Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Mit Vollgas auf Freundin

Traunstein - Ein von Trennungsängsten geplagter angetrunkener 50-jähriger Österreicher rastete am Nachmittag des 2. Juni 2008 am Steuer seines Autos total aus und versuchte, seine 54-jährige Freundin zu überfahren. Gestern verhängte das Schöffengericht Traunstein mit Richter Wolfgang Ott an der Spitze eine Gefängnisstrafe von neun Monaten auf Bewährung.

Das Paar führte über Jahre eine schwierige Beziehung. Am Tattag - man hatte sich vorher in Traunstein zu einer Aussprache getroffen - fuhr der Halleiner mit Vollgas und in Schlangenlinien über die Kreisstraße in Richtung Kammer und sprach von «Umbringen». Kurz vor Bäumen am Straßenrand bremste er ab. Der Frau gelang es auszusteigen.

Sie lief auf zwei junge Radfahrer zu. Als sie drei Meter vom Pkw des Angeklagten entfernt war, gab der 50-Jährige ein weiteres Mal Gas. Nur durch einen schnellen Sprung konnte sich die Frau retten, von hinten überfahren zu werden. Dabei streifte sie der Pkw noch. Wie durch ein Wunder blieb die 54-Jährige unverletzt.

Sie schrie laut um Hilfe. Die Radler kümmerten sich um die völlig aufgelöste Frau. Ein 56-jähriger Siegsdorfer sah die Frau bei den Jugendlichen stehen: «Sie war ziemlich fertig.» Die 54-Jährige bat ihn, sie mit seinem Fahrzeug mit nach Traunstein zu nehmen.

Überraschend für alle tauchte der Angeklagte bald darauf wieder mit seinem Pkw auf. Er hielt hupend Kurs auf die 54-Jährige zu, zog seinen Wagen letztlich aber nach links über die Gegenfahrbahn in eine Parkbucht. Mit mindestens 50 Stundenkilometern prallte er frontal in einen massiven Metallcontainer. Dabei erlitt er eine Fraktur des Brustbeins. Die Jugendlichen verständigten Notarzt und Polizei. Der Österreicher kam ins Klinikum Traunstein. Später wurde er ins Bezirksklinikum in Gabersee gebracht, ehe er für fast sechs Wochen in Untersuchungshaft wanderte. Seinen Arbeitsplatz verlor er. Inzwischen ist er seit Januar 2009 angestellt bei einer Rahmenfirma nahe des Salzburg-Rings.

Die Hintergründe der Tat versuchte der psychiatrische Gutachter, Dr. Stefan Gerl vom Bezirksklinikum in Gabersee, zu erhellen. Nach Angaben des Angeklagten habe dieser früher schon Probleme mit einer Partnerin gehabt. Wegen sexueller Nötigung sei er in Österreich zu einer Strafe mit Bewährung verurteilt worden. Im Anschluss habe er eine Therapie absolviert.

Beziehung war ein ewiges Auf und Ab

Die Beziehung mit der 54-Jährigen, die er vor etwa zehn Jahren auf einem Campingplatz kennen gelernt habe, sei «ein Auf und Ab» gewesen mit wiederholten Trennungen. Die Frau habe zeitweise bei dem Halleiner gelebt, ansonsten in ihrer Heimatstadt Meschede. Im Mai 2008 sei die 54-Jährige ganz zurück nach Meschede. Am Tattag habe man sich zu einer Aussprache über die Beziehung getroffen. Für den nächsten Tag sei in Traunstein ein Paargespräch geplant gewesen.

Bis heute in die jüngste Zeit ließ der Angeklagte die 54-Jährige nicht in Ruhe. Er meinte dazu gestern: «Ich liebe diese Frau. Wir können nicht ohne einander.» Sie hingegen hat die Nase voll. Der 50-Jährige rufe immer wieder an. Sie habe ihm gesagt: «Unter diesen Umständen kann ich nicht mehr. Dann geht das Theater wieder los.» In der Vergangenheit habe sie der Mann unter anderem gewürgt, mit einem Messer bedroht und eine Treppe hinunter gestoßen - alles «nur wegen Lappalien».

Staatsanwalt Martin Forster beantragte, den 50-Jährigen zu einer 16-monatigen Freiheitsstrafe mit Bewährung mit Auflagen zu verurteilen, darunter eine Geldauflage von 3000 Euro an einen gemeinnützigen Zweck, Fortsetzung der begonnenen Therapie und Sperre der Fahrerlaubnis für noch eineinhalb Jahre.

Im «letzten Wort» beteuerte der Halleiner: «Ich wollte ihr nicht weh tun - im Gegenteil. Und ich bin nicht mit Vorsatz in den Container reingefahren.» kd

Kommentare