er ebensowenig wie die Sach- und Kleiderspenden von Freunden und Bekannten, sodass er bei seinen mehrmals im Jahr durchgeführten Fahrten stets mit Spenden beladen war.

Später folgte neben Ungarn noch Südtirol als weiteres Ziel, das Rupp seit inzwischen 35 Jahren ansteuert. Hierzu weiß er zu berichten: „Richtig ärmliche Bergbauernfamilien mit zuweilen mehr als zehn Kindern waren immer überglücklich, wenn ich mit Kleidung, Schuhen und weiteren Sachen kam. An eine Familie erinnere ich mich noch besonders. Da waren die ersten zehn Kinder allesamt Dirndl, das elfte Kind war dann ein Bua und die Freude über den Stammhalter war groß. Noch dazu, weil ich für ihn was Passendes zum Anziehen dabei hatte.“

In Südtirol waren die Gegenden um Bozen und Meran sowie das Passeiertal Ziel für Hilfsfahrten. Dabei übernachtete Rupp bei den gastfreundlichen Familien. Bis heute benötigt er für seine Ungarn- und Südtirol-Fahrten kein Navi, Landkarten genügen. Sofern er diese braucht, denn er kennt seine Strecken wie seine Hosentasche. hoe

Noch immer als Helfer aktiv: Ernst Rupp.

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