Vom Champagner bis zur Hundeleine - Zechprellerin vor Amtsgericht Traunstein

Eine teuere Auszeit nahm sich eine Pforzheimerin in einem Hotel im Chiemsee – und bezahlte nicht dafür.
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Eine teuere Auszeit nahm sich eine Pforzheimerin in einem Hotel im Chiemsee – und bezahlte nicht dafür.

Den vollen Service nahm eine 43-jährige Hartz IV-Empfängerin im August 2017 in einem Hotel am Chiemsee in Anspruch. Übrig blieb eine Rechnung in Höhe von knapp 7200 Euro. Bezahlt ist die Rechnung größtenteils bis heute nicht. Der Fall landete nun vor dem Amtgericht Traunstein.

Von Monika Kretzmer-Diepold

Traunstein – Sie übernachtete in einer Suite, nutzte das Spa, trank Champagner und ließ sich sogar ein Hundehalsband bereitstellen. Übrig blieb eine Rechnung in Höhe von knapp 7200 Euro. Bezahlt ist die Rechnung größtenteils bis heute nicht.

Richter Christopher Stehberger stellte das Verfahren am Amtsgericht Traunstein am Dienstag auf Antrag von Staatsanwältin Lisa Oesterle per Beschluss ein. Hintergrund ist eine bereits rechtskräftige Verurteilung der mehrfach vorbestraften Frau durch das Amtsgericht Göppingen.

„Eine Auszeit am Chiemsee“

Gegen die Pforzheimerin war im November 2019 wegen ganz anderer Vorwürfe eine 13-monatige Bewährungsstrafe mit spürbarer Geldauflage verhängt worden. Die Slowakin ließ über ihren Anwalt am Dienstag alle Vorwürfe als zutreffend einräumen. Demnach wollte sie sich mit ihrem minderjährigen Sohn nach „schwerer Zeit eine Auszeit gönnen“. Bei diesen Worten griff die Slowakin zum Taschentuch. Der Verteidiger betonte, seine Mandantin habe die Rechnung nie schuldig bleiben wollen und gedacht, ihr Konto verfüge über die notwendige Deckung.

Champagner und Kokos-Trüffel

Die 43-jährige checkte am 21. August 2017 in dem Hotel am Chiemsee ein und blieb bis 1. September. Sie bezog mit Sohn und Hund eine Luxussuite samt Dampfbad, Whirlpool und eigenem Eingang. Die Angeklagte besuchte Hotelbar, Restaurants, Sauna, Spa, bediente sich an der Minibar. Auch orderte sie mehrmals Champagner und Kokos-Trüffel.

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Das Hotel wollte exakt 7197,76 Euro beim Auschecken kassieren. Nachdem sie nicht bezahlen konnte, verständigte der Geschäftsführer die Polizei. Der frühere Freund der Slowakin war vor Ort und hob 1000 Euro ab, um die Rechnung zu begeleichen. Zudem unterschrieb er zusammen mit der Frau eine Schuldanerkenntnis. Vom restlichen Betrag hat das Hotel bislang keinen Cent gesehen.

Paar auch gegeneinander vor Gericht

In der Beweisaufnahme wurde es kompliziert und verwirrend. Die Frau und ihr früherer Lebensgefährte hatten sich jenem August getrennt. Davor hatte er sie gebeten, ein Konto bei einer Bank in Göppingen auf ihren Namen zu eröffnen. So wollte er einen Teil seines Geldes vor dem Insolvenzverwalter retten.

Der Ex-Freund berichtete von anschließendem Streit um die darauf deponierten gut 150���000 Euro, wegen der er bereits vor Gericht gezogen war. Nach einem zivilrechtlichen Vergleich schuldet sie ihm noch 110 000 Euro.

Ein Mercedes und ein Detektiv

Im Vorfeld hatte die Slowakin mehrmals hohe Barbeträge abgehoben. Zusammen hatte das Paar einen Mercedes für 25 000 Euro gekauft. Kurz vor dem Hotelbesuch waren laut Bank 65 000 Euro auf dem Konto, am Tag des Eincheckens nur noch 10 000 Euro. Die Angeklagte erklärte, sie habe 7000 Euro für einen Privatdetektiv aus Traunstein gebraucht, der sie im Hotel „schützen“ sollte – wovor, wurde nicht klar.

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Für die restlichen 3000 Euro habe sie „gegessen, getrunken und eingekauft“, so die Pforzheimerin. Dann jedoch habe die Karte nicht mehr funktioniert – wohl, weil der Ex das Konto habe sperren lassen.

Wo sind 150 000 Euro?

Sie bat ihn deshalb zu einer Aussprache in das Hotel. „Als ich kam, war der Detektiv da. Wochen später wollte er dann von mir 2000 bis 3000 Euro, weil ihn die Angeklagte nicht bezahlt hat“, sagte der Ex-Freund. Wo die über 150 000 Euro geblieben seien, wisse er nicht: „Da müssen Sie sie fragen.“

An diesem Punkt brach das Gericht die Hauptverhandlung ab und entschied, das Verfahren ohne Urteil zu beenden. Verteidiger Mathias Bürckle aus Pforzheim war einverstanden. Der jetzige Prozess hätte nach Worten von Richter Christopher Stehberger im Fall eines Schuldspruchs eine nur unerheblich höhere Gesamtstrafe erbracht. Zudem hätten angesichts widersprüchlicher Aussagen Nachermittlungen erfolgen müssen – die vielleicht sogar zu einem Freispruch der 43-Jährigen hätten führen können.

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