Vollauf gelungene Lauf-Premiere

Den Sonntags-Tagessieg holteFlorian Knopf, mehrfacher deutscher Juniorenmeister im Langlauf. Bürgermeister Jürgen Seifert und PriMa-Geschäftsführerin Andrea Hübner empfingen ihn im Ziel. München Marathon GmbH

1090 Teilnehmer, gut gelaunte Sportler und Helfer, keine Verletzten, eine reibungslose Organisation – mit der Premiere des Herrenchiemsee-Laufs sind die Veranstalter vollauf zufrieden. 180 Läufer bewältigten Samstag und Sonntag die je 21,0975 Kilometer und kamen somit in die Marathonwertung.

Herrenchiemsee – Fit und ehrgeizig waren viele Teilnehmer, aber so entspannt wie Florian Knopf überquerte keiner die Ziellinie. Kein bisschen außer Atem, war der 19-jährige Bernauer Sekunden nach dem Zieleinlauf schon bereit fürs Sieger-Interview mit der Chiemgau-Zeitung. In 1:21:48 Stunden hatte er den ersten Halbmarathon seines Lebens geschafft. Der mehrfache deutsche Juniorenmeister in verschiedenen Langlaufdisziplinen hatte erst am Vortag entschieden, am Sonntag mitzulaufen. Erst drei Tage zuvor war er vom Urlaub in Thailand zurückgekehrt, wo er – in der Trainingspause nach Saisonende – „eher faul“ gewesen war. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so gut geht“, meinte Knopf im Ziel, räumt dann aber ein, der letzte Berg sei doch „recht zäh“ gewesen.

Wer nämlich meinte, die zwei Runden um und über die Herreninsel seien flach, der irrte: Gut 190 Höhenmeter kamen beim Halbmarathon zusammen. Jakob Nein wusste da genau, was auf ihn zukommt. Der Leiter der Abteilung „Garten, Park, Landwirtschaft und Forst“ auf der Herreninsel lebt mit seiner Familie auf der Insel und hatte ausgiebig Gelegenheit, vor Ort zu trainieren. Und so konnte er seine Frau Bobbi zum Anfeuern an der schwierigsten Stelle, dem langen Zieher nach Pauls Ruh, platzieren.

Er habe mitlaufen müssen, wenn er schon einen Lauf vor der Haustüre „auf dem Silbertablett“ serviert bekomme, meinte er am Samstag, kurz nach dem Zieleinlauf schon recht erholt – mit dem Sohn auf den Schultern und einem Ziel-Spezi in der Hand. Sein Ziel – unter eineinhalb Stunden – hatte er um vier Minuten unterboten. Und nein, nur weil er die Insel in- und auswendig kennt, hat er keine Abkürzungen genommen. Das lässt sein Sportsgeist nicht zu.

Ebenso wie der „Insel-Gärtner“, wie er sich selbst gerne nennt, war auch Andrea Hübner, Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH (PriMa) beim Austüfteln der Strecke eingebunden. Dass sie es am Samstag gut unter zwei Stunden ins Ziel schaffte, sei „dem Wetter geschuldet“, meinte sie bescheiden. Sie laufe lieber, wenn es kühl ist – und das war es an beiden Tagen, wenn auch weit trockener als die Vorhersage befürchten ließ. „Traumhaft ist die Strecke, gerade jetzt zum Frühlingserwachen, und sehr abwechslungsreich“, so Hübners privates Fazit als Läuferin.

PriMa-Chefin: Fazit sportlich und beruflich top

Auch ihr berufliches Resümee, schließlich war die PriMa gemeinsamer Veranstalter zusammen mit der München Marathon GmbH, ist positiv. Zwar war die maximal von der Schlösser- und Seenverwaltung genehmigte Läuferzahl von 2000 nicht erreicht, aber die Veranstaltung sei erst ab Oktober und damit eher spät beworben worden. Für eine Premiere sei es „ein voller Erfolg“. Dankbar ist Hübner um die Erfahrung des Profi-Partners der Marathon GmbH, aber auch um die vielen ehrenamtlichen Helfer vor Ort. Vor allem der TuS und der Skiclub aus Prien, aber auch viele kleinere Vereine und Einzelhelfer hatten mit angepackt, zum Beispiel an den Verpflegungsständen oder als Motivationsstütze unterwegs. „Es war toll, dass da Priener an der Strecke standen und angefeuert haben. Das spornt enorm an“, so Hübner.

Sichtlich in den Füßen gejuckt hat es Priens Bürgermeister Jürgen Seifert, aber er musste sich damit begnügen, an beiden Tagen die Sieger im Ziel willkommen zu heißen. Nach seiner LaufPremiere auf der Herreninsel beim Königslauf im Vorjahr wäre er zu gerne dabei gewesen. Im Urlaub auf Lanzarote vor zwei Wochen hatte Seifert noch viel trainiert, war dann aber mit hohem Fieber heimgekehrt. Einen Rückfall konnte er nicht riskieren, aber Freude an der Veranstaltung hatte er dennoch. „Das Wetter haben wir nicht im Griff, aber alles andere war perfekt“, so der Bürgermeister.

Ins Schwärmen geriet auch Karl Fischer, Geschäftsführer des Logistik-Kompetenz-Zentrums Prien. „Ich war schon bei Laufveranstaltungen in Füssen, am Bodensee und in München dabei, aber landschaftlich ist das der schönste Halbmarathon“, freute er sich, „und mit dem Wetter haben wir ja auch noch Glück gehabt“.

Als „einzigartiges Lauferlebnis auf historischen Wegen“ hat auch Christian A. Biebl den Halbmarathon am Sonntag empfunden. Und das mit Erfolg: Der Bernauer hat sein gestecktes Ziel von unter zwei Stunden mit 1:50 übertroffen. Der Übungslauf für den Chiemseetriathlon, bei dem er die Mitteldistanz absolvieren will, war für ihn ein voller Erfolg.

Blinde Läuferin aus Bad Endorf hängt viele Sehende ab

Schneller als viele Sehende war die blinde Läuferin Renate Hundsberger. Die Bad Endorferin ist seit Jahren ein eingespieltes Team mit ihren beiden Begleiterinnen. Josefine Hobmaier und Marieluise Weichselbaumer lösten sich als ihre Begleitung zwischendurch ab. Die Begleiterin ist mit Hundsberger über ein Stück Schnur verbunden, von dem beide ein Ende in der Hand halten. Zusätzlich sind viele Kommandos und Ansagen der Begleiterperson nötig. Erst recht, wenn es eng wird und die Strecke schwierig ist.

Der teilweise grobe Schotter, enge Kurven und die vielen Menschen beim Start waren eine Herausforderung, so Hundsberger. Deswegen hat die Bad Endorferin ein paar Minuten länger gebraucht als die angepeilten zwei Stunden, aber glücklich ist sie trotzdem. Auch, weil ihr die beiden Lauf-Freundinnen das sportliche Gemeinschaftserlebnis zum 50. Geburtstag geschenkt hatten.

Stolz ist Josefine Hobmaier, die seit Jahren über den TuS Prien das „Lauf10“-Training anbietet, auf die Geschwister Julia und Kilian Huber aus Greimharting. Die 17-Jährige und der 15-Jährige haben vor einem Jahr bei ihr das Laufen begonnen. Binnen zehn Wochen machte Hobmaier sie fit für ihren ersten Zehn-Kilometer-Lauf, den Königslauf auf der Herreninsel. Die Geschwister blieben dabei und liefen jetzt, ein Jahr später, ihren ersten Halbmarathon.

Rundum zufrieden waren hinterher nicht nur die Sportler und die PriMa, sondern auch die München Marathon GmbH. „Die Zusammenarbeit war hervorragend“, lobte Projektleiterin Laura Bauer. Der Marathon auf der Insel sei eine Herausforderung gewesen, auch weil bei der Logistik nichts vergessen werden darf, so Pressereferentin Uschi Moses. „Aber es hat alles geklappt“, ist sie erleichtert, „von uns aus darf es 2020 eine zweite Auflage geben“.

Ein Bericht über das Rahmenprogramm „Prien läuft mit!“ folgt.

Kommentare