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Marktgemeinderat stimmt für Mitgliedschaft im Verein Yamalé

Vom Flüchtling zum Unternehmer: Prien will Eine-Welt-Preis gewinnen

Bei der Unterschrift im Rathaus: Yamalé-Vorsitzende Helke Büchner-Fussell und Bürgermeister Andreas Friedrich.
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Bei der Unterschrift im Rathaus: Yamalé-Vorsitzende Helke Büchner-Fussell und Bürgermeister Andreas Friedrich.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Der Priener Verein Yamalé unterstützt erfolgreich afrikanische Rückkehrer. Die Marktgemeinde erhofft sich von diesem Engagement Rückenwind im Rennen um einen bayernweiten Preis.

Prien – Prien ist nach einem einstimmigen Beschluss in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung Mitglied im Verein „Vision Yamalé“. Bürgermeister Andreas Friedrich (ÜWG) zückte gleich am nächsten Tag seinen Füller und setzte seine Unterschrift unter den Mitgliedsantrag. Damit sollen die Chancen für die Bewerbung um den Bayerischen Eine-Welt-Preis 2022 steigen.

Der Freistaat Bayern vergibt diesen Preis alle zwei Jahre zusammen mit dem Verein „Eine Welt Netzwerk Bayern“. Auf der Internetseite des Vereins ist zu lesen, dass der Verein 1999 gegründet wurde und sich als Dachverband für entwicklungspolitische Gruppen, Einrichtungen, Weltläden und lokale Netzwerk versteht. Mit Aktionen und Bildungsveranstaltungen will der Verein nach eigener Auskunft mehr Menschen dafür gewinnen, ihr Denken und Handeln an der Verantwortung für die Eine Welt zu orientieren.

Sonderpreis für Kommunen

Der Sachvorlage der Verwaltung war in der Gemeinderatssitzung zu entnehmen, dass es für bayerische Kommunen einen Sonderpreis gibt. Kriterien seien vorbildliches kommunales Eine-Welt-Engagement, Fairer Handel, kommunale Partnerschaftsarbeit oder die Integration von Flüchtlingen.

„Viele dieser Kriterien setzt der Markt Prien bereits vorbildlich um“, so die Verwaltung. Prien sei ausgezeichnete Fair-Trade-Gemeinde und auch auf den Interkommunalen Kindergarten mit der Nachbargemeinde Frasdorf weist sie hin.

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Der Priener Verein Vision Yamalé engagiert sich auf besondere Weise um die Entwicklungsarbeit in Afrika. Der Verein hatte in den zurückliegenden Jahren mehrfach auf sich aufmerksam gemacht, weil er Flüchtlinge aus Afrika in Prien betreut, sie in Ausbildung bringt und finanziell bei der Rückkehr ins Heimatland unterstützt, damit sich die jungen Männer zuhause eine Existenz aufbauen können. Gemeinderat Michael Voggenauer (FWB) hatte im Hauptausschuss im Januar angeregt, dass sich der Verein im Gemeinderat vorstellen sollte.

Die Vorsitzende Helke Büchner-Fussell erklärte, Verein Yamalé sei ein Projekt für Flüchtlings-Rückkehrer und Aufbauprogramm für Afrika. Yamalé bedeute übersetzt „auf Augenhöhe“. Die Prienerin ließ die Geschichten mehrerer afrikanischen jungen Männer Revue passieren, die mit Unterstützung von Yamalé wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind.

Den Anfang macht Babakar Segnane. Sein Asylantrag war abgelehnt worden. 2017 kehrte er in sein Heimatdorf Musa in den Senegal zurück, wo er dank einer Anschubfinanzierung aus Prien Gemüse anbaut, Hühner züchtet und einen Veranstaltungsraum mit Catering auf die Beine stellte. In Anlehnung an Prien heißt er „Prime am Kinze Prestige“. Inzwischen beschäftigt Babakar acht bis zehn Mitarbeiter. Auf der Internetseite von Yamale sind inzwischen zwölf solcher Projekte nachzulesen, darunter auch das von Demba Tounkara. Er absolvierte bei Elektro Langl in Prien eine Ausbildung zum Elektriker und kehrte vergangenen November in den Senegal zurück. Dort baut er sich einen Elektrobetrieb auf.

„Unsere Ziel ist es, in Afrika Leuchtturmprojekte zu schaffen und Innovationen anzustoßen“, sagte Helke Büchner-Fussell dem Marktgemeinderat Prien. „Die Jungs haben hier bei uns was anderes gesehen, da kommt eine ganz andere Motivation und Dynamik auf.“ Erklärtes Ziel des Vereins ist es laut der Vorsitzenden, weitere Mitglieder und Spender zu gewinnen sowie europäische Fördermöglichkeiten auszuloten.

Bürgermeister Friedrich sprach bei Yamalé von einem „tollen Projekt und Ansatz“. Den jungen Männern aus Afrika werde bewusst gemacht, dass auch sie Fähigkeiten hätten, die in ihrer Heimat gefragt seien. Der Bürgermeister sprach von „Wissenstransfer über Flüchtlinge“, die zurückkehrten.

Hilfe zur Selbsthilfe und Fair Trade

Angela Kind (Grüne) schilderte, sie sei selbst Mitglied bei Yamalé und bei Projekten maßgeblich beteiligt gewesen. „Es ist so wichtig, Menschen in Afrika oder Asien dabei zu unterstützen, sich selbst etwas zu schaffen“, sagte sie. Das passe ganz wunderbar zusammen mit dem Fair-Trade-Gedanken in Prien. Sie erklärte sich bereit, aus ihrem Fair-Trade-Budget den Mitgliedsbeitrag von 250 Euro im Jahr zu bezahlen.

Johannes Dreikorn (CSU) wollte wissen, mit wie viel Geld Yamalé pro Projekt kalkuliere. Helke Büchner-Fussell nannte 5000 Euro, die zum Beispiel einem Schlosser für den Aufbau seiner Firma mitgegeben worden aren. Bei Elektriker Demba sei etwas mehr Geld nötig, derzeit würden für ihn Spenden für ein Auto gesammelt. Kind verwies darauf, dass es sich bei der Unterstützung um Darlehen handle, die die Männer zurückzahlen müssten, sobald sie auf eigenen Füßen stünden. Weitere Diskussionen gab es nicht, alle Gemeinderäte waren sich in der Sache einig.

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